Landkreis Greiz wird nicht in Quarantäne gehen

Greiz/Jena.  Der Landkreis Greiz hat bundesweit die höchste Infektionsrate mit dem Corona-Virus. Vorerst soll es jedoch keine neuen Beschränkungen geben.

Martina Schweinsburg (CDU), Präsidentin des Thüringischen Landkreistages und Landrätin des Landkreis Greiz, ist sich der Gratwanderung bewusst.

Martina Schweinsburg (CDU), Präsidentin des Thüringischen Landkreistages und Landrätin des Landkreis Greiz, ist sich der Gratwanderung bewusst.

Foto: Martin Schutt / dpa

Trotz bundesweit höchster Infektionsrate mit dem Corona-Virus will Greiz vorerst keine neuen Beschränkungen anordnen. Der Landkreis werde sich nicht in Quarantäne begeben, sagte Landrätin Martina Schweinsburg (CDU). „Wir sind uns der Gratwanderung bewusst. Einerseits ist es wichtig, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, andererseits können wir unserer Wirtschaft, unsere Gastronomie keine weiteren Blockaden aufbürden“, so Schweinsburg. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Kanzlerin und Länderchefs hatten am Mittwoch ein Notfallsystem vereinbart. Demnach sollen sofort neue Beschränkungen in Kraft treten, wenn in einer Woche mehr als 50 von 100.000 Einwohnern eines Landkreises positiv auf Corona getestet werden. Im Kreis Greiz sind es aktuell 87. Schweinsburg beruft sich darauf, dass neue Beschränkungen auf konkrete Einrichtungen beschränkt werden können. Nach einem Massentest seien die Greizer Infektionsschwerpunkte bekannt. „Das ist und bleibt der südliche Teil des Landkreises mit den Zentren Greiz und Zeulenroda-Triebes“, so Schweinsburg. Über konkrete Schritte will der lokale Krisenstab nächste Woche beraten.

Gedeckt wird diese Haltung durch das Thüringer Gesundheitsministerium. Zur Unterstützung werde das Greizer Gesundheitsamt personell aufgestockt, so Sprecherin Silke Fließ. Tests werden von der Kassenärztlichen Vereinigung unterstützt. Die Kosten für asymptomatische Tests, die die Kassen nicht bezahlen, übernimmt das Land. Aktuell überschreitet bundesweit nur Greiz die Obergrenze.

In einer Videokonferenz mit Landräten und Oberbürgermeistern stellte das Land klar, dass das Kabinett am 12. Mai über die Lockerungen entscheidet, die dann am 13. Mai in Kraft treten könnten.

Der Krisenstab der Stadt Jena kritisierte das Land heftig. Die fast vollständige Rücknahme klarer und verlässlicher Regeln erscheine als wenig verantwortungsvoll..