Eichsfelder Landrat rechnet mit CDU ab

Erfurt.  Der Eichsfelder CDU-Landrat Werner Henning warnt in einem Gastbeitrag: Die Union ist „Spielfeld für politischen Marktschreier“.

Werner Henning ist CDU-Landrat - und katholischer Christ.

Werner Henning ist CDU-Landrat - und katholischer Christ.

Foto: Johanna Braun

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Als Reaktion auf Forderungen nach einer Öffnung der Thüringer Union gegenüber der AfD hat der Eichsfelder CDU-Landrat Werner Henning eine grundlegende Erneuerung der Partei auf der Basis christlicher Werte gefordert. Falls der CDU eine solche Reform nicht gelinge, bleibe sie ein „Spielfeld für politische Marktschreier“ ohne „substanzielle Glaubwürdigkeit“, schrieb der Kommunalpolitiker in einem Gastbeitrag für diese Zeitung. Somit stelle sich am Ende auch die Existenzfrage: „Da eine solche CDU aber tatsächlich entbehrlich ist, kann deren Untergang auch kein Verlust sein.“

Henning ist seit Ende 1989 Landrat im Eichsfeld. Zuletzt hatte er für Aufregung in der CDU gesorgt, als er nach der verlorenen Landtagswahl für eine Zusammenarbeit mit der Linken warb. Dagegen steht die Beschlusslage in Landes- und Bundespartei. Aus Sicht des Landrats müsste es bei der anstehenden Regierungsbildung vor allem um gemeinsame Werte wie Barmherzigkeit oder Gerechtigkeit gehen. „Aus christlicher Sicht – immerhin beruft sich die Union ja ihrem Namen nach noch darauf – dürfte das bedeutendste zu bewahrende Gut das Bild vom Menschen sein, auf dessen Grundlage man ja nach Partnern Ausschau halten kann“, schreibt Henning.

Gastbeitrag von Werner Henning: Frage der Glaubwürdigkeit

Wohin mit der CDU im Land? In den vergangenen Wochen war oft von einem „Appell konservativer Unionsmitglieder in Thüringen“ zu lesen, welche im Namen der Demokratie „die CDU Thüringen und die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag“ dazu aufgefordert haben, „ihrer Verantwortung für die Zukunft unseres Freistaates Thüringen gerecht zu werden und sich aktiv am Gesprächsprozess mit allen demokratisch gewählten Parteien im Thüringer Landtag“ zu beteiligen.

Mag auch diese Forderung im Sinne von Respekt gegenüber einem breiten Wählervotum verstehbar sein, so bleibt sie doch rein technisch und wird einem Anspruch auf eine zu bewahrende „Werthaltigkeit“, als Synonym für das „konservative“ Ferment, keineswegs gerecht. Was gilt es denn schon zu „bewahren“, wenn alles gesprächsweise auf dem Politikmarkt miteinander verhandelt werden kann?

Aus christlicher Sicht – immerhin beruft sich die Union ja ihrem Namen nach noch darauf – dürfte das bedeutendste zu bewahrende Gut das Bild vom Menschen sein, auf dessen Grundlage man ja nach Partnern Ausschau halten kann. Wie wäre es denn da mit dem Prüfstein der „Barmherzigkeit“ als zentrales Element aller monotheistischen Weltreligionen, die uns in der Bergpredigt Jesu so nahe gebracht wird. Da höre ich schon so manche Politiker, die mir zurufen werden, diese Gedanken in eine reine theologische Sphäre abschieben zu können. Die konkrete Politik sei doch etwas anderes und bedürfe dieser Ausschmückungen nicht.

Sie irren gewaltig und verkennen, dass der Niedergang der rein mechanischen Parteipolitik viel mit Verlust an immer währender humaner Kultur zu tun hat, welche von den Religionen als anzustrebende Tugenden in besonderer Weise beschrieben werden. Man denke hier besonders an die in der jüdisch-christlichen Religion besonders erstrebten Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Treue, Barmherzigkeit, Zuverlässigkeit, Mut, Demut, Selbstlosigkeit, Mitleid, Selbstbeherrschung, Geduld, Klugheit, Friedfertigkeit, Gerechtigkeit, Güte, Standhaftigkeit, Großzügigkeit, Gastfreundschaft, Freude, Gottesfurcht, Leidensbereitschaft, Dankbarkeit, Vergebungsbereitschaft und Fleiß.

Hierauf gestützt, sollte man schauen, wer zu einem passt. Wer da in der Vergangenheit nur Gift und Galle versprüht hat, kann nimmermehr so einfach in Betracht kommen - bedarf zumindest über eine längere Zeit der Läuterung. Der Volksmund sagt: „Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist.“ Die CDU hat grundlegenden Bedarf an einer Reformation von ihrem ethischen Grundaufbau her und tut auch gut daran, so ab und an ihre Verankerung im jüdisch-christlichen-griechischen Denken zu benennen und sich auch daran messen zu lassen.

Wirkliche Ansätze hierzu kann ich bisher nicht erkennen. Sofern ihr aber eine grundlegende Erneuerung nicht gelingt, bleibt sie ein Spielfeld für politische Marktschreier, denen eine substanzielle Glaubwürdigkeit versagt bleibt. Da eine solche CDU aber tatsächlich entbehrlich ist, kann deren Untergang auch kein Verlust sein.

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