Außenminister Maas warnt vor Krieg am Golf – USA schicken Soldaten nach Saudi-Arabien

London/Teheran  Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Die Länder Iran und Großbritannien belauern sich argwöhnisch, US-Präsident Trump entsendet Truppen in die Region und der deutsche Außenminister sieht die Gefahr eines Krieges.

Der Supertanker „Grace 1“ liegt neben einem Schiff der Royal Marine in den Gewässern von Gibraltar. Wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien war der Supertanker gestoppt worden. Der Iran hat angekündigt, nun gegen eine zentrale Auflage des Atomabkommens von 2015 zu verstoßen.

Der Supertanker „Grace 1“ liegt neben einem Schiff der Royal Marine in den Gewässern von Gibraltar. Wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien war der Supertanker gestoppt worden. Der Iran hat angekündigt, nun gegen eine zentrale Auflage des Atomabkommens von 2015 zu verstoßen.

Foto: Marcos Moreno/AP/dpa

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Der Iran hat Großbritannien in der Tankerkrise jüngst vor einem militärischen Eingreifen gewarnt. Seit die iranischen Revolutionsgarden einen Ölfrachter unter britischer Flagge in ihrer Gewalt haben, schaukelt sich die Konfrontation hoch.

Missachtete Vorschriften – wie es zu der Krise kam

Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation des Konflikts ist der 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker „Grace 1“ mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Das Fahrverbot gilt derzeit bis zum 20. August.

Irans Revolutionsgarden hatten dann am Freitag den unter britischer Flagge fahrenden Tanker „Stena Impero“ gestoppt und in den südiranischen Hafen Bandar Abbas Richtung Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Kapitän habe Vorschriften missachtet.

Auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker „Mesdar“ des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK war am Freitag in Richtung Iran abgedrängt worden, kam aber kurze Zeit später wieder frei. Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien - dem Erzfeind des Irans - zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hielten sich mit Äußerungen zu dem Konflikt bisher zurück.

Erst am Donnerstag hatte Trump erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Vorwürfe von beiden Seiten über Twitter

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb am Sonntag beim Kurznachrichtendienst Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. „Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet“, so der Diplomat.

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des ungelösten Brexits und des Rücktritts der konservativen Regierungschefin Theresa May. Vermutlich der in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson übernimmt am kommenden Mittwoch Mays Posten.

Da der Tanker in den Gewässern des Omans gestoppt worden sei, sprach die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt von einer „feindlichen Handlung“. Ihr Kabinettskollege, Außenminister Jeremy Hunt, schrieb auf Twitter davon, dass der Iran einen „gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens“ beschreite. Dem Sender Skynews sagte Hunt: „Wir sind absolut deutlich, dass es sehr ernste Konsequenzen geben wird, wenn diese Situation nicht schnell gelöst wird.“

Heiko Maas: „Es geht darum, Krieg zu verhindern“

Der Oman drängt Großbritannien und den Iran zu einer diplomatischen Lösung. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt der Schiffe durch die Straße von Hormus zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium am Sonntag. Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt der Oman gute Beziehungen zum Iran.

Für Außenminister Maas ist die Lage am Golf «noch ernster und gefährlicher geworden» als ohnehin schon. Maas sagte der „Bild am Sonntag“: „Es geht darum, Krieg zu verhindern.“ Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es „keine Gewinner, nur Verlierer“.

Der Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.

Der US-Präsident beauftragte den republikanischen Senator Rand Paul, eine Aufnahme von Gesprächen mit dem Iran auszuloten. Der Senator habe seine Hilfe angeboten. Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt. Diese sollen das Land von den Finanz- und Ölmärkten abschneiden.

Die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zeigte sich - wie Deutschland und Frankreich - tief besorgt und forderte die sofortige Freilassung des nun festgesetzten britischen Schiffs.

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