Thüringer vor der Wahl: Thüringer Baufirma baut in ganz Deutschland

Kreuzebra  Helmut Rümenapp hat sich mit seiner Firma auf die Aufträge der öffentlichen Hand spezialisiert.

Bereut hat er seine Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, nicht: Der 62-jährige Helmut Rümenapp hat eine eigene Baufirma im Eichsfeld.

Bereut hat er seine Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, nicht: Der 62-jährige Helmut Rümenapp hat eine eigene Baufirma im Eichsfeld.

Foto: Bernd Jentsch

Gebaut habe er eigentlich schon immer, sagt Helmut Rümenapp. Mit 15 Jahren sei es ein Gartenhaus gewesen, erinnert sich der Eichsfelder an seine Kindheit.

Im 700-Seelen-Ort Kreuzebra aufgewachsen, hat er dort auch die ersten Jahre in der Schule verbracht. Es folgte der Wechsel auf die Oberschule im benachbarten Dingelstädt und nach dem Schulabschluss die Ausbildung. Metallbaufacharbeiter hieß der erlernte Beruf.

„Nebenbei“ aber verdiente sich der junge Eichsfelder seine erste Westmark. „Mit dem Herstellen schmiedeeiserner Gebrauchsgegenstände und Lackieren von Autos für Freunde und Bekannte aus Ost und West“, berichtet Rümenapp. In den Stallanlagen des einstigen Bauernhofes der Eltern hatte er sich dafür eine kleine Werkstatt eingerichtet.

Der Traum von einer eigenen Firma reifte

Als kleiner Junge habe er den Eltern noch in der Landwirtschaft helfen müssen, dann übernahm die Genossenschaft das Land und der Hof stand leer.

Beruflich folgten für Rümenapp Stationen in der Dienstleitungsbranche und als Stricker im Strumpfwarenbetrieb in Heiligenstadt, bis er das Angebot bekam als Betriebsmaurer auf die Burg Scharfenstein zu kommen. Das habe er gern gemacht, bis die Wende kam.

Wie so viele in diesen Jahren wechselte Helmut Rümenapp seinen Wohnort, er meldete sich in Göttingen an – Voraussetzung dafür, eine Arbeit in der damaligen Bundesrepublik aufnehmen zu dürfen. Auf Montage war der Eichsfelder tätig, hat in Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg auf Baustellen gearbeitet. Die Firmenchefs erkannten dabei schnell, dass er eine solide Ausbildung genossen hatte, wenige Wochen nach dem Antritt des ersten Jobs bekam er die Verantwortung für ein Team übertragen, so Rümenapp.

Dabei reifte die Idee, mit seinem Freund und Arbeitskollegen Raimund Nachtwey eine eigene Firma zu gründen. Gesagt, getan – im Jahr 1991 kehrte Helmut Rümenapp in seine alte Heimat zurück und gründete die Baufirma. Die kann in zwei Jahren ihr dreißigjähriges Bestehen feiern.

Die Thüringer bauen in ganz Deutschland

Was als Zwei-Mann-Betrieb begann, wuchs in den Jahren zur Firma mit zwischenzeitlich bis zu 30 Angestellten. Bereits im Jahr 2005 stieg sein Sohn, Markus Freund, in das Eichsfelder Familienunternehmen ein. Der hatte zunächst eine Ausbildung zum Maurer und Betonbauer absolviert, daran die Meisterschule angeschlossen und anschließend ein duales Studium zum Bauingenieur absolviert. Es sei immer der Plan gewesen, die Firma des Vaters eines Tages zu übernehmen und fortzuführen, sagt Freund. Auch in jenem Jahr, als er in Australien und Neuseeland unterwegs war, um dort unter anderem in die Baubranche hineinzuschnuppern.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern bauen die beiden Thüringer in ganz Deutschland – Gemeindehäuser, Außenanlagen, Spielplätze, Gehwege und kleinere Brücken. Sie sanieren Gebäude – vom Rathaus über Schulen bis zu Museen – sorgen sich um den Erhalt der historischen Fassaden. Öffentliche Aufträge von Bund, Land oder Kommunen sind ihre Spezialität.

Von den teilweise recht aufwendigen Ausschreibungen lasse man sich nicht abschrecken, verrät Helmut Rümenapp. Man kenne das Prozedere, habe „gute Leute“.

Rümenapp ist stolz darauf, dass er den Stamm seiner Mannschaft über viele Jahre halten konnte. Das sei ein eingespieltes Team. Umso wichtiger, als es auch der Baufirma aus dem Eichsfeld immer schwerer fällt geeigneten Nachwuchs zu finden. „Junge Leute zieht es nicht unbedingt zu uns hier in den ländlichen Raum“, weiß Helmut Rümenapp.

Verlorene Jahre für jungen Menschen

Daher ist die Freude im Familienunternehmen groß, dass es gelungen ist, einen jungen Mann aus Spanien ins Eichsfeld zu holen. Der gebürtige Rumäne habe sich nach etlichen Jahren im sonnenreichen Spanien zum Umzug nach Thüringen entschlossen. Der Mitarbeiter spreche bis zu vier Sprachen.

Eigentlich habe er das Unternehmen mit 60 Jahren an den Sohn übergeben wollen, verrät Helmut Rümenapp. Mittlerweile ist er 62 und fühlt sich noch immer fit und in der Firma gebraucht. So lange die Arbeit Spaß mache, werde er weitermachen, kündigt er an.

Sorgen bereitet ihm allerdings der verbreitete Irrglaube bei Großeltern und Eltern in Thüringen, dass die Kinder unbedingt Abitur machen und studieren müssten. Viele bemerkten erst beim Studium, dass es nicht passt und kämen dann in eine Ausbildung. „Das sind verlorene Jahre für die jungen Menschen, aber auch für uns als Betrieb.“

Hoffnung macht ihm der aufkommende Lohnanstieg im Thüringer Handwerk und der Wirtschaft hierzulande insgesamt. „Das bringt uns vielleicht nicht die dringend gesuchten Jugendlichen für eine Ausbildung, aber so manchen Quereinsteiger, der erkennt, dass man im Handwerk durchaus auch gutes Geld verdienen kann“, sagt Helmut Rümenapp.

Helfende Hände kann die Firma aus dem Eichsfeld immer gebrauchen, denn an Aufträgen mangelt es nicht. Angesichts des Wohnungsmangels in vielen Regionen und des Zustandes vieler öffentlicher Gebäude gebe es auch in den kommenden Jahren genug zu tun, ist der Firmenchef überzeugt.

Zur Sache – Das sagen die Parteien

CDU: Für die Wirtschaft insgesamt fordert die CDU Thüringen einen umfassenden Bürokratieabbau. Man wolle einen schlanken Staat und mehr soziale Marktwirtschaft wagen, heißt es. Die Partei will Unternehmensgründungen fördern, etwa mit Gründerstipendien. Einen Meisterbonus von 2000 Euro sieht man für erfolgreiche Absolventen der Meisterprüfung vor. Eine Meistergründungsprämie solle Meister zur Firmengründung bewegen.

Linke: Man will die Errichtung einer öffentlich-rechtlichen Arbeitskammer prüfen, die die Interessen von Arbeitnehmern in Wirtschaft und Politik vertreten könnte. Fördermittel sollten nur an Firmen gehen, die nach Tarif zahlten. Arbeitslose sollten passgenaue, freiwillige Weiterbildungsangebote erhalten. Zudem will die Partei ein Modellprojekt ausschreiben, das in einem Ort das bedingungslose Grundeinkommen testet.

SPD: Man will Thüringen zum wichtigen Standort für die Entwicklung und Produktion von Batterien für Elektromobilität machen. Bis 2022 sollten alle Gewerbegebiete ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Im Handwerk soll das Aufstiegs-Bafög zu einer kostenfreien Meisterausbildung weiterentwickelt werden. Mit einer Qualifizierungsoffensive soll die Abbruchquote in der Berufsausbildung gesenkt werden.

AfD:Der Partei geht es nach eigenen Worten um eine „Willkommenskultur für Unternehmer und Gründer“. Per Staatsfonds solle Risikokapital für Firmengründungen bereitgestellt werden, die Mittel sollten auch zur Modernisierung von Firmen dienen. Man will eine kostenlose Ausbildung zum Meister, wenn dieser im Anschluss in Thüringen arbeite.

Grüne: Klimaschutz und Nachhaltigkeit seien die Hauptkriterien bei der Vergabe von Fördermitteln. Öffentliche Aufträge sollten an tariftreue Unternehmen gehen, die verbindliche Umwelt- und Sozialstandards hätten. Unternehmen sollten verpflichtet werden, Produkte langlebig zu konstruieren. Die Grünen plädieren dafür, dass kleine und mittlere Unternehmen sowie die Start-Up-Szene besonders gefördert werden.

FDP: Man will das Vergabegesetz reformieren, so dass kleine und mittlere Firmen unkompliziert an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen könnten. Zudem plant die FDP eine „zentrale Gründerstelle“: Sie soll Kreisen, Städten und Kommunen helfen, attraktiver für Unternehmen zu werden. Existenzgründer sollten von zahlreichen steuer- und arbeitsrechtlichen Regelungen befreit werden.

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