Leitartikel: Kampf der Zwerge

Martin Debes über den missglückten Neustart der Thüringer CDU.

Portrait Kommentar Kommentator Beschneidungspfad 2019 Martin Debes

Portrait Kommentar Kommentator Beschneidungspfad 2019 Martin Debes

Foto: Andreas Wetzel

Das ist kein überzeugender Start für eine Partei, die eine Krise überwinden und Wahlen gewinnen will. Diese Partei denkt und handelt weiter in Lagern. Damit schreitet die Verzwergung fort.“

Diese Sätze äußerte am Samstag ein Mann, der sehr lange in der Führung der Thüringer CDU aktiv war. Und ihm ist Recht zu geben.

Die Union, anders lässt es sich nicht sagen, hat es mal wieder versemmelt. Sie zeigte bei der Neuwahl ihrer Landesspitze nicht ansatzweise die Kraft, die nötig wäre, um das dräuende Superwahljahr erfolgreich zu bestehen.

Repräsentiert wird der Missstand durch das Wahlergebnis für den neuen Landesvorsitzenden. Nur zwei Drittel der Delegierten stimmten für Christian Hirte. Sein neuer, kurzfristig benannter Generalsekretär wurde gedemütigt.

Mohring-Anhänger setzen sich durch

Dahinter stehen, ja, auch die alten Truppenteile des verdrängten Ex-Landeschefs Mike Mohring. Dessen Anhänger konnten sich sogar auf wichtigen Positionen gegen Hirtes Kandidaten durchsetzen.

Aber das Rache-Motiv reicht längst nicht zur Erklärung der Misere. Die entscheidenden Fehler beging Hirte selbst. So wollte er, der Bundestagsabgeordnete, partout nicht mitteilen, ob er als Spitzenkandidat für die Landtagsneuwahl bereitsteht. Zudem konnte sein Wunschführungsteam, das er gemäß der Lagerlogik sortierte, nur teilweise überzeugen. Und seine rhetorisch schwache Rede half ihm natürlich ebenso wenig.

Es gibt auch die, die jetzt argumentieren, dass ein Parteitag schnell vergessen sei, und es ja nun, immerhin, wieder eine funktionierende Führung gebe. Der Rest werde sich schon zurechtruckeln.

Da ist etwas dran. Doch dafür müssten die Beteiligten versuchen, ihrer Einheitsrhetorik Taten folgen zu lassen. Sie könnten zum Beispiel gemeinsam dafür sorgen, dass der alte Vorsitzende seine zweite Chance in Berlin nutzt, derweil sich der neue Vorsitzende zu seinem neuen Job in Erfurt bekennt, mit allem, was dazu gehört.

Oder der Kampf der Zwerge geht eben so lange weiter, bis Rot-Rot-Grün wieder eine Mehrheit hat.

CDU weiter ohne Spitzenkandidat: Hirte soll Farbe bekennen