Mauerfall

Thüringer Politiker erinnern an den Mauerfall: „Glücksfall der Geschichte“

Weimar/Erfurt.  Thüringer Politiker zum Gedenken an den Mauerfall vor 30 Jahren: Erinnerung macht Mut.

Trabischlange an Genzübergang zwischen Teistungen und Worbis in den ersten Tagen nach der Grenzöffnung.

Trabischlange an Genzübergang zwischen Teistungen und Worbis in den ersten Tagen nach der Grenzöffnung.

Foto: Schneemann, Hubert, Gerblingerode

Die Hoffnung, dass Freiheit und Einheit erreichbar sind, ist viel älter als die 40 Jahre währende Teilung. Das macht Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zum 30. Jahrestag des Mauerfalls deutlich: „Die Jahrzehnte staatlicher Trennung, Stacheldraht und Kalter Krieg haben es nicht vermocht, den seit der Revolution von 1848/49 unerfüllten Wunsch nach ‚Einheit in Freiheit‘ auszulöschen. Und bei allen bekannten Problemen und Versäumnissen der Wiedervereinigung wird keiner daran zweifeln, dass wir dieses wichtigste Ziel – ‚Einheit in Freiheit‘ – einlösen.“ Ramelow spricht auch vom Stolz, den die Bürger zurecht haben können „auf das, was wir geschafft und geschaffen, was wir gemeinsam geleistet haben“. Es sei „wunderbar zu sehen, wie stark sich unser Land entwickelt hat“, so Ramelow.

Dankbarkeit ist auch ein wichtiges Thema bei jenen, die sich schon am 3. Oktober als Grenzwanderer auf den Weg gemacht haben: Die einen kommen aus dem Drei-Länder-Eck im äußersten Südosten der ehemaligen DDR, die anderen starteten an der Lübecker Bucht. An diesem 9. November werden sie sich in Wernigerode am Brocken zu einem großen Fest treffen. Diese Pilgerwanderung ist eine der vielen Aktionen im Rahmen von „30 Jahre Mauerfall“. Teilstrecken mitgewandert ist Christine Lieberknecht, Wanderpräsidentin und ehemalige Thüringer Ministerpräsidentin. Sie gehört zum Kuratorium, das den Bogen von 30 Jahre Mauerfall zu 30 Jahre Deutsche Einheit spannt. Thüringen hat mit 763 den längsten Teil der 1378 Kilometer langen einstigen Grenze.

Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) erinnert „besonders an die vielen couragierten Bürgerinnen und Bürger, die mit Kerzen in den Händen etwas bewirkten, was kaum jemand für möglich gehalten hätte – die friedliche Überwindung einer Diktatur und letztendlich die Wiedervereinigung Deutschlands. Für dieses einmalige historische Ereignis dürfen wir auch heute zutiefst dankbar sein.“ Die mutigen Menschen von 1989 würdigt auch die SPD-Fraktion – und erinnert zugleich an die Jahrestage 1918 und 1938. CDU-Chef Mike Mohring will das „Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit freiheitlich-demokratischer Verhältnisse schärfen“. Madeleine Henfling und Astrid Rothe-Beinlich von den Bündnis-Grünen erinnern daran, dass dieser Tag „in seiner Ambivalenz wohl einzigartig in unserer Geschichte“ sei. Peter Wurschi, beauftragt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ruft ins Gedächtnis, dass „der Überwindung der Teilung zahlreiche Opfer vorausgingen; auch ihnen gilt es am 9. November zu Gedenken“.

Für Lieberknecht war der Fall der Mauer „ein Glücksfall für unsere deutsche Geschichte: In meiner Generation hat niemand auch nur zu hoffen gewagt, dass sich die Block-Konfrontation friedlich auflöst. Im Gegenteil: Wir hatten zeitweilig Angst vor dem Ausbruch des dritten Weltkriegs“, erinnert sie die Aufrüstung. Der 9. November sei „der emotionalste Tag“ der jüngeren deutschen Geschichte. „Das Glück, das wir empfunden haben, sollten wir uns immer wieder vergegenwärtigen.“ Die Erinnerung an dieses Glück „macht dankbar und zudem mutiger bei den schwierigen Aufgaben, die wir ohne Zweifel haben in unserem Land und in der Welt.“

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