Mehr als 1000 Besucher beim Jonastalverein

Arnstadt.  Im Dokumentationszentrum im Arnstädter Lokschuppen wird das Archiv digitalisiert und ein Interessent für den Bundesfreiwilligendienst gesucht

Das Modell eines Horten-Nurflüglers gehört zu den neuen Objekten im Dokumentationszentrum des Jonastalvereins im Lokschuppen. Georg Ribienski führt hier häufig Besuchergruppen.

Das Modell eines Horten-Nurflüglers gehört zu den neuen Objekten im Dokumentationszentrum des Jonastalvereins im Lokschuppen. Georg Ribienski führt hier häufig Besuchergruppen.

Foto: Hans-Peter Stadermann

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Wie immer um diese Jahreszeit ist es kalt im Dokumentationszentrum des Jonastalvereins im historischen Arnstädter Lokschuppen. Das liegt nicht nur an der Winterpause bis 6. Januar, auf die ein Zettel an der Tür verweist. Eine richtige Heizung gibt es nicht im Gebäude – eines von vielen Problemen für die Geschichts- und Technologie-Gesellschaft Großraum Jonastal, wie der Verein mit vollem Namen heißt.

Die Bilanz für 2019 kann sich trotzdem sehen lassen. Dieser Tage fand in Bittstädt die Mitgliederversammlung statt. „Es war das erfolgreichste Jahr auch hinsichtlich der Besucherzahlen“, erklärt Georg Ribienski, Vorstandsmitglied und Leiter des Doku-Zentrums. Der etwa 35 Mitglieder zählende Verein widmet sich den Vorgängen rund um das während des Zweiten Weltkrieges im Raum Ohrdruf/Arnstadt/Jonastal betriebene Sonderbauvorhaben SIII. Dabei wird zum Schicksal der unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzten Häftlinge ebenso geforscht wie zur Zeit-, Technologie- und Militärgeschichte.

Bundeswehr-Rekruten auf dem Geschichtslehrpfad

Bis Ende November kamen nach Angaben des Vereins 1066 Besucher und damit deutlich mehr als in den Vorjahren. Etwa 800 von ihnen nahmen an einer mehrstündigen Führung teil, die den Geschichts- und Naturlehrpfad im Jonastal einschließt. Mehrfach kam die Bundeswehr mit größeren Rekruten-Gruppen, um sich mit Geschichte vor Ort zu beschäftigen. Der amerikanische Weltkriegsveteran Erwin Davis und die Französin Francoise Basty, deren Vater in der Résistance kämpfte, gehörten zu den ausländischen Gästen. Das Interesse von Schulen oder auch Jugendclubs aus der Region ist nach wie vor gering, was die Vereinsmitglieder sehr bedauern.

Sie haben in diesem Jahr drei geplante und mehrere spontane Arbeitseinsätze organisiert. Zum 74. Jahrestag der Befreiung fand eine würdige Gedenkveranstaltung statt und das Jubiläum 2020 wird bereits vorbereitet. Zum Stadtfest gab der Verein die 19. Ausgabe seiner Zeitschrift „Geheimnis Jonastal“ heraus, die sich unter anderem mit der Geschichte des Denkmals im Jonastal beschäftigt. Es erhielt eine neue Tafel, weil die alte beschädigt worden war.

Die beiden Vereinsmitglieder die Rolf Harald Rutke und Daniel Pfohl haben in jahrelanger Arbeit alle noch sichtbaren Relikte der Baustelle SIII erfasst und das Ergebnis in einem zweibändigen Buch zusammengestellt, das im August vorgestellt wurde und auf großes Interesse stieß. Teil 3 soll 2020 erscheinen.

Zahlreiche Interessierte am Denkmaltag

Der Jonastalverein beteiligte sich mit einem Stand am „Tag der Vereine“ des Kreises und lud zum Tag des offenen Denkmals ein. Etwa 70 Interessierte nutzten die Gelegenheit bei freiem Eintritt, obwohl man jeden Euro dringend braucht für den Unterhalt des Doku-Zentrums und die Vereinsarbeit, wie Ribienski betont.

Hauptaufgabe sei derzeit die Digitalisierung des analogen Archivs. Durch eine Förderung des Jobcenters kann der Verein zwei Männer beschäftigen. Die Unterlagen werden gescannt und sollen ab Januar in ein Archivprogramm eingepflegt werden. Dazu müsse man die Dateien mit Suchbegriffen verknüpfen, eine sehr aufwendige Arbeit. Unterstützung erhofft sich der Verein auch über den Bundesfreiwilligendienst, für den ein Interessent gesucht wird. Er oder sie sollte sich auf jeden Fall für Geschichte interessieren.

Kontakt Jonastalverein: Tel. (03628) 58 90 83

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