Als im April 1945 nach der Besetzung Thüringens durch die Amerikaner die Waffen schwiegen, verstummten auch die Durchhalteparolen im Blätterwald der Nazi-Presse in den Stadt- und Landkreisen. Als letzte Lokalausgabe einer NS-Zeitung erschien am 15. April 1945 die „Schleizer Zeitung“. Am Tag darauf fand mit der Besetzung des ostthüringischen Landkreises Greiz durch die 3. US-Armee von General Patton die am 1. April begonnene militärische Eroberung Thüringens ihren Abschluss. Die Veröffentlichung von Presseerzeugnissen in dem besetzten Land unterlag nunmehr der Genehmigung durch die Besatzungsmächte, zunächst durch das Military Government der USA, ab Anfang Juli 1945 durch die sowjetische Militäradministration in Thüringen.

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Während der kurzen amerikanischen Besatzungszeit wurde als Provisorium die von der amerikanischen Armee in Kassel herausgegebene deutschsprachige „Hessische Post“ in elf Ausgaben vom 28. April bis 30. Juni 1945 auch in Thüringen verteilt. Nach dem Besatzungswechsel normalisierten sich die Bedingungen für die Herausgabe von Tageszeitungen, was allerdings lediglich den zugelassenen politischen Parteien gestattet wurde. Für das Gesamtgebiet der Sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands erschien bereits seit 15. Mai 1945 in Berlin ein von der Sowjetarmee herausgegebenes deutschsprachiges Nachrichtenblatt „Tägliche Rundschau“ um „dem deutschen Volk die Wahrheit über die Rote Armee und die Sowjetunion nahezubringen.“

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Doch Berlin war weit weg von Thüringen. In dem am 16. Juni 1945 konstituierten neuen Bundesland, das durch den Zusammenschluss mit dem bisher bestandenen preußischen Regierungsbezirk Erfurt nunmehr das gesamte geografische Thüringen umfasste und zunächst auch als „Großthüringen“ bezeichnet wurde, konzentrierten sich die Redaktionssitze der seitdem entstandenen neuen Landeszeitungen in der Landeshauptstadt Weimar, behielten ihren Standort auch noch nach deren 1950 erfolgten Verlegung nach Erfurt bei. Nur die SED änderte nach der Auflösung des Landes und der Bezirksbildung im Juli 1952 diese gewachsene Struktur und gab seitdem Bezirkszeitungen in Erfurt, Gera und Suhl heraus.

Nach dem Besatzungswechsel Anfang Juli 1945 war die KPD mit ihrem noch unautorisierten künftigen Landesorgan vorgeprescht, als sie zur Begrüßung der neuen sowjetischen Besatzungsmacht über Nacht eine erste Ausgabe der „Thüringer Volkszeitung“ als „Organ der KPD Großthüringen“ drucken ließ. Der Name orientierte sich an dem bereits in Berlin seit 13. Juni 1945 neu geschaffenen Zentralorgan der KPD „Deutsche Volkszeitung“. Diese erste Nummer vom 3. Juli 1945 enthielt auf der Titelseite den Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945 sowie die Begrüßungsadresse des Weimarer „Antinazi-Komitees“ und des „Thüringen-Ausschusses“ mit dem Titel „Wir grüßen die Soldaten der Roten Armee!“

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Erst in der nachfolgenden Zeit kamen die anderen politischen Parteien in Thüringen zum Zuge. Als zweite Landeszeitung erschien von der SPD am 15. September 1945 die „Tribüne – Sozialdemokratische Landeszeitung für Thüringen“ in Weimar. Aber beide im ganzen Land vertriebenen linken Tageszeitungen existierten nur wenige Monate. Mit der Vereinigung beider Landesparteien zur SED am 7. April 1946 folgte ihnen der Zusammenschluss der Zeitungsredaktionen nach. Ab 9. April 1946 erschien als neues Organ der SED die Tageszeitung „Thüringer Volk“, die ebenfalls in der Landeshauptstadt Weimar herausgegeben wurde.

Neue politische Parteien – neben den wiederaufgelebten Arbeiterparteien KPD und SPD –bildeten sich keimhaft schon in der amerikanischen Besatzungszeit, wurden schließlich nach dem Besatzungswechsel im Juli 1945 auch offiziell gegründet. Die Gründung eines Landesverbandes der CDU in Thüringen wurde am 22. Juli 1945 beschlossen, nachdem schon Anfang Juli inhaltliche Vorstellungen in einem „Programm der Zentrums-Partei“ vorlagen. Auf der Gründungsversammlung der nunmehrigen Christlich-Demokratischen Union wurde bereits ein Landesvorstand mit Dr. Max Kolter, ein ehemaliges Mitglied der Zentrumspartei, an der Spitze gewählt. Der Thüringer Landesverband schloss sich sofort der am 26. Juni 1945 in Berlin für die künftige Sowjetische Besatzungszone gegründeten Christlich-Demokratischen Union an. Eine Landeszeitung – das „Thüringer Tageblatt - Organ der Christlich-Demokratischen Union“ – erschien allerdings erst seit 1. Mai 1946.

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Mitglieder der früheren Deutschen Demokratischen Partei fanden sich bereits im April 1945 in Weimar zusammen und gründeten hier am 9. Juli 1945 die „Demokratische Partei Thüringens“ mit einem provisorischen Vorstand. Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 29. Juli 1945 statt und wählte zum 1. Vorsitzenden Leonhard Moog und zum 2. Vorsitzenden Dr. Alphons Gaertner. Sie nahmen ihre Tätigkeit in der bewussten Absicht auf, die frühere Deutsche Demokratische Partei wieder ins Leben zu rufen, und waren zunächst nicht bereit, sich dem Parteivorstand der bereits am 5. Juli 1945 in Berlin gegründeten neuen Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) zu unterstellen.

Um ihren eigenständigen Kurs zu demonstrieren, behielten sie den Namen „Demokratische Partei Thüringens“ bei. Die Annäherung an die Berliner Parteizentrale und die Übernahme des für die Besatzungszone gültigen Parteinamens erfolgte erst am 2. Dezember 1945, als vom Thüringer Parteivorstand die Abänderung seines Namens in „Liberal-Demokratische Partei Deutschlands, Landesverband Thüringen“ beschlossen wurde.

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Diese Entwicklung widerspiegelt auch deren Landeszeitung, von der die erste Ausgabe am 24. September 1945 als „Sondernummer“ erschienen ist. Sie heißt zwar schon „Thüringische Landeszeitung“, nennt sich aber „Organ der Demokratischen Partei“. Ihr erster Redaktionssitz befand sich in der Scherfgasse 1, die hier von der Geleitstraße abzweigt. Als Tageszeitung ist sie zunächst in unregelmäßigen Abständen und erst seit Januar 1946 in regelmäßiger Abfolge, nunmehr auch als „Organ der Liberal-Demokratischen Partei“ erschienen.

Repro - Titelseite Thüringische Landeszeitung Erstausgabe vom 24.09.1945
Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm
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Die Erstausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) vom 24. September 1945.© Sascha Fromm | Sascha Fromm

Der Vollständigkeit halber muss hier auch erwähnt werden, dass die thüringische Zeitungslandschaft nach 1945 noch von zwei anderen Landeszeitungen bestückt wurde. Seit 19. März 1946 erschien in Weimar die „Abendpost“ mit dem Untertitel „Das Blatt für Politik, Kultur und Wirtschaft“, die einen persönlichen Lizenzträger hatte, sich als „überparteilich“ gerierte und ihr Vorbild in dem im sowjetischen Sektor von Berlin lizenzierten Boulevardblatt „Nacht-Express“ sah, das dort seit Dezember 1945 existierte.

Diese Thüringer „Abendpost“ erschien bis 31. März 1951. In ihre Redaktionsräume am Goetheplatz 9a zog danach die Redaktion der Landeszeitung der 1948 gegründeten „National-Demokratischen Partei Deutschlands“ ein, die in Thüringen als ihr Presseorgan die „Thüringer Neueste Nachrichten“ gründete, deren erste Ausgabe am 30. April/1. Mai 1951 erschien.

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Die erste Ausgabe der „Thüringischen Landeszeitung“ vom 24. September 1945, der heute unsere besondere Aufmerksamkeit gilt, umfasste damals acht Seiten. Sie ist aus heutiger Sicht – also nach achtzig Jahren – gewissermaßen ein „Unikum“. Man konnte nur mit dem Glauben an eine bessere Zukunft und dem festen Willen zum Aufbau eines neuen Deutschlands an die Arbeit gehen. Und so lautet die große „Schlagzeile“ dieser neuen „Thüringischen Landeszeitung“ am 24. September 1945: „Wiederaufbau durch Demokratie“. Das sollte auch heute in Zeiten des Widerspruchs weiterhin unsere Devise sein!

Der Landesvorsitzende der Demokratischen Partei, Leonhard Moog, äußert auf der Titelseite, unter der Überschrift „Auf dem Weg zur Freiheit“, den berechtigten Stolz des Augenblicks für den Start in eine bessere Zukunft, wobei wir berücksichtigen müssen, dass er sich hier als Parteivertreter äußert: „Zum ersten Mal seit 12 Jahren, nach harten Zeiten der Unterdrückung und der Knebelung der Gewissensfreiheit, nach fast sechsjährigem Krieg, erscheint heute wieder eine demokratische Zeitung für Thüringen.

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Durch die verständnisvolle Haltung der russischen Militär-Administration ist es uns gelungen, für die Partei ein Sprachorgan in Form einer Zeitung zu erhalten. Über Nacht haben die alten demokratischen Verleger Thüringens und die Schriftleitung dieses Blatt aus dem Nichts geschaffen. Wir wissen, dass alle wahrhaften Demokraten diesen Fortschritt auf dem Wege zur Freiheit lebhaft begrüßen werden.“

Und alle „wahrhaften Demokraten“ begrüßen es heute, dass nach achtzig Jahren noch immer die „Thüringische Landeszeitung“ erscheint, die sich natürlich im Laufe der Zeit gewandelt, aber an diesem bewährten Namen für ein thüringisches Gemeinschaftsgefühl festgehalten hat.