22-jähriger Kurpark-Serientäter von Heiligenstadt bis Ende 2023 in Haft

Heiligenstadt.  Der Haupttäter mehrerer Übergriffe im Heiligenstädter Kurpark ist vom Amtsgericht Mühlhausen verurteilt worden. Der Richter hofft, dass dies ein Schlussstrich ist.

Vor dem Gericht in Mühlhausen wurde der Serientäter, der im Heiligenstädter Kurpark mehrere Personen angegriffen und beraubt hat, verurteilt.

Vor dem Gericht in Mühlhausen wurde der Serientäter, der im Heiligenstädter Kurpark mehrere Personen angegriffen und beraubt hat, verurteilt.

Foto: Claudia Götze

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„Willst du ein paar in die Fresse?“, hieß es im vergangenen Sommer an der Tankstelle in der Flinsberger Straße in Heiligenstadt. Adressat des damals 21-jährigen Angreifers waren zwei 16- und 17-Jährige. Um 2 Uhr in der Früh sollten sie ihre Taschen leeren. Aus Angst übergaben die beiden ihre Geldbörsen. Daraus nahm sich der Angreifer und spätere Angeklagte fünf und zehn Euro. Dann nahm er sich aus dem Rucksack des 17-Jährigen noch zwei Schachteln Zigaretten im Wert von 16 Euro. Doch damit war nicht Schluss. „Gib mir die jetzt, sonst passiert was“, forderte er vom 17-Jährigen die Herausgabe der Kopfhörer, die er um den Hals hängen hatte. Unter dem Eindruck fortwährender Gewaltandrohung übergab das Opfer die Kopfhörer im Wert von 30 Euro.

Schließlich forderte der Angeklagte die Pins der EC-Karten, wozu beide nicht bereit waren. Mit den Worten „Verpisst euch oder es gibt Schläge“, jagte er sie davon. Zirka 15 Stunden später machte der jetzt 22-Jährige im Kurpark weiter. Dort saß ein 15-Jähriger gemeinsam mit drei Freunden auf einer Bank. Diesem schlug er mehrfach mit der rechten Faust in das Gesicht. Anschließend nahm er sich den Turnbeutel eines 18-Jährigen mit zahlreichen Wertgegenstände, darunter Kopfhörer, eine Musikbox, eine Kappe, Zigaretten, an sich. Als der Geschädigte seine Zigaretten wieder haben wollte, schubste der Täter ihn auf die Bank zurück. Als er jedoch wieder aufstand, wurde er vom nun Angeklagten und drei Mittätern geschlagen.

Mehrere Tritte und Schläge gegen Kopf und ins Gesicht

Als das Opfer bereits am Boden lag, traten die vier Angreifer gegen Kopf und Oberkörper des 18-Jährigen. Als der 15-jährige Bruder des Opfers helfend eingriff, versetzen sie auch ihm mehrere Tritte und Schläge gegen den Kopf und ins Gesicht. Erst als ein Passant die Täter aufforderte, damit aufzuhören, ließen die Täter von den Jugendliche ab und verschwanden mit Turnbeutel und Kappe. Der 18-Jährige war schwer verletzt worden. Unter anderem erlitt er ein Halswirbelsäulentrauma und eine beidseitige Brustkorbkompression und hatte Schmerzen im Kiefergelenk. Sein Bruder erlitt eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Schürfwunden. Außerdem brach ein Stück Zahn ab. Er musste drei Tage im Krankenhaus bleiben.

Diese Serie von Straftaten hat Heiligenstadt erschüttert. Gut zwei Wochen später ist der Haupttäter festgenommen worden, nachdem Bürgermeister Thomas Spielmann (BI) Alarm geschlagen hatte. Tatsächlich war der 22-Jährige bereits seit 2012 auffällig, bekam aber immer nur wirkungslose Strafen. Erst im März 2018 wurde er erstmals zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt, die nach den Kurpark-Vorfällen widerrufen wurde. Die verbüßt der 14-fach Vorbestrafte derzeit. Er habe erst Drogen genommen und zuletzt zwei Flaschen Schnaps pro Tag getrunken. Es sei ihm um Anerkennung gegangen, denn er sei als „Kanake“ beschimpft worden. Ende Juli 2019 wurde er zu einem Jahr und zehn Monaten Haft wegen zehn Taten verurteilt.

Mildes Urteil wegen Geständnis

Da saß er bereits in Untersuchungshaft. Am vergangenen Freitag wurde er wegen der Übergriffe im Kurpark zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der 22-Jährige hatte vier der fünf vorgeworfenen Taten gestanden. Ein weiterer Fall ist eingestellt worden. Im Urteil des Mühlhäuser Amtsgerichts stehen mehrfache Körperverletzung, räuberischer Diebstahl und zwei Erpressungen. In das Urteil musste die Strafe aus dem Vorjahr von einem Jahr und zehn Monaten Haft einbezogen werden. Das milde Urteil habe er seinem Geständnis zu verdanken, sagte Richter Rüdiger Richel in der Begründung. Dadurch habe er eine aufwendige Beweisaufnahme und eine Abgabe des Verfahrens ans Landgericht verhindert.

„Hoffentlich ist das ein Schlussstrich“, sagte Richel. Der Angeklagte sei nicht mehr so aggressiv wie beim ersten Hafttermin. „Der Kurpark ist eigentlich ein Ort der Erholung - Sie haben das ins Gegenteil verkehrt“, so Richel. Es wurden für die Prozessfortsetzung am Mittwoch 20 Zeugen, überwiegend die Opfer, geladen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind die Ermittlungen gegen zwei Mittäter kurz vor dem Abschluss. Das Urteil vom Freitag ist bereits rechtskräftig.

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