Weimars unterhaltsame Seite

Weimar  Stadtrundgang zur Premiere des Buches „Der Stadtverführer“ von Jürgen Bens sorgt für viel Amüsement

Jürgen Bens (links) und Steffen Knabe (weißer Anzug) bei der Buchpremiere.

Jürgen Bens (links) und Steffen Knabe (weißer Anzug) bei der Buchpremiere.

Foto: Susanne Seide

Bei einem Stadtrundgang mit Anekdoten aus der Neuerscheinung feierte gestern das Buch „Der Stadtverführer“ von Jürgen Bens seine Premiere. Kurzweilig las er an den passenden Stellen in der Innenstadt Begebenheiten aus Weimars Geschichte vor, bei denen auch vermeintliche Kenner staunten.

Auf 223 Seiten hat Jürgen Bens, geboren 1962 in Weimar, Geschichten zusammengetragen, die nicht immer jugendfrei sind, aber stets auf unterhaltsame Weise Fakten von der Urgeschichte bis ins Jetzt vermitteln. So dürfte zwar fast jeder Weimarer wissen, dass Johann Sebastian Bach einst in der Bastille inhaftiert war. Wenige indes, dass er neben seinem Geld auch mit unter anderem 64 Litern Bier pro Jahr für seine bekanntlich am Ende nicht mehr treuen Dienste entlohnt wurde.

Zu den für Goethe wenig schmeichelhaften Eskapaden gehören jene, in denen er mit Herzog Carl August wilden Schabernack trieb, sie Justin Bertuchs Wohnung verwüsteten, Fässer die Gasse hinuntertrieben – und von einer Bäuerin ausbremst wurden. Die beiden sollen bei ihr in einem Butterfass eine Katze ertränkt haben und wollten sich später entschuldigen. Die bodenständige Frau nahm es gelassen und verwies darauf, dass sie die Butter an den Weimarer Fürstenhof verkauft habe, wo alles gefressen werde, schildert Jürgen Bens.

Amouröse Einzelheiten vermag er in seinem Buch auch über Marlene Dietrich zu berichten, die bekanntlich ab 1919 in Weimar Musikunterricht erhielt und im Töchterheim im Haus der Frau von Stein lebte. Bald verdrehte sie Männern wie Frauen den Kopf, flirtete mit ihrem Geigenlehrer, der ihrem Charme ebenso erlag. Als ihre Mutter davon erfuhr, holte sie Marlene zurück nach Berlin, von wo aus ihr acht Jahre später als Schauspielerin der Durchbruch gelang.

Insgesamt 21 Geschichten hat Jürgen Bens zusammengetragen – und beharrt darauf, dass sie alle nicht nur unterhaltsam, sondern auch wahr sind. Die Premiere mit fünf Stationen an den Originalschauplätzen amüsierte die rund zehn Teilnehmer jedenfalls sehr. Weitere Runden mit Geschichten aus „Der Stadtverführer“ schließt der Autor ebenso wenig aus wie Steffen Knabe, in dessen Tourist-Verlag die Neuerscheinung als drittes Buch herausgekommen ist. Damit ging Knabe mit dem Verlag weg vom reinen Geschäft mit Postkarten und will dies weiter ausbauen. Und mit dem Tourist-Verlag geht er auch einen Weg, der den Geldbeutel schont: Durch den glatten Preis von 10 Euro für „Der Stadtverführer“ bekommt der Käufer kein platzraubendes Kupfergeld zurück.