Erfurt dürfte bis 2030 die jüngste kreisfreie Stadt Thüringens sein

Erfurt wird nach neuesten Berechnungen bis zum Jahr 2030 um drei Prozent auf rund 211.000 Einwohner zulegen und damit die jüngste kreisfreie Stadt Thüringens sein.

Erfurt wird nach neuesten Berechnungen bis zum Jahr 2030 um drei Prozent auf rund 211.000 Einwohner zulegen. Foto: Alexander Volkmann

Erfurt wird nach neuesten Berechnungen bis zum Jahr 2030 um drei Prozent auf rund 211.000 Einwohner zulegen. Foto: Alexander Volkmann

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Erfurt. Das geht aus dem Arbeitsmarktdossier hervor, das die Agentur für Arbeit und das Jobcenter erstmalig für Erfurt vorgelegt haben. Montagnachmittag erfolgte in der Landeshauptstadt der Auftakt, nun folgen vier Dossiers für den Ilmkreis, Weimar sowie die Kreise Weimarer Land und Sömmerda. Sie enthalten Daten über die Bevölkerungsentwicklung und Prognosen für Wirtschaft, Beschäftigung und soziale Lage.

Die demografische Entwicklung, die Abwanderung vieler junger Leute "und parallel dazu der wirtschaftliche Dämpfer stellen alle Arbeitsmarktakteure vor neue Herausforderungen, um die Fachkräftesicherung auf den Weg zu bringen", sagte die Leiterin der Agentur für Arbeit, Beatrice Ströhl. Wobei sich die Situation in Erfurt noch recht günstig darstellt. Die dynamische Entwicklung der Stadt führt zu einer hohen Einpendlerquote, erklärt die Chefin der Arbeitsagentur und nennt die Zahl 47.710. Die meisten Arbeitnehmer kommen aus den Bereichen Gotha und Sömmerda. Das gilt auch für die Auszubildenden. Dagegen arbeiten 19.460 Erfurter auswärts, die meisten fahren in das Gewerbegebiet Erfurter Kreuz bei Arnstadt und in den Raum Gotha. Im Fernbereich sind Bayern und Hessen sowie Sachsen und Sachsen-Anhalt die Hauptziele.

Die Löhne in Erfurt steigen ebenso wie in Thüringen während der letzten Jahre moderat und liegen leicht über dem Landesdurchschnitt. "Mit 1500 Euro Brutto im Monatsschnitt für Frauen und 2000 Euro für Männer sind die Löhne eher bescheiden", kritisiert Ströhl. So müssen in Erfurt 16 % der Erwerbstätigen mit Hartz IV aufstocken, mehr als jedes vierte Kind lebt in solchen Verhältnissen. Ein wichtiger Aspekt, um Fachleute nach Thüringen zu holen oder hier zu halten, seien eine vernünftige Bezahlung und verlässliche Arbeitsverträge, also keine auf ein Jahr befristete, verlangte Ströhl. Vor zehn Jahren wäre eine solche Forderung seitens der Arbeitsvermittlung undenkbar gewesen.

Um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern, müsse man die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss reduzieren, ebenso die der Abbrecher bei Studium und Lehrausbildung. Gleichzeitig sollen durch die Netzwerkpartner die jungen Leute besser auf ihre Berufswahl vorbereitet werden, hieß es gestern weiter. Auch sollten mehr erfahrene Arbeitnehmer über 55 Jahre aus der Erwerbslosigkeit eingestellt sowie Beschäftige in den Betrieben stärker qualifiziert und weitergebildet werden.

Vor allem Berufskraftfahrer, Techniker und Elektriker haben einen sehr hohen Anteil (32 bis 39 Prozent) an älteren Beschäftigten, die in nächster Zeit in Rente gehen und ersetzt werden müssen. Und es gibt Berufsgruppen, die neben dem altersbedingten Bedarf auch neue Stellen besetzen müssen wie Metallberufe, in Logistikzentren, bei Ingenieuren und im Pflegebereich.

Daten aus dem Arbeitsmarktdossier

  • Erfurts Wirtschaft zeichnet sich mit 82 Prozent durch eine sehr hohen Dienstleistungsanteil aus. (Thüringen 64 Prozent)
  • Die meisten arbeiten in Verwaltungs- und Büroberufen (28 Prozent).
  • Im Gastgewerbe sind 2709 Menschen - das entspricht 2,7 % - tätig.
  • Im Sozial- und Pflegewesen arbeiten 9,8 Prozent der knapp über 100.000 regulär Beschäftigten in Erfurt. Tendenz steigend.
  • Mit 8275 Beschäftigten (8 Prozent) ist Zeitarbeit in Erfurt sehr stark verbreitet.
  • Im Handel sind 12 %, im Maschinen-/Fahrzeugbau 1,1% (1078 Personen).