CDU-Fraktionsvize Heym kritisiert Einmischung von Merkel

Erfurt.  Der Vize-Chef der Thüringer CDU-Fraktion, Michael Heym, sagt, der Fraktion sei das Szenario der Ministerpräsidentenwahl mit AfD-Stimmen bewusst gewesen.

Michael Heym ist Vize-Chef der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag.

Michael Heym ist Vize-Chef der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag.

Foto: Sascha Fromm

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In der Thüringer CDU-Fraktion ist nach Angaben ihres Vize-Chefs Michael Heym die Möglichkeit einer Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) mit Stimmen von CDU, AfD und FDP im Vorfeld besprochen worden. „Es war der gesamten Fraktion bekannt, dass das passieren kann“, sagte Heym. Seiner Meinung nach sei die Wahl Kemmerichs „nicht schlimm“.

Zuvor hatte die Wochenzeitung „Zeit“ über Heyms Haltung zur Ministerpräsidentenwahl am vergangen Mittwoch berichtet. „Es war eine kollektive Entscheidung, Kemmerich zu wählen. Einstimmig hat man sich darauf geeinigt“, sagte Heym und betonte, dass es sich um eine demokratische Wahl gehandelt habe.

Heym hatte bereits kurz nach der Landtagswahl im Herbst für Schlagzeilen gesorgt, als er mit Blick auf die schwierige Regierungsbildung in Thüringen auch Gespräche mit der AfD gefordert hatte.

Der 57-Jährige kritisierte eine „mediale und gesellschaftliche Hetzjagd“ nach der Wahl Kemmerichs. „Das ist ein demokratisch legitimiertes Ergebnis. Wenn man damit nicht leben kann, muss man die AfD verbieten“, sagte Heym. Am meisten habe er sich über die Reaktion der CDU-Bundesspitze gewundert. Als Beispiel nannte Heym Merkels Reaktion in Südafrika, als sie die Wahl Kemmerichs mit AfD-Stimmen als „unverzeihlich“ bezeichnete und forderte, man müsse sie rückgängig machen. „Da habe ich mich an tiefste DDR-Zeiten erinnert gefühlt“, sagte Heym.

Ein Parteitagsbeschluss der Bundes-CDU verbietet den Christdemokraten, mit AfD oder Linken zusammenzuarbeiten. Heym sprach sich für eine Debatte in seiner Partei über diesen Beschluss aus. „Man wird sich auf Bundesebene damit auseinandersetzen müssen. Das kann so nicht weitergehen“, sagte Heym. Er sei aber auch dagegen, den Linke-Politiker Bodo Ramelow aktiv mit CDU-Stimmen als Ministerpräsidenten zu wählen.

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