Zahl der Wohngeldempfänger steigt in Thüringen – Bezieher leben oft auf dem Land

Erfurt  In Thüringen haben mehr Menschen als zuvor Anspruch auf staatliche Unterstützung. Die Zahl derer, die Wohngeld erhalten, werde nach Ministeriumsangaben in den nächsten Jahren weiter steigen.

Nur etwa ein Drittel der Wohngeldempfänger in Thüringen ist in einer Stadt zu Hause (Symbolbild).

Nur etwa ein Drittel der Wohngeldempfänger in Thüringen ist in einer Stadt zu Hause (Symbolbild).

Foto: Martin Schutt/dpa / dpa

Ein großer Teil der Thüringer, die Wohngeld bekommen, lebt nicht in den Städten des Freistaats. „Rund zwei Drittel der Wohngeldempfänger wohnt auf dem Land“, sagte eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Nur etwa ein Drittel der Wohngeldempfänger sei in einer Stadt zu Hause, wo vor allem das Wohnen in Mietwohnungen verbreitet ist. Auf dem Land dagegen wohnen die Menschen eher in ihren eigenen vier Wänden. Vor allem Rentner und Pensionäre würden durch steigende Wohnkosten so stark belastet, dass sie Anträge auf Wohngeld stellten und diese auch bewilligt würden, so die Sprecherin.

Insgesamt hat sich nach Daten des Infrastrukturministeriums die Zahl der Thüringer Haushalte, die Wohngeld bekommen, im Laufe des Vorjahres leicht erhöht. So hätten zum Stichtag 1. Juli 2020 etwa 18.700 Haushalte Wohngeld erhalten. Anfang Dezember seien es dann etwa 19.000 Haushalte gewesen. Ende 2019 lag die Zahl nach Angaben des Landesamtes für Statistik bei etwa 17.900.

Mehr Anspruchsberechtigte durch Wohngeld-Reform

Zum 1. Januar 2020 war eine Wohngeld-Reform in Kraft getreten. Nach Angaben der Bundesregierung erhielten dadurch etwa 180.000 Haushalte bundesweit erstmals oder erneut einen Anspruch auf Zuschüsse bei den Wohnkosten. Zum 1. Februar 2022 wird das Wohngeld im Zuge dieser Gesetzesnovelle dynamisiert. Das heißt, dass es ab diesem Zeitpunkt alle zwei Jahre an die Miet- und Einkommensentwicklung angepasst werden wird. Wohngeld könne damit auch für Haushalte mit niedrigen Einkommen, in denen Erwerbstätige leben, eine Alternative zum Bezug von Grundsicherung sein.

„Wohngeld ist kein Almosen des Staates“

Wohngeld wird bei Mietern als Zuschuss zur Miete und bei Hauseigentümern, die in ihrer Immobilie leben, als sogenannter Lastenzuschuss gezahlt. Damit soll Menschen mit einem geringen Einkommen geholfen werden, die Wohnkosten zu tragen. Wer Arbeitslosengeld II oder eine ähnliche Sozialleistung erhält, bekommt kein Wohngeld, weil die Wohnkosten über diese Leistungen mitfinanziert werden. „Wohngeld ist kein Almosen des Staates“, heißt es vom Bundesbauministerium. „Wer zum Kreis der Berechtigten gehört, hat darauf einen Rechtsanspruch.“

Zahl der Wohngeldempfänger wird zunehmen

Die Sprecherin des Thüringer Infrastrukturministeriums sagte, es sei davon auszugehen, dass im Laufe des Jahres weitere Haushalte Anspruch auf Wohngeld erhalten würden – oder schon Anspruchsberechtigte mehr Wohngeld erhalten könnten. Grund dafür sei, dass zum 1. Januar 2021 eine pauschale, nach Haushaltsgröße gestaffelte, Kohlendioxid-Komponente bei der Berechnung des Wohngeldes eingeführt worden sei. Diese soll Wohngeldberechtigte zusätzlich unterstützen, weil absehbar ist, dass die Heizkosten in den nächsten Jahren – unter anderem aufgrund politischer Vorgaben – weiter steigen werden.

Die steigende Zahl der Wohngeldempfänger sei aus Sicht des Ministeriums auch ein Beispiel dafür, „dass mehr in den sozialen Wohnungsbau investiert werden muss“, sagte die Sprecherin. Dieser könne wesentlich dafür sorgen, dass in allen Regionen ein ausreichend großes Angebot an preiswertem Wohnraum vorhanden sei. „Durch ein ausreichendes Angebot an bezahlbarem Wohnraum kann die Zahl der Wohngeldhaushalte verringert werden.“