Hausbesitzer auf dem Land sollen bis zu 35.000 Euro erhalten

Erfurt. Thüringen startet eine bundespolitische Initiative. Die Regierung will die zunehmende Landflucht eindämmen.

Der Sanierungsbonus soll sich an potenzielle Käufer und Alteigentümer von Häusern im ländlichen Raum richten. Foto: Michael Groß

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Familien mit einem eigenem Haus auf dem Land sollen künftig mit einem "Sanierungsbonus" vom Bund finanziell unterstützt werden.

Voraussetzung ist, dass das Haushaltseinkommen pro Jahr unter 50.000 Euro brutto liegt.

Ein entsprechender Vorschlag Thüringens für eine Initiative gegen die anhaltende Landflucht werde im Mai auf den Weg gebracht, kündigte Thüringens Bauminister Christian Carius (CDU) gegenüber unserer Zeitung an. Die Initiative soll in ganz Deutschland gelten.

"Bis zu 35.000 Euro sollen im Zeitraum von zehn Jahren an Hausbesitzer, die selbst in ihrer Immobilie wohnen, gezahlt werden. Damit kann die Wärmedämmung verbessert, das Haus seniorengerecht umgebaut oder eine Schrottimmobilie wieder belebt werden", kündigte Carius an.

Zweck sei es, das Wohnen auf dem Land wieder attraktiv zu machen und die Einwohner zum Verbleib in ihrer Region zu bewegen, so der Minister. Er hoffe, dass der Thüringer Vorschlag im Bundeskabinett beschlossen werde. Danach wäre der Bundestag am Zug.

Carius zeigte sich optimistisch, dass der Vorstoß angenommen wird: "Ich gehe davon aus, dass der Sanierungsbonus Bestandteil der Demografie-Strategie des Bundes wird." Diese Demografie-Strategie umfasst Maßnahmen gegen die Überalterung der Gesellschaft.

Carius sitzt mit Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) in einer Arbeitsgruppe, der Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angehören. Dort werden Details der Thüringer Initiative beraten.

"Das Modell funktioniert im ländlichen Raum Bayerns genau so gut wie in Thüringen, weshalb ich gute Chancen sehe, dass uns viele andere Länder zur Seite stehen", sagte Carius. Kontakte zu anderen Landesregierungen gebe es bereits.

Rückenwind bekommt Carius aus dem Verkehrsausschuss des Bundestages.

"Ich begrüße das sehr, weil der Vorschlag berücksichtigt, dass Deutschland kein homogener Wohnungsmarkt ist", sagte der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel. Er ist zugleich stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses. Es gebe eben Gegenden mit Leerstand und auch solche mit Wohnungsmangel.

Skeptisch ist Vogel allerdings mit Blick auf eine schnelle Durchsetzung: "Vor der Wahl lässt sich das Vorhaben sicherlich nicht durchsetzen, aber es gehört ins Wahlprogramm."

Positiv ist die Resonanz aus Thüringen. "Wenn der Sanierungsbonus greift, dann ist er ein sehr guter Anreiz für private Hausbesitzer, die eigene Immobilie energetisch zu modernisieren oder für die Bedürfnisse älterer Menschen umzubauen", sagte der Thüringer Landeschef des Verbandes Haus und Grund, Joachim Bleek. Mit Beträgen bis zu 35.000 Euro sei "baulich schon einiges drin".

Auch die Thüringer Wohnungswirtschaft begrüßt die Initiative: "Endlich einmal ein konkreter Vorschlag, wie man Bauherren auf dem Land unterstützt und die Abwanderung stoppt", so Verbandschef Hans Joachim Ruhland.

Vor allem Familien mit Kindern sollen gefördert werden

  • Der Sanierungsbonus soll sich an potenzielle Käufer und Alteigentümer von Häusern im ländlichen Raum richten.
  • Angedacht ist eine Summe zwischen 28.000 und höchstens 35.000 Euro. Dies hängt unter anderem von der Zahl der Kinder ab.
  • Die Erneuerung von Schrottimmobilien, die länger als zehn Jahre leer stehen, wird ebenfalls finanziell gefördert.
  • Die Gesamtsumme der Förderung wird auf die einzelnen Jahre aufgeteilt. Vorrang hat die energetische Sanierung.

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