Feuerwehrverband sieht Katastrophenschutz akut gefährdet

Der Thüringer Feuerwehrverband sieht den Brand- und Katastrophenschutz im Freistaat in den nächsten Jahren akut gefährdet. Grund sei zum einen die fehlende Unterstützung aus der Wirtschaft, sagte Verbandschef Lars Oschmann am Samstag auf der 83. Verbandsversammlung der Thüringer Feuerwehren.

Ein Großbrand in der Apoldaer Innenstadt hatte am Donnerstag sechs Häuser im dichtbebauten Innenstadtkern erfasst. Ohne Rettungskräfte und Feuerwehr aus dem gesamten Kreisgebiet und den umliegenden Städten hätte der Brand nicht so schnell unter Kontrolle gebracht werden können. Foto: Sascha Margon

Ein Großbrand in der Apoldaer Innenstadt hatte am Donnerstag sechs Häuser im dichtbebauten Innenstadtkern erfasst. Ohne Rettungskräfte und Feuerwehr aus dem gesamten Kreisgebiet und den umliegenden Städten hätte der Brand nicht so schnell unter Kontrolle gebracht werden können. Foto: Sascha Margon

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Erfurt. Aber auch durch das Aussetzen der Wehrpflicht fehlen Freiwillige, die bisher Ersatzdienst in den Katastrophenschutzeinheiten abgeleistet hatten. Oschmann forderte Unternehmen und Politik auf, der drohenden Missäre entgegen zu wirken.

Immer mehr freiwillige Feuerwehrleute würden sich an ihrem Arbeitsplatz gemobbt fühlen, erklärte der Verbandschef. Viele Chefs hätten kein Verständnis, wenn Mitarbeiter für einen Einsatz ihren Arbeitsplatz verlassen, so das immer mehr Kameraden in der freiwilligen Feuerwehr Angst um ihre Arbeitsplätze hätten. Lars Oschmann verwies darauf, dass im Brandfall aber auch diese Unternehmen auf die schnelle Hilfe der Feuerwehr angewiesen sind.

Noch dramatischer stellt sich die Situation beim Katastrophenschutz dar. Künftig werde die Bundeswehr nicht mehr über die personellen Ressourcen verfügen, mit denen bisher geplant wurde. "Ein längerfristiger Katastrophenschutzeinsatz ist mit den uns nunmehr noch zur Verfügung stehenden Kräften undenkbar", so das Fazit des Feuerwehrverbandes. Oschmann forderte zudem eine bessere Ausstattung für den Katastrophenfall. So würden beispielsweise Hochleistungspumpen fehlen, sagte er.

Innenminister Jörg Geibert (CDU) ging in seiner Rede auf viele der Probleme nicht im Detail ein. Der Thüringer Allgemeine sagte er aber, dass gemeinsam mit dem Feuerwehrverband ein Pilotprojekt gestartet werden soll, um Unternehmer in Gesprächen von der Wichtigkeit der Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr und den damit verbundenen Einsätzen zu überzeugen.

Ein großes Problem für die Thüringer Feuerwehren ist die Nachwuchsgewinnung. Zwar haben sich die Zahlen in den Jugendfeuerwehren leicht stabilisiert, seitdem das Eintrittsalter von zehn auf sechs Jahren gesenkt wurde. Da aber viele aktive Mitglieder Berufspendler sind oder Probleme mit ihrem Arbeitgeber haben, ist es immer schwieriger, unter der Woche die Einsatzbereitschaft zu halten.

Oschmann kritisierte, dass in den Kreisen und kreisfreien Städten im Vorjahr teilweise Gelder für den Katastrophenschutz zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet wurden. Er forderte das Innenministerium auf, entsprechende Richtlinien zu erlassen, da bisher die Kämmerer nicht verpflichtet seien, die Gelder in den Katastrophenschutz zu investieren.

Dem Thüringer Feuerwehrverband gehören rund 41.000 Mitglieder an, die in 1745 freiwilligen, Berufs- und Werksfeuerwehren organisiert sind. Die Helfer rücken pro Jahr zu rund 24.000 Einsätzen aus.

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