Kommentar: Ein Zehner im Abseits

Holger Zaumsegel über den Absturz von Mesut Özil.

Holger Zaumsegel

Holger Zaumsegel

Foto: Tino Zippel

Als Mesut Özil 2013 von Real Madrid zum FC Arsenal wechselte, wurde er mit einer Ablösesumme von 50 Millionen Euro zum bis dato teuersten deutschen Spieler. Superstar Cristiano Ronaldo schimpfte wie ein Rohrspatz, weil die Spanier seinen Vorlagengeber vom Dienst mit dem Zauberfuß einfach gehen ließen.

Heute, sieben Jahre später, ist der gebürtige Gelsenkirchener Özil am absoluten Tiefpunkt angekommen, wurde als Topverdiener der Londoner mit 20 Millionen Euro Jahresgehalt nicht einmal mehr für den 25 Mann starken Kader für die Premiere League nominiert. Die Höchststrafe für einen, der 2014 Weltmeister wurde und jahrelang als talentiertester Spieler aus der Bundesrepublik galt.

Es ist ein Absturz mit Ansage, ein tiefer Fall eines Zehners, der sich selber ins Abseits gestellt hat. Widersprüche und eine Scheinwelt umgeben den 32-Jährigen. Einerseits engagiert er sich sozial, setzt sich für den Frieden ein, andererseits fährt er einen Kuschelkurs mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan, der den Rechtsstaat im Heimatland von Özils Eltern aushöhlt und Konflikte schürt. Einerseits will Özil den gefeuerten Mann, der viele Jahre das Arsenal-Maskottchen gespielt hat, aus eigener Tasche bezahlen, andererseits ist er entgegen der meisten Mitspieler nicht bereit, auf Gehalt während der Krise zu verzichten. Einerseits behauptet er, nichts von seiner Klasse verloren zu haben, andererseits lehnt er einen Wechsel ab, sitzt seinen Vertrag lieber aus, statt einen Neustart zu wagen.

Es ist ein Trauerspiel, bei dem ein Happy End nicht in Sicht ist.