25 Jahre Landkreis Eichsfeld

Ein Vierteljahrhundert alt ist der Landkreis Eichsfeld. In der Zeit hat sich viel getan, es gab große Ereignisse mit bleibenden Eindrücken, wie den Besuch von Papst Benedikt. Die Region bekam die A 38, war mit Leinefelde dezentraler Standort der Expo 2000 und kämpfte um die Selbstständigkeit. Silvana Tismer und Sigrid Aschoff begaben sich auf Spurensuche, fanden Interessantes, Amüsantes und fragten die Nachbarn.

Seinen größten Tag der jüngeren Geschichte erlebte das Eichsfeld am 23. September des Jahres 2011. Mit 90.000 Menschen aus aller Welt feierte der damalige Papst Benedikt XVI. auf dem Pilgerfeld am Gnadenort Etzelsbach eine Marienvesper. „Ich habe so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich es unbedingt einmal sehen wollte“, hatte der Pontifex verlauten lassen. Archiv-Foto: Eckhard Jüngel

Seinen größten Tag der jüngeren Geschichte erlebte das Eichsfeld am 23. September des Jahres 2011. Mit 90.000 Menschen aus aller Welt feierte der damalige Papst Benedikt XVI. auf dem Pilgerfeld am Gnadenort Etzelsbach eine Marienvesper. „Ich habe so viel vom Eichsfeld gehört, dass ich es unbedingt einmal sehen wollte“, hatte der Pontifex verlauten lassen. Archiv-Foto: Eckhard Jüngel

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Andreas Piontek, Superintendent des Kirchenkreises Mühlhausen: „Denk ich ans Eichsfeld in der Nacht, dann bin ich nicht um den Schlaf gebracht. Denn wenn mein Dienst als Superintendent mal zu anstrengend und stressig wird, fahr ich besonders gern aufs Eichsfeld.

Da geht es mir gut – die herrliche Landschaft, die vielen wunderbaren Kirchen und Klöster und die bodenständigen Menschen. Das ist mehr als nur Feldgieker und Stracke. Und wenn dann noch mit Gänsehautgefühl das Eichsfeld-Lied angestimmt wird, merke ich: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

Post scriptum: Heinrich Heine wurde in Heiligenstadt zum Christen getauft und Johann Wolfgang von Goethe war nie auf dem Eichsfeld.“

Gerold Wucherpfennig, christdemokratischer Landtagsabgeordneter für das Eichsfeld in Erfurt: „Seit 1993 und somit seit über 25 Jahren bin ich berufsbedingt nun bereits in unserer Landeshauptstadt Erfurt tätig. In dieser Zeit habe ich als Ministerialbeamter, Staatssekretär und Minister sowie seit zehn Jahren als Landtagsabgeordneter alle Landesteile Thüringens kennenlernen können. Im Rahmen dieser Tätigkeiten bin ich sehr vielen Menschen begegnet. Hierbei habe ich festgestellt, dass nahezu jeder Thüringerin beziehungsweise jedem Thüringer der Begriff oder der Name unserer Heimat – das Eichsfeld – vertraut, zumindest jedoch bekannt ist.

Bundesweit verhält sich dieser Sachverhalt allerdings mit zunehmender Entfernung von unserer Region nördlich von Hannover und südlich des Mains deutlich anders. Gründe sind hierfür sicherlich das Fehlen einer Großstadt oder zumindest einer Hochschule in unserer sehr ländlich geprägten Eichsfelder Landschaft. Für diejenigen, die das Eichsfeld kennen oder zumindest vom Eichsfeld schon einmal etwas gesehen, gehört beziehungsweise gelesen haben, ist unsere Heimat zweifelsfrei etwas Besonderes oder Andersartiges.

Sehr häufig werden in diesem Kontext unsere Wurstspezialitäten Feldgieker und Stracke, der Katholizismus und der Konservatismus, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die schönen, gepflegten Städte und Dörfer, geografisch betrachtet unsere bewegte, reizvolle Landschaft mit hohem Grünland- und Laubwaldanteil sowie unsere augenscheinlich wahrnehmbare gute Infrastruktur genannt. Bezogen auf die Infrastruktur wurde mir beispielsweise wieder erst neulich gesagt: „Die landwirtschaftlichen Wege im Eichsfeld sind besser als die Straßen in Thüringen!“

Zusammenfassend werden nach meinen langjährigen Erfahrungen etwas zugespitzt folgende Auffassungen über die Eichsfelder vertreten:

  • 1. Die wissen, wie man es macht.
  • 2. Die sind sehr fleißig und ehrgeizig.
  • 3. Die sind alle katholisch.
  • 4. Die können alles besser.
  • 5. Die sind immer die Ersten, wenn es Fördermittel gibt und haben deshalb auch den Großteil abgeschöpft.
  • 6. Die liegen in ganz vielen Bereichen vorn.

Dass es sich dabei jedoch nicht nur um leichtfertige, oberfläch­liche Bewertungen handelt, kann nahezu monatlich wissenschaft­lichen Untersuchungen, statistischen Erhebungen und schließlich den Medien entnommen werden.

So zeichnet sich das Eichsfeld nachweislich unter anderem durch sehr geringe Arbeitslosigkeit, junge Bevölkerung, hohe Geburtenrate, höchste Rückkehrerquote, hohe Wohneigentumsquote, überproportionale Schulbildung und einen geringen Anteil von Hilfsempfängern aus, aber auch durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Knochenmark- und Stammzellenspendern.

Ich denke, auf dieses Ergebnis können wir mehr als stolz sein. Es ist das Produkt unserer Erziehung, unserer gelebten Werte sowie unseres Fleißes – und dies seit Generationen.“

Thomas Müller, Museumsleiter der Traditionsbrennerei Nordhausen:„Sie hassen und sie lieben sich. So ist das mit den Eichsfeldern und Nordhäusern. Die Schwarzkittel bekommen jeden Feldweg geteert, heißt es hier. Die Nordhäuser kriegen nichts zustande, heißt es dort. Nur, wer hinter die Oberfläche aus gesunder Konkurrenz und Frotzelei schaut, erkennt auch eine Zuneigung, die seit Jahrhunderten besteht.

Dann räumt der Nordhäuser gern ein, dass die Eichsfelder, wenn sie etwas anpacken, es schon richtig machen. Beispiel Burg Scharfenstein. Dass sie zuverlässig und treu sind. Wenn sie einen denn erstmal akzeptiert haben. Und mancher Nordhäuser Unternehmer singt noch heute ein Lied davon, wie geschmeidig der bürokratische Weg zu einer Ansiedlung im Eichsfeld geht.

Und dass Landrat, Pfarrer und Bürgermeister – natürlich – zur Einweihung kommen. Im Gegenzug steht in vielen Eichsfelder Haushalten Nordhäuser Korn im Schrank, fährt der Niederorscheler gern ins Theater und der Battersche in die Traditionsbrennerei, bietet Nordhausen von jeher Arbeitsplätze für viele Eichsfelder. Und die sind froh, mal ganz unkatholisch sein zu können.

Kurzum, liebe Eichsfelder, ohne euch wäre es doch nicht schön. An irgendjemandem muss man sich ja messen. Grüße aus der Freien Reichs-, Korn- und Rolandstadt. Und lasst den Höllberg offen!“

Wolfgang Nolte, Bürgermeister der Stadt Duderstadt im niedersächsischen Untereichsfeld: „Dankbar sehe ich immer wieder auf das Wunder der friedlichen Grenzöffnung und der Deutschen Einheit zurück. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass wir in der damaligen Zeit auch regional zu einem gemeinsamen Eichsfeld zusammengefunden hätten...!

So war es 1994 nur konsequent, die Landkreise Heiligenstadt und Worbis zusammenzulegen. Leider ohne die Eichsfeldgemeinden im Unstrut-Hainich-Kreis. Bei der Namensgebung für den neuen Landkreis war mein Vorschlag: Landkreis Obereichsfeld, um auch hier deutlich zu machen, dass das Eichsfeld auch das Untereichsfeld umfasst. So weit der besondere Blick.

Dem jetzigen Landkreis Eichsfeld will ich zu seinem 25. Geburtstag gern und aus vollem Herzen gratulieren: Zu einer insgesamt großartigen Entwicklung! Zu Quantensprüngen in der Regionalentwicklung und in der In­frastrukturausstattung. Auf vielen Handlungsfeldern ist tatsächlich eine blühende Landschaft entstanden. Allein die aktuelle Arbeitslosenzahl von 3,8 Prozent spricht positive Bände und ist ein aussagekräftiger Indikator.

Erreicht wurde diese Bilanz nur durch das kluge und kompetente Handeln der verantwortlichen Frauen und Männer in der Kommunalpolitik, in der Wirtschaft, im sozialen, kulturellen, kirch­lichen und sportlichen Bereich. Aber auch durch politische und persönliche Kontinuität und das besondere Miteinander mit dem Freistaat.

Für die Zukunft wünsche ich uns – auch im Namen vieler Untereichsfelder – ein weiterhin enges landsmannschaftliches und gutes nachbarschaftliches Mitein­ander. Dem Landkreis Eichsfeld wünsche ich dabei die weiterhin gesicherte Selbstständigkeit. Und vielleicht bringt uns die ferne Zukunft ja doch noch die gemeinsame, grenzenlose Heimatregion.“

Stefan G. Reuß, Landrat des benachbarten Werra-Meißner-Kreises in Hessen: „Liebe Eichsfelder, unsere Landkreis-Koexistenz kann im 25. Jahr ihres Bestehens auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit, auf zahlreiche gegenseitige Besuche und gelungene Projekte zurückblicken.

Das möchten wir zum Anlass nehmen, um all jenen zu danken, die sich seit der politischen Wende für das gute Miteinander engagieren, die Kontakte aufgebaut und gepflegt und für die Besucher immer wieder abwechslungsreiche Programme auf die Beine gestellt haben.

Wir freuen uns mit allen Bürgerinnen und Bürgern über das Jubiläum ihres Eichsfeldkreises und wünschen unseren Thüringer Nachbarn Wohlergehen und dass sich ihre Heimat weiterhin so gut entwickelt.

Ob Rot, ob Schwarz, ob Grün oder Gelb, uns ist als Nachbarn egal, wer in Wiesbaden oder Erfurt regiert. Wir sind eine Region: Unsere Heimat.“

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