AfD-Chef Höcke will Wohnung für Flüchtlinge räumen

Erfurt. Die Überlegungen der Stadt Erfurt, Flüchtlinge im Haus der Abgeordneten unterzubringen, erfährt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Thüringens hinaus.

AfD-Fraktionschef Björn Höcke will auf seine Abgeordneten-Wohnung verzichten. Foto: Alexander Volkmann

AfD-Fraktionschef Björn Höcke will auf seine Abgeordneten-Wohnung verzichten. Foto: Alexander Volkmann

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"Bei mir steht das Telefon nicht still", sagte Stadtordnungsdezernent Alexander Hilge. Schon im Zug auf Arbeit sei er auf die Exklusivmeldung unserer Zeitung angesprochen worden. Die Reaktionen seien überwiegend positiv ausgefallen.

Sogar eine erste Wohnung im Abgeordnetenhaus ist Erfurt bereits angetragen worden. "Ich bin gerne bereit, mein Zimmer dort auch kurzfristig zur Verfügung zu stellen", erklärte Björn Höcke, AfD-Fraktionschef im Thüringer Landtag. In jedes Abgeordnetenbüro im Landtag passe schließlich eine Schlafcouch. "Da könnten die Abgeordneten wunderbar übergangsweise übernachten, bis eine andere Dauerlösung gefunden ist." Im Keller des Landtags gebe es zudem die notwendigen Duschgelegenheiten.

Zuvor hatten sich Fraktions-Sprecher von Union, SPD und Grünen zwar gesprächsbereit, aber erkennbar wenig begeistert von der Idee aus dem Erfurter Rathaus gezeigt. Thüringens größte Stadt sucht derzeit händeringend nach angemessenem Wohnraum für die stetig wachsende Zahl von Flüchtlingen. Übergangsweise mussten Familien vom Balkan bereits in einer seit Jahren leerstehenden Schule untergebracht werden.

Noch allerdings hat die Stadt als Eigentümerin des Abgeordnetenhauses den Landtag als Mieter der Immobilie gar nicht auf einen Kündigungswunsch hin angesprochen, erklärte ein Landtags-Sprecher.

Dass Erfurt vom Landtag das Haus der Abgeordneten als Asylunterkunft zurückhaben wolle, wertet FDP-Landesvize Dirk Bergner als "Hilferuf" der Kommunen. So sei Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein Landesvorsitzender einer Thüringer Regierungspartei. "Der hisst die weiße Fahne nicht ohne Not", so Bergner.

Noch gehen Angebot und Bedarf an Quartieren gerade so auf, so Erfurts Sozialdezernentin Tamara Thierbach. Zudem würden der Stadt regelmäßig geeignete Mietwohnungen angeboten.

Zudem besitzt Erfurt selbst noch eine passende Immobilie: das villenartige Gästehaus in bester Wohnlage. "Auch darüber denken wir natürlich nach", so Ordnungsdezernent Hilge.