Armuts-Gipfel bei der Uno

Vor zehn Jahren beschlossen 189 Staats- und Regierungschefs in der UN einen Aktionsplan für eine bessere Welt. So konkret wie nie zuvor legten sie acht Ziele fest, darunter die Bekämpfung von Armut und Hunger und die Förderung von Schulbildung. Am Montag beginnt der UN-Gipfel, der klären soll, wie viel von den Zielen bisher umgesetzt worden ist.

Anne Fromm wird dabei sein, wenn Vertreter der Industrienationen in New York erklären müssen,
warum sie die von ihnen zugesicherte Entwicklungshilfe nur zu einem geringen Teil leisten. Foto: Sascha Margon

Anne Fromm wird dabei sein, wenn Vertreter der Industrienationen in New York erklären müssen, warum sie die von ihnen zugesicherte Entwicklungshilfe nur zu einem geringen Teil leisten. Foto: Sascha Margon

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Berlin/New York. Ein feiner Wassertropfen dient ihr als Veranschaulichung: Die Gründerin der UN-Millenniumskampagne, Eveline Herfkins, stippt ihren Zeigefinger in ein Glas Wasser und schnippst einen kleinen Tropfen weg. "Verglichen mit dem, was die reichen Staaten jährlich einnehmen, ist der Anteil, der für Entwicklungshilfe ausgegeben werden sollte, nicht mehr, als dieser Tropfen. Es ist ein verschwindend geringer Teil."

Ganz konkret sollen es 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2015 sein. So steht es in der Millenniumserklärung aus dem Jahr 2000. Momentan sind die Industrienationen weit von diesem Ziel entfernt. 2010 ist die Lücke zwischen versprochener und tatsächlich geleisteter Hilfe 18 Milliarden US-Dollar groß. "Gerade Deutschland kann für einen erheblichen Teil der Lücke verantwortlich gemacht werden, weil es weit weniger für Entwicklungshilfe ausgibt, als geplant ", erklärt Herfkens.

Dass sie dieses Dilemma so genau beziffern kann, liegt an den Vorgaben der Millenniumserklärung. Konkrete Indikatoren und Maßnahmen sollen helfen die Entwicklungsziele bis 2015 zu erreichen und den Fortschritt messbar zu machen. Die Vorgaben nehmen Industrie- und Entwicklungsländer gleichsam in die Verantwortung. Neben der finanziellen Unterstützung, verpflichteten sich die Industrieländer auch die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Entwicklungsländern ermöglichen, die Vorgaben umzusetzen. In einigen Ländern ist das in den letzten Jahren sehr gut gelungen. So sank beispielsweise die Zahl der in Armut lebenden Menschen vor allem in Indien und China. In Afrika sind mittlerweile so viele Kinder eingeschult wie nie zuvor. In Äthiopien wurden 30 000 Menschen zu sogenannten Basisgesundheitskräften ausgebildet, was die Kindersterblichkeit in dem Land signifikant gesenkt hat. "Aber das ist nicht genug", mahnt Herfkens.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise habe vor allem West- und Zentralasien sowie Subsahara-Afrika schwer getroffen und in den letzten zwei Jahren 105 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut gedrängt. Diese Länder werden das erste Ziel, die Armut bis 2015 zu halbieren, nicht erreichen, wenn die Weltgemeinschaft nicht zusätzliche Anstrengungen unternimmt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht die Bekämpfung von Hunger und Armut in der Welt zu langsam. Unmittelbar vor ihrer Abreise zum Gipfel nannte sie es eine gute Nachricht, dass die Zahl der Hungernden auf der Welt im vergangenen Jahr um hundert Millionen gesunken sei. "Dennoch", betonte sie, "wir müssen schneller werden."

Der nun stattfindende Gipfel soll Fakten auswerten und klären, wie es weitergeht. "In fünf Jahren kann viel erreicht werden", sagt Renée Ernst, die Beauftragte der UN Milleniumskampagne in Deutschland, mit Blick auf die Erfolge der letzten Jahre. Sie sieht dem Gipfel erwartungsvoll entgegen: "Wir erhoffen uns ein aussagekräftiges Abschlusspapier und eine regelmäßige Überprüfung der Situation in den armen Ländern. Es geht nicht nur um das Aufstocken der Entwicklungshilfe. Wichtig ist auch, politische Vereinbarungen gerechter zu gestalten, zum Beispiel Handelsfragen und Landwirtschaftsabkommen."