Die Thüringische Landeszeitung (TLZ) hat eine lange und bewegte Geschichte. Gerlinde Sommer hat im Rahmen des 70. Jubiläums der TLZ im Jahr 2015 die Geschichte der Zeitung näher betrachtet – von den Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Beitrag zur Pressefreiheit und Demokratie.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Beginn der „Thüringischen Landeszeitung“ vor 70 Jahren ist geprägt von der Hoffnung „alter demokratischer Verleger Thüringens“ aus der Zeit der Weimarer Republik und der neu gegründeten „Demokratischen Partei“, nach dem Ende der Nazi-Herrschaft die Demokratie wieder aufzubauen und den Weg in die Freiheit zu ebnen.

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Doch bald zeigte sich, dass die Sowjetische Militär-Administratur (SMA) und ab dem Frühjahr 1946 auch die aus KPD und SPD gebildete SED andere Pläne hatte als die Liberaldemokraten. Die TLZ spielte dabei als Parteiorgan der LDP, so der Parteiname ab Dezember 1945, eine gewichtige Rolle – und um der Partei Geltung und Einfluss zu nehmen, wurde schon bald an der Auflagenhöhe geschraubt. Einer der Tricks, die die LDP daraufhin anwandte, war der öffentliche Aushang der gefragten Zeitung – und die Plakatierung vor allem in Jena.

Unter welchem Druck LDP und TLZ von Anfang an standen, zeigt sich schon im Verzicht von Waldemar Koch auf den liberaldemokratischen Parteivorsitz Ende November 1945 in der Sowjetzone zugunsten der Zeitungslizenzen für die LDP. Und dieser Druck wird sich steigern und zur Pression werden, als 1948 Hermann Becker als Thüringer Politiker und Herausgeber aus Weimar verhaftet und ohne Prozess seine Freiheit verlieren wird. In diesen drei Jahren, aber zwischen der Erstausgabe am 24. September 1945 und der nach der Verschleppung Beckers folgenden Absetzung des ersten Chefredakteurs Erich Gaenschalz wird von den Machern der TLZ viel versucht, um als Thüringer Landeszeitung der Freiheit und Demokratie Format zu gewinnen.

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Die „Thüringische Landeszeitung“ setzt auf jenen liberal-demokratischen Geist, der seine Wurzeln in der Weimarer Republik hat; derweil werden die Weichen hinter den Kulissen hin zum SED-Staat gestellt. Zwar gibt es von Stalins Seite die Absicht, einen besonderen sozialistischen Weg einzuschlagen, der es ihm erlaubt, an gesamtdeutschen Wirtschaftserfolgen zu partizipieren. Doch als sich diese Hoffnung zerschlägt, ist vollends klar, dass es einen Weg in die Freiheit, wie ihn die LDP vorhatte, nicht mehr geben durfte. Dabei hatten die Liberaldemokraten zunächst mit ihrer Politik deutliche Erfolge erringen können.

Bei der Landtagswahl im September 1946 lag die LDP in nicht wenigen großen Thüringer Städten vor der noch jungen SED. Jena, Erfurt, Eisenach und Weimar waren solche Hochburgen, trotz aller Verhinderungsversuche. Wie die SMA schon im Vorfeld der Wahlen auf die Pressefreiheit Einfluss genommen hatte, davon wird hier später noch die Rede sein.

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Schon in den Ausgaben des ersten Erscheinungsjahres suchte sich die TLZ neben der großen, aber beinahe schon wieder unabänderlichen Politik Nischen: im Lokalen und Regionalen – und hier vor allem in der heimischen Wirtschaft, im Handwerk. Es wurden auch ganz lebenspraktische Tipps bis hin zum Nähen einer schicken Bluse gegeben. Denn Not herrschte überall – und über Hinweise zur Linderung selbiger war der Leser, in diesem Fall die Leserin, dankbar.

Und die TLZ stand von Anfang an für Kulturkompetenz. Theater, Orchester, die Künste generell fanden Erwähnung. Veranstaltungshinweise, Vorberichte und fundierte Kritiken gehörten zum Redaktionskonzept. Als Parteizeitung ließ die TLZ all jene ausführlich und häufig auch in Eigenbeträgen zu Wort kommen, die als führende LDP-Männer im Lande etwas zu sagen hatten – noch.

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Doch: „Über die publizistische und wirtschaftlichen Erfolge einer Tageszeitung entschied in den ersten Nachkriegsjahren nicht so sehr die journalistische Qualität des Blattes. Vielmehr bestimmte die sowjetische Besatzungsmacht durch die Vorgabe der Auflagenhöhe und der Erscheinungsauflage über die Verbreitungsmöglichkeiten der einzelnen Zeitungen. Vor dem Zusammenschluss von KPD und SED waren vorwiegend sozialdemokratische Tageszeitungen Benachteiligungen in der Papierzuteilung ausgesetzt gewesen“, berichtet Jürgen Louis, der 1996 an der Uni Jena über die LPD promoviert hat und daher auch ein ausgewiesener Kenner der TLZ-Anfangsjahre ist.

Nach der Gründung der SED im April 1946 setzte die Besatzungsmacht nun der bürgerlichen Presse verstärkt zu, so die Einschätzung von Louis. Noch im Juni 1946 machte sich die LDP in einem TLZ-Bericht stark dafür, dass „die Zonenentfremdung“ – wie es hieß – nicht weiter zunehmen dürfe. Es sei „ein Gebot der Stunde, dass Menschen, die Kraft ihres Amtes oder ihrer Funktion in Politik und Wirtschaft bereits wieder die Demarkationslinien überschreiten können, jede Gelegenheit benutzten, um dabei im besten Sinne des Wortes aufklärend zu wirken“, hier es am 11. Juni 1946 im Leitartikel auf der Titelseite.

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Schon im Mai 1946 allerdings war der TLZ, die zunächst mit Ausgaben in Altenburg, Eisenach, Erfurt, Gera, Saalfeld und Weimar erschienen war, die Herausgabe weiterer solcher Ausgaben verboten worden. Zudem wurde an der Auflagenhöhe geschraubt. Immer wieder verordnete die sowjetische Militäradministration eine Herabsetzung der lizenzierten Auflage der TLZ, wie Louis in Erfahrung brachte. „Ende 1947 erreichte die TLZ mit nur noch 17.000 Exemplaren ihren niedrigsten Stand.“

Und vor den bereits erwähnten, für die LDP dennoch so erfolgreichen Landtags- und Kommunalwahlen im September und Oktober 1946 wurde der TLZ sogar generell untersagt, Lokalausgaben zu veröffentlichen. Es war nur eine zusammengefasste Ausgabe für ganz Thüringen am Verlagsort Weimar erlaubt. Dort war die TLZ seit Herbst/Winter 1945 in der Scherfgasse ansässig. Die Beschränkung vor den Wahlen, das Verbot umfassender und differenzierter Lokalausgaben – das sollte die Idee der Liberaldemokraten ganz direkt treffen.

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Ihnen wurde so, wie Louis einschätzt, „das wichtigste Propagandainstrument zur kommunalpolitischen Wahlwerbung genommen“. Anders gesagt: „Die Sowjets sicherten die Stellung der SED-Presse gegenüber der bürgerlichen Presse ab.“ Das begann spätestens im Mai 1946 – und hielt über die Gründung der DDR an, bis eine gewisse Gleichschaltung erreicht war. Auch durch die Vertreibung kritischer Journalisten. Die TLZ durfte bis 1951 nur dreimal pro Woche erscheinen, erst ab Mai 1951 wurde ihr erlaubt – wie dies für SED-Blätter längst üblich war – an fünf Wochentagen gedruckt zu werden. Auch mit der Auflagenhöhe wurde weiterhin Politik gemacht.

In den ersten Jahren hatte die TLZ nur unter großen Schwierigkeiten zu den Lesern gelangen können. Sie galt als derart begehrt, dass sie – gerade auch in Zeiten der Papierbeschränkung – längst nicht allen zugestellt werden konnte, die ein Abonnement wünschten.

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Da an den von den Sowjets vorordneten Auflagenhöhen nichts zu ändern war, „wurde den LDP-Mitgliedern empfohlen, Lesegemeinschaften zu bilden und die TLZ untereinander zu tauschen. Auch wurden die LDP-Ortsgruppen angehalten, Zeitungskästen an zentralen Stellen in den Städten anzubringen und so der interessierten Öffentlichkeit das regelmäßige Studium der TLZ zu ermöglichen. Allein in Jena wurden daraufhin 50 Zeitungen an den Litfaßsäulen verklebt“, hat Jürgen Louis über die Zustände in den Anfangsjahren der TLZ herausgefunden.