Thüringer Ex-Direktkandidat erhebt schwere Vorwürfe gegen AfD

Erfurt  Der Thüringer Chef eines DDR-Opfer-Verbandes wirft der Partei Missbrauch der friedlichen Revolution vor.

Symbolfoto: Ein Mann mit einem Schild der AfD.

Symbolfoto: Ein Mann mit einem Schild der AfD.

Foto: Paul Zinken

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Der Thüringer Ex-Landtagswahlkandidat der AfD, Matthias Katze, hat seiner früheren Partei vorgeworfen, die Errungenschaften der friedlichen Revolution von 1989 zu „missbrauchen“. Die Bürger der DDR seien damals gegen „ein Unrechtsregime“ auf die Straße gegangen, das mehrere hundert Tote, etwa 24­.0000 politische Gefangene oder die Vertreibung von Menschen aus den Grenzregionen zu verantworten gehabt habe, teilte er in einer Erklärung mit, die dieser Zeitung vorliegt.

Matthias Katze amtiert als Vorsitzender der Thüringer „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ (VOS) und bezeichnete es auch in dieser Funktion als „Ungeheuerlichkeit, die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres vereinigten Vaterlandes einem solchen menschenverachtenden Regime gleichzusetzen“. Er selbst habe in der DDR als politischer Häftling zwei Mal im Gefängnis gesessen.

Slogans wie „Vollende die Wende“ oder „Werde Bürgerrechtler“

Die AfD wirbt vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland mit Slogans wie „Vollende die Wende“ oder „Werde Bürgerrechtler“. Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke, der 2008 aus Westdeutschland nach Thüringen zog, sagte auf einer Kundgebung Mitte Juli in Chemnitz: „Es fühlt sich schon wieder so an wie in der DDR. Und dafür haben wir nicht die friedliche Revolution gemacht.“

Diese Zeitung hatte am Freitag erstmals berichtet, dass Katze aus der AfD ausgetreten ist und sich auch nicht mehr als Direktkandidat für den Landtag bewirbt. Bestätigt wurde diese Information von Höckes Co-Landeschef Stefan Möller – der in diesem Zusammenhang sagte, dass er die schriftliche Begründung Katzes nicht nachvollziehen könne. „Ich denke, dass auf ihn Druck ausgeübt wurde“, erklärte Möller.

Katze: Eigene persönliche freie Entscheidung, aus der AfD auszutreten

Nachdem Katze am Freitag trotz mehrfacher Kontaktversuche dieser Zeitung nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, verwahrte er sich am Wochenende in der schriftlichen Erklärung gegen die Mutmaßung Möllers. „Mich hat niemand in irgendeiner Form genötigt, aus der AfD auszutreten“, teilte er mit. Dementsprechende Vermutungen und Spekulationen weise er entschieden zurück. „Es war meine eigene persönliche freie Entscheidung nach unsäglichen Vorfällen innerhalb der Partei“, erklärte er. Anlass für seinen Parteiaustritt sei ein „schmieriges Hetzplakat“ der Berliner AfD gegen Kurden gewesen.

Die AfD hat keinen Kandidaten für Matthias Katzes alten Wahlkreis Erfurt 2 nachnominiert, den 2014 die linke Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow gewann. Die AfD tritt nach eigenen Angaben aktuell in 41 der 44 Thüringer Wahlkreise mit eigenen Kandidaten an.

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