Laizisten-Arbeitskreis in der SPD: Gottlose Genossen

Laizismus - das ist die Lehre von der strikten Trennung von Kirche und Staat. In der SPD will sich nun ein Arbeitskreis gründen, der hier Handlungsbedarf sieht.

Kirchenfern: Der Wirtschaftsminister Thüringens Matthias Machnig. Foto: Alexander Volkmann

Kirchenfern: Der Wirtschaftsminister Thüringens Matthias Machnig. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Erfurt. Matthias Machnig erging es am Montag mal wieder wie der Kanzlerin: Er hatte seinen ersten Arbeitstag nach dem Urlaub. Termine, Entscheidungen und Anfragen über Anfragen. Darunter auch diese: Ob es denn stimme, dass er zu den "Laizistinnen und Laizisten in der SPD" gehören wolle.

Außer einer grundsätzlichen Bestätigung dieser Tatsache war am Montag vom gestressten Minister wenig zu erfahren. Dafür gab Carsten Schneider gerne Auskunft. Er trete der Gruppe bei, um die Vermischung von kirchlichen und staatlichen Angelegenheiten in Deutschland abzubauen. Schließlich, sagte der Erfurter Bundestagsabgeordnete, gebe es Länder wie die USA, wo der private Glauben der Menschen viel stärker ausgeprägt sei - und die Trennung von Kirche und Staat dennoch stärker beachtet werde. Mit Atheismus habe dies also nichts zu tun, eher mit Humanismus.

Dabei steht zumindest Schneider für einen pragmatischen Ansatz. Der Religionsunterricht sollte nicht abgeschafft, sondern wie in Brandenburg durch das Mischfach "Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde" ersetzt werden, sagt er. Auch die Kirchensteuer, die ja eigentlich ein Mitgliedsbeitrag sei, könne weiter "als reiner Service" vom Staat eingetrieben werden.

Schneider und Machnig gehören zu den 300 Interessenten, die sich gemäß dem Arbeitskreis seit der ersten informellen Versammlung im Juni gemeldet haben. Die offizielle Gründung ist für den 16. Oktober geplant. Auf der zugehörigen Internetseite finden sich unter anderem diese Forderungen: keine religiösen Symbole in öffentlichen Gebäuden, ein "neutrales Bildungswesen", keine staatlichen Gelder mehr für die theologische Ausbildung . . .

Der für die "Christinnen und Christen in der SPD" sprechende Bundestagsvizepräsident Wolfganz Thierse sagte dazu dem Evangelischen Pressedienst epd, er könne seine Partei nur vor kirchenfeindlichen Tendenzen warnen. Der sozialdemokratische Landeschef und studierte evangelische Theologe Christoph Matschie scheint dies ähnlich zu sehen. Er teilte unserer Zeitung mit, dass selbst in einer diskussionsfreudigen Partei wie der SPD der geplante Arbeitskreis in jeder Hinsicht "überflüssig" sei.