Im schwarzen Land Thüringen: CDU gewinnt 1990 alle 44 Wahlkreise

Erfurt.  Bei der Landtagswahl 1990 gewann die CDU alle Direktmandate. Verlierer waren die Bürgerrechtler. Die Klarheit der Ergebnisse überraschte.

Bei der ersten Wahl zum Thüringer Landtag nach der Wende gewann die CDU die Wahl deutlich und verfehlte nur knapp die absolute Mehrheit. Sie bildete danach eine Koalition mit der FDP. - Im Foto: Der spätere Thüringer Ministerpräsident Josef Duchac (CDU) stößt nach der Sitzung mit Willibald Böck (CDU, l.) und Andreas Kniepert (FDP) mit einem Glas Sekt an.

Bei der ersten Wahl zum Thüringer Landtag nach der Wende gewann die CDU die Wahl deutlich und verfehlte nur knapp die absolute Mehrheit. Sie bildete danach eine Koalition mit der FDP. - Im Foto: Der spätere Thüringer Ministerpräsident Josef Duchac (CDU) stößt nach der Sitzung mit Willibald Böck (CDU, l.) und Andreas Kniepert (FDP) mit einem Glas Sekt an.

Foto: Sascha Fromm (Archivfoto)

Das Interesse des selbstbefreiten Volkes an der Demokratie war im Herbst 1990 schon wieder etwas gesunken. Oder, das ist die freundlichere Interpretation: Es hatte sich schon an sie gewöhnt.

So oder so: Im März 1990 hatten noch 93,4 Prozent der wahlberechtigten Menschen in der DDR zum ersten und letzten Mal frei und geheim die Volkskammer gewählt. Nun, am 14. Oktober, beteiligten sich knapp 72 Prozent der Neu-Bundesbürger in Thüringen an der Abstimmung über den Landtag. Das Land, das 1952 in drei Bezirke zerteilt wurde, war damit endgültig rekonstituiert.

Helmut Kohl absolvierte für CDU mehrere Wahlkampftermine

Der Wahlsieg der gewendeten Union wirkte nach den Umfragen gewiss. Die SPD hatte sich zwar alle Mühe gegeben, die Vergangenheit des CDU-Spitzenkandidaten („Duchač - ein Mann mit Vergangenheit, aber ohne Zukunft“) zu thematisieren. Doch die Sozialdemokraten besaßen ihr eigenes Personalproblem: Sie hatten mit Friedhelm Farthmann eine Nummer 1 aus Nordrhein-Westfalen importiert, der im Unterschied zum CDU-Bewerber Kurt Biedenkopf in Sachsen kaum ankam. Und: Sie hatten keinen Helmut Kohl, der für die CDU mehrere Wahlkampftermine absolvierte.

Die Klarheit des Ergebnisses überraschte trotzdem. Die CDU gewann alle 44 Wahlkreise und 45,4 Prozent der Zweitstimmen, die SPD kam nur auf etwa die Hälfte. Die PDS, die ein Jahr zuvor noch SED hieß, landete bei fast zehn Prozent, nur knapp vor der FDP.

CDU brauchte die FDP zum Regieren

Verloren hatte die alte DDR-Opposition. Das Neue Forum, Demokratie Jetzt und die Grünen schafften es mit einer gemeinsamen Liste gerade so in den Landtag - der sich rasch im Nationaltheater Weimar konstituierte und Gottfried Müller (CDU) zum Präsidenten wählte.

Nachdem schon alle Landräte und die meisten Bürgermeister der CDU angehören, gab es nur einen Schönheitsfehler für die Union: Da ihr für die absolute Mehrheit im Landtag eine Stimme fehlte, brauchte sie zum Regieren die FDP.

Feierstunde im Landtag

In einer Feierstunde hat der Landtag am Dienstagabend der Wahl der Volkskammer und des Landtags 1990 gedacht. „Der Oktober vor 30 Jahren hat Thüringen geprägt“, sagte Parlamentspräsidentin Birgit Keller (Linke). „Er hat unseren Umgang miteinander verändert, unser Verständnis von Mitbestimmung und Teilhabe.“ Denen, die damals Verantwortung übernahmen, sei vieles abverlangt worden. „Umso dankbarer sind wir Ihnen heute.“

Keller ist die erste Linke an der Spitze des Landtags. Ihre Vorgänger waren alle in der CDU:

  • Gottfried Müller (1990 bis 1994)
  • Frank Michael Pietzsch (1994 bis 1999)
  • Christine Lieberknecht (1999 bis 2004)
  • Dagmar Schipanski (2004 bis 2009)
  • Birgit Diezel (2009 bis 2014 und 2018/2019)
  • Christian Carius (2014 bis 2018)