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Leibniz-Preis: 2,5 Millionen Euro Preisgeld für Jenaer Wissenschaftler

Jena.  Die Jenaer Wissenschaftler Johannes Grave und Markus Reichstein erhalten renommierten Leibniz-Preis.

Die Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2020 sind Markus Reichstein (l.), Professor für Globale Geoökologie an der Universität Jena und  Johannes Grave, Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Jena.

Die Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2020 sind Markus Reichstein (l.), Professor für Globale Geoökologie an der Universität Jena und Johannes Grave, Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Jena.

Foto: Jan-Peter Kasper / dpa

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Die beiden frisch gekürten Preisträger Johannes Grave und Markus Reichstein wirkten noch ziemlich überrascht. Um 11 Uhr erreichte sie die E-mail von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zwei Stunden später stießen sie mit Universitätspräsident Walter Rosenthal auf diesen Erfolg an. Der Leibniz-Preis ist einer der wichtigsten Ehrungen in der deutschen Forschungslandschaft, „beinahe wie ein kleiner Nobelpreis, wie der Präsident bemerkt. Und in diesem Jahr geht er gleich zwei mal nach Jena. Für einen eher kleineren Forschungsort wie Jena sei das schon außergewöhnlich, freut sich Walter Rosenthal.

Grundlagenforschung mit Praxisbezug

Die Forschungsgebiete der beiden Preisträger sind sehr unterschiedlich. Der Kunsthistoriker Johannes Grave analysiert, wie konkrete Bilder, zum Beispiel die von Caspar David Friedrich im Detail aufgebaut sind, wie der Betrachter sie wahr nimmt und was dabei in ihm passiert. Prozesse, erklärt er, die wir ja nie bewusst reflektieren. Die Fragen, die hinter diesen Forschungen stecken: Was macht die vielzitierte „Macht der Bilder“ aus? Warum werden bestimmte Bilder zu Ikonen für eine bestimmte Zeit oder eine Botschaft? Wir schaffen unsere Wirklichkeit auch durch Bilder, aber wie funktioniert das? Man könnte, erklärt der Professor, von einer Alphabetisierung in Sachen Bildbetrachtung sprechen.

Es ist eine Grundlagenforschung aber durchaus mit Praxisbezug. Er verweist auf die Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar. Wenn dort zum Beispiel das Goethe-Museum neu konzipiert wird, können die Erkenntnisse dieser Forschung sehr nützlich sein. Nicht nur mit Blick darauf, wie Goethe und seine Zeitgenossen Kunst rezipierten, sondern auch mit der Frage, wie sie heutigen Betrachtern präsentiert werden muss. Von allen bisherigen Trägern des Leibniz-Preises ist Johannes Grave erst der dritte ausgezeichnete Kunsthistoriker. Das sein Fach in diesem Jahr dazugehört betrachtet er auch als Zeichen, dass die Kunstgeschichte, die lange als „Orchideenfach“ galt, zunehmend auch als gesellschaftlich relevant betrachtet wird.

2,5 Millionen Euro Preisgeld

Professor Markus Reichstein, seit 2012 Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, ist in einem vergleichsweise jungen Fachgebiet unterwegs. Er erforscht, wie der Austausch von Energie, Wasser und Kohlenstoff zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre erfasst werden kann, wie Ökosysteme auf Klimawandel reagieren. Dabei verwendet er modernste Verfahren, die Ökologie und Künstliche Intelligenz zusammenführen. Ihm und seinem Team gelang erstmals die Veröffentlichung einer globalen Abschätzung zur pflanzlichen Biomasseproduktion. Die Auszeichnung sieht er auch als Bestätigung, dass sein Fachgebiet der Erdsystemwissenschaft auf Augenhöhe mit klassischen Wissenschaften wie Physik oder Chemie arbeitet.

Mit der Ehrung ist auch ein unerhoffter Geldsegen für die Wissenschaft verbunden: Die Preisträger erhalten jeweils 2,5 Millionen Euro. Viel Geld, das die Preisträger innerhalb von sieben Jahren für ihre Forschungsarbeit verwenden können. Details stehen natürlich noch nicht fest, aber erste Ideen. Markus Reichstein will künftig gern interdisziplinär mit Ökologen, Klimaforschern, Ökologen und Sozialwissenschaftlern zusammenarbeiten. Johannes Grave kann sich vorstellen, dank der Mittel noch tiefer in seinen zweiten Forschungsschwerpunkt, die Goethezeit und die Romantik einzudringen. Weimar und Jena seinen für diese Zeit sehr wichtig und viele Dokumente seien noch nicht ausreichend erforscht.

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