Nach Demo: Ramelow appelliert an Menschen im Corona-Hotspot-Kreis Hildburghausen

Der Landkreis Hildburghausen gilt derzeit als Deutschlands schwierigster Corona-Hotspot. Dennoch protestierten am Mittwoch Hunderte gegen die strengen Infektionsschutzregeln - sehr zum Ärger von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Am Mittwochabend (25.11.2020) findet in Hildburghausen eine Demo gegen die geltenden Corona-Regeln statt.

Am Mittwochabend (25.11.2020) findet in Hildburghausen eine Demo gegen die geltenden Corona-Regeln statt.

Foto: News5 / Ittig / News5

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat an die Menschen im Corona-Hotspot-Landkreis Hildburghausen appelliert, sich an die neuen Infektionsschutzregeln zu halten. Es gebe ein großes Bemühen, mit strengeren Maßnahmen "Leib und Leben von Menschen zu schützen", sagte er am Mittwoch nach einer Schalte der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er habe aber Bilder gesehen, die zeigten, dass sich mehrere Hundert Menschen auf dem Marktplatz versammelt hätten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Diese Menschen, so Ramelow, hätten damit das Signal gegeben, dass sie das Infektionsgeschehen in ihrem Kreis nicht interessiere. "Sie sind zwar in dem Landkreis, in dem die höchste Infektionsrate in ganz Deutschland ist, aber sie signalisieren, dass sie die Maßnahmen zur Unterbindung der Infektionen wohl eher ablehnen", sagte Ramelow.

In der Stadt Hildburghausen hatten sich am Mittwochabend nach Angaben der Polizei rund 400 Menschen - entgegen der geltenden Thüringer Infektionsschutzverordnung und der Allgemeinverfügung des Landkreises Hildburghausen - auf dem Marktplatz versammelt, um gegen die strengen Regeln zu demonstrieren.

Um die Proteste zu beenden, setzten Beamten auch Pfefferspray ein, wie die Polizei in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. Mehrfache kommunikative Versuche, die Teilnehmer zum Verlassen der Demonstration zu bewegen, seien fehlgeschlagen. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Gegen 20.45 Uhr seien die Proteste beendet gewesen.

Die Polizei stellte bei der Demonstration zahlreiche Verstöße gegen die geltenden Infektionsschutzregelungen fest. So seien etwa die Mindestabstände nicht eingehalten worden und Masken nicht getragen worden. Insgesamt seien mehr als 30 Anzeigen erstattet worden, hieß es.

In Hildburghausen gab es laut Zahlen des Robert Koch-Instituts von Mittwoch 526,9 Infektionsfälle auf 100.000 Einwohner pro Woche - das ist das bundesweit stärkste Infektionsgeschehen. Ab einem Wert von 50 gilt eine Region als Risikogebiet.

Ramelow appellierte an die Menschen in Hildburghausen, solidarisch zu sein und "sich gegenseitig zu helfen und sich zu unterstützen". Gerade im Raum Südthüringen sei die Situation in den Intensivstationen der Krankenhäuser angespannt. "Wenn man dann auch noch mit einer größeren Form von Missachtung und Leugnung glaubt, darauf reagieren zu können, erweist man seinen Mitbürgern einen Bärendienst", sagte Ramelow.

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