Merz will beim Wiederaufbau der CDU Thüringen helfen

Apolda.  Politischer Aschermittwoch der CDU in Apolda steht im Zeichen des Abschiedes von Mike Mohring und des Aufbruchs des ewigen Merkel-Widersachers Merz.

Friedrich Merz (links) kam nach Apolda, zum Politischen Aschermittwoch der CDU.

Friedrich Merz (links) kam nach Apolda, zum Politischen Aschermittwoch der CDU.

Foto: Sascha Fromm

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Wenige Stunden vor dem offiziellen Auftakt meldet sich Mike Mohring (CDU) zu Wort. Der Noch-Landesvorsitzende der Christdemokraten und Noch-Fraktionschef im Landtag bedankt sich auf Twitter und Instagram bei seinen Teams „für die wahnsinnig spannende, aufregende und aufreibende gemeinsame Zeit“.

Vier Stunden später ist es 18 Uhr geworden: In Apolda platzt die Brauereihalle förmlich aus allen Nähten. 1500 CDU-Mitglieder aus ganz Thüringen sind gekommen. Sie wollen den Stargast des Abends sehen: Friedrich Merz, der sich ersten einen Tag zuvor offiziell um den CDU-Parteivorsitz beworben hat. Dass dieser Aschermittwoch ein besonderer ist, wird spätestens beim Andrang der Journalisten klar, die an sechsfacher Zahl im Vergleich zu den sonstigen Jahren da sind.

Gekommen sind sie wegen Merz. Aber auch, um zu sehen, wie der Thüringer CDU-Chef nach den Querelen der vergangenen zwei Wochen seine Abschiedsvorstellung gibt. Mohring hatte hier in Apolda vor einem Jahr final den Landtagswahlkampf eingeläutet, und trotz seiner damals noch nicht überstandenen Krebserkrankung eine mitreißende Rede gehalten. Ein Jahr später ist vieles anders geworden. Jetzt nimmt er seinen Hut bei seinem Heimspiel und trägt damit spät die Verantwortung für Wahlklatsche im Oktober und nach zwei Wochen auch Verantwortung für das Verhalten seiner CDU bei der Wahl von Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) mit Stimmen von CDU und der in Thüringen besonders rechten AfD die Hauptverantwortung. Mohring sagt: „Ich ganz persönlich habe in den Jahren meiner Verantwortung mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht.“Deshalb gerät sein Heimspiel zur emotionalen Abschiedsvorstellung. Mohrings politisches Ende ist vorerst beschlossene Sache. Nächste Woche wird die Fraktionsspitze neu gewählt und im April auch ein neuer Landesvorsitzender.

Nicht dabei ist diesmal Alt-Ministerpräsident Bernhard Vogel, obwohl lange vorher angekündigt. Eine Begründung dafür wird am Abend nicht genannt.

Vieles ist aber an diesem Abend wie immer: Mohring und Merz, der mit tosendem Applaus begrüßt wird, schreiten um kurz nach 18 Uhr Seite an Seite in die Brauereihalle. Sie demonstrieren Stärke, die die Thüringer CDU derzeit nicht hat. In Umfragen dümpelt sie um die zwölf bis 15 Prozent herum. Merz hatte aber schon am Tag vorher der Union in Thüringen Unterstützung beim wahrscheinlich notwendigen Wiederaufbau nach einer Neuwahl zugesagt.

Mohring dankt dafür und sagt mit Blick auf die Merz-Kandidatur für den Bundesvorsitz: „Wir setzen auf dich.“ Wieder stürmischer Applaus. Merz macht klar, dass Jens Spahn und Armin Laschet selbstverständlich zu seinem Team gehören, wenn die Wahl im April so ausgehe, „wie ich mir das vorstelle“ – Laschet hat seine Kandidatur ebenfalls angekündigt.

Mohring gibt sich ein wenig bisschen geläutert, sagt aber auch, dass die Unterstützung aus Berlin hätte besser sein können, was er aber nicht als Wegschieben von Verantwortung gedeutet wissen will. Der Appell seiner letzten Rede: „Wir müssen uns aus uns selbst heraus und nicht aus der Abgrenzung definieren.“ Den Beschluss, weder mit Linken noch AfD zusammenzuarbeiten, verteidigt Mohring – allerdings nur solange, bis dieser auf eine Lebenswirklichkeit, wie in Thüringen treffe. Dann gehe es um Verantwortung.

Sein Credo trifft auf Zustimmung, aber auch auf Ablehnung in der Halle. Mohring teilt diesmal nicht gegen den politischen Gegner aus, sondern mahnt zur Geschlossenheit und dafür, Gemeinsamkeit zu demonstrieren. Mohring sagt, die CDU müsse in die Mitte einladen. „Diese Aufgabe kann man machen, wenn man die Partei führt oder ein einfaches Mitglied ist.“ Er selbst wolle das als nunmehr einfaches Parteimitglied tun.

Friedrich Merz will dabei helfen, die CDU in Deutschland und vor allem in Thüringen wieder zur alten Stärke zu führen. „Wenn die nächste Wahl ansteht, dann ist die gesamte CDU in Deutschland aufgefordert, hier her zu kommen nach Thüringen und die CDU so stark zu machen, wie es geht.“ Die Hauptverantwortung für die problematische Lage schiebt er aber Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow zu: „Der Auslöser war die Arroganz, die Überheblichkeit zu sagen: Ich stelle mich hier zur Wahl und erwarte, das andere Mitstimmen.“ Gleichwohl: Das Verhalten seiner Parteifreunde bei der Kemmerich-Wahl bezeichnet er als Fehler, wofür nun die Abgeordneten Verantwortung tragen müssten. Merz kritisiert die Linke dafür, dass sie einen anderen Staat wolle und die AfD für ihre Ausgrenzung. Mit beiden könne es keine Zusammenarbeit geben. Dennoch sagt er: „Es wäre ganz gut gewesen, wenn wir unser Verhalten gegenüber der Linkspartei von unserem Verhalten zur AfD getrennt hätten.“ Ganz nebenbei fordert er auch einen neuen Generationenvertrag. Der Jugend dürften nicht noch größere Lasten aufgebürdet werden. Merz reitet quer durch die Themen, die aktuell anstehen – von Energiewende, die er kritisiert ob ihrer Ausgestaltung, bis hin zu Datenabhängigkeiten von China und erhält für seine Rede langen Stehapplaus und vereinzelt wird „Friedrich, Friedrich“ und „Wir können Kanzler“ jubiliert.

So bestimmen Merz und Mohring die Szenerie des Politischen Aschermittwochs in Apolda, der der größte seiner Art in Ostdeutschland ist. Es ist die Abschiedsparty von Mike Mohring. Merz macht klar, dass er davon ausgeht, dass es ein Abschied „auf Zeit ist“. Mohring dankt schon vorher allen, denen er danken will, mit einer von Tränen gezeichneten Stimme: „Danke, dass ich das für euch tun durfte.“

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