Arabisch-deutsche Lesung in Heiligenstadt

Heiligenstadt.  Zweisprachige Lesung zweimal an einem Nachmittag im Café Vielfalt

Cornelia Prockl (links) und Reem Abbas stellten im Café Vielfalt der Caritas zweimal an einem Nachmittag ein arabisch-deutsches Kinderbuch vor. Sein Titel: „Sonne und Mond – Wie aus Feinden Freunde wurden“.

Cornelia Prockl (links) und Reem Abbas stellten im Café Vielfalt der Caritas zweimal an einem Nachmittag ein arabisch-deutsches Kinderbuch vor. Sein Titel: „Sonne und Mond – Wie aus Feinden Freunde wurden“.

Foto: Christine Bose

Aus dem Kinderbuch wurde von hinten nach vorn vorgelesen, denn der Anfang der Geschichte von Sonne und Mond steht auf der letzten Seite. Im Arabischen wird von rechts nach links geschrieben und gelesen, erfuhren jetzt die Besucher in der Caritas-Begegnungsstätte Café Vielfalt, Schlachthofstraße 8a. Schon vor einigen Monaten hatte sich Cornelia Prockl, Migrationsberaterin für erwachsene Zuwanderer – ihr Büro befindet sich in Heiligenstadt – Gedanken über die Beteiligung an der Interkulturellen Woche 2020 gemacht und sich für eine zweisprachige Buchlesung entschieden. Im Jahr 2018 hatte sie zu einem kurdischen Nachmittag eingeladen; 2019 hieß es: „Musik und Tanz rund um den Globus“.

Bekanntlich müssen derzeit auch im Landkreis Eichsfeld viele Veranstaltungen leider abgesagt werden, doch boten Cornelia Prockl und die anderen an der Vorbereitung Beteiligten eine Lösung an: Die Lesung musste nicht ausfallen, fand an einem Nachmittag zweimal statt. So konnten alle erforderlichen Regeln, die Anzahl der Personen und die Mindestabstände betreffend, eingehalten werden.

„Sonne und Mond – Wie aus Feinden Freunde wurden“ heißt das zweisprachige Bilderbuch von Samira Schafik (Text) und Ihab Shakir (Illustrationen) in der Übersetzung von Petra Düngens, das 2006 den ägyptischen Staatspreis für Kinderliteratur erhielt. Es berichtet vom Silbermond und von der goldenen Sonne, ihrem gegensätzlichen Aussehen und ihrem jeweiligen sehr unterschiedlichen Reich. Sie konnten sich, der Gegensätze wegen, noch nie ausstehen. Ihr Streit war so uralt, dass sie sogar die Ursache vergessen hatten. Schon viel zu oft waren im Königreich des Mondes im Kampf um den Thron des Himmels die Kriegstrommel gerührt, im Königreich der Sonne die Kriegstrompete geblasen worden. Die Soldaten waren erschöpft. Ein alter weiser Stern fand die Lösung, lud Sonne und Mond ein zu einem Treffen, forderte sie auf, sich gegenseitig von ihren Gedanken und Träumen zu erzählen, gab ihnen den Rat, Frieden zu schließen, Freunde zu werden und gemeinsam für das Wohl des Himmels zu sorgen.

Den arabischen Teil der Lesung hatte Reem Abbas aus Heiligenstadt übernommen, die seit einem Jahr und fünf Monaten mit ihrer Familie hier lebt. Aus dem syrischen Damaskus stammend, leistet sie im Café Vielfalt Bundesfreiwilligendienst. Den deutschen Text las Cornelia Prockl. Am Ende machte sie, die bei ihrer täglichen Arbeit von vielen Schicksalen geflüchteter Menschen hört, auf die aktuelle Situation von Flüchtlingen aufmerksam: „Man verlässt seine Heimat nicht einfach nur, um mal zu schauen, wie es sich so lebt in Deutschland oder Europa.“

Herzlichen Beifall gab es für die beiden Vorleserinnen, aber auch für die Organisation des Nachmittags, an der Gabriele Schindler als Mitarbeiterin des Cafés ebenfalls beteiligt war. Der Raum war ausgeschmückt worden, serviert wurden selbst gebackene Plätzchen in Form von Mond und Sternen. Dazu gab es von Reem Abbas gekochten arabischen Kaffee, mit Hinweisen zur Zubereitung. Er wird aufgekocht und mit dem den magenschonenden Gewürz Kardamom verfeinert.