Thüringer Kliniken drohen Millionen-Verluste

Erfurt.  Seit Jahresbeginn darf der Medizinische Dienst der Krankenversicherung die Kliniken für jede beanstandete Rechnung mit mindestens 300 Euro zur Kasse bitten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat im vergangenen Jahr unter anderem das Gesetz für bessere und unabhängigere Prüfungen (MDK-Reformgesetz) auf den Weg gebracht. Im Dezember wurde es verabschiedet.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat im vergangenen Jahr unter anderem das Gesetz für bessere und unabhängigere Prüfungen (MDK-Reformgesetz) auf den Weg gebracht. Im Dezember wurde es verabschiedet.

Foto: Britta Pedersen

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Den Thüringer Kliniken drohen jährlich Verluste in Millionenhöhe, wenn der Gesetzgeber das erst im November beschlossene MDK-Reformgesetz nicht ändert: Nach Schätzungen der Landeskrankenhausgesellschaft (LKHG) müssen die 43 Thüringer Krankenhäuser allein für Strafzahlungen, die ihnen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) seit diesem Jahr für die zu lange Verweildauer von Patienten aufbürden darf, rund 12,9 Millionen Euro berappen. Bei der Ermittlung dieser Summe hat sich die LKHG am Klinikum Altenburger Land orientiert, in dem der MDK pro Jahr rund 1000 Abrechnungen beanstandet.

Wenn Krankenhäuser Patienten nicht entlassen können, weil die Anschlussversorgung etwa in einem Pflegeheim oder durch häusliche Pflege nicht gewährleistet ist, versorgen sie sie weiter im Krankenhaus. Der Medizinische Dienst darf das nicht nur monieren und die zusätzlichen Behandlungstage von der Rechnung streichen, er darf von den Kliniken obendrein eine Strafe in Höhe von mindestens 300 Euro pro Fall verlangen. „Und das selbst dann, wenn die Rechnung nur um einen einzigen Euro gekürzt wird“, sagt LKHG-Geschäftsführer Rainer Poniewaß.

Kliniken fehlen 59 Millionen Euro

Wenn in einem Krankenhaus wie jüngst bei einem Fall im Altenburger Klinikum der Erlös von vier Behandlungstagen gestrichen werde, weil sich für einen hochbetagten Patienten keine Kurzzeitpflegestelle fand, ginge der Klinik ein Erlös von rund 1000 Euro verloren. Hochgerechnet auf 1000 Fälle jährlich und 43 Krankenhäuser, ergebe das einen Verlust von 46 Millionen Euro. Addiere man dazu noch die Strafzahlungen, fehlten den Kliniken knapp 59 Millionen Euro – mithin rund 3,2 Prozent dessen, was auf Landesebene mit den Kassen vereinbart sei.

Das Argument der Kassen, sie müssten den Kliniken für jede Rechnung, die sie zu Unrecht beanstandet haben, schließlich auch 300 Euro Strafe zahlen, lässt der LKHG-Chef nicht gelten: Schließlich entstünden den Krankenhäusern durch unnütze Fallprüfungen tatsächlich Kosten. Mit der neuen Strafzahlung hingegen würden sie trotz vollem Ressourceneinsatz „doppelt bestraft“.

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