Linke-Fraktionschef Ramelow: Ist Kirche Teil der Gesellschaft?

Während Steffen Dittes, Mitarbeiter der Linksfraktion im Thüringer Landtag Demonstrationen gegen den Auftritt des Papstes angemeldet hat, freut sich Fraktionschef Bodo Ramelow auf den Besuch von Benedikt XVI. "Als evangelischer Christ sage ich: Es ist gut und richtig, dass der Papst kommt."

Die Landtagsfraktion der Linkspartei - hier Vorsitzender Bodo Ramelow - war seit Wochen über die für Erfurt geplanten antipapistischen Aktionen informiert. Foto: Marco Kneise

Die Landtagsfraktion der Linkspartei - hier Vorsitzender Bodo Ramelow - war seit Wochen über die für Erfurt geplanten antipapistischen Aktionen informiert. Foto: Marco Kneise

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Erfurt. Über die antipapistischen Demonstrationen war die Fraktion seit Wochen informiert, räumte Ramelow ein. Doch habe Steffen Dittes die Anmeldung als Privatperson vorgenommen. Darum habe "der Arbeitgeber nichts mit dem Anmelder zu tun", sagte Bodo Ramelow gegenüber unserer Zeitung.

Im übrigen sei es legitim, dass Menschen andere Meinungen vertreten, erklärte der Politiker in einer Pressemitteilung - "angesichts der Sexualmoral, die der Vatikan vertritt, angesichts des Umgangs mit Homosexuellen, mit der Gleichberechtigung von Frauen in der Katholischen Kirche, aber auch angesichts der Frage, ob die katholische Kirche Teil der Gesellschaft ist".

Bodo Ramelow will als Fraktionsvorsitzender bei der Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag in Berlin anwesend sein. Die Messe auf dem Erfurter Domplatz wird er - trotz Einladung - nicht besuchen. Er gab persönliche Gründe an. "Ich möchte bei einer liturgischen Veranstaltung nicht gefilmt werden."

Fast 30.000 Menschen werden dazu am 23. September erwartet. Zur selben Zeit soll auf dem Anger eine "religionsfreie Zone" entstehen, geht aus der Seite "Papstabschaffen.Blogspot.de" hervor. Am Vortag soll es auf dem Bahnhofsvorplatz eine Demo mit dem Titel "Heidenspaß statt Höllenangst" geben. Etwa 250 Teilnehmer werden an beiden Tagen erwartet.

In dem Aufruf des Aktionsbündnisse aus Einzelpersonen, dem Erfurter Kreisverband der Sozialistische Jugend Deutschland, der antikapitalistischen Gruppe Revolta und der feministischen Gruppe "wider die Natur" heißt es: Was als historischer Moment für Erfurt gehandelt werde, entpuppt sich "als öffentliche Feier einer zutiefst reaktionären und menschenfeindlichen Ideologie."

Aus Ramelows Sicht handelt es sich bei den Demonstrationen keineswegs um "schlichte antiklerikale Reflexe", sondern um "kritische Politik".

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