Bewegendes Zeremoniell in Martinfeld

Martinfeld.  Rund 250 Martinfelder und Gäste finden sich zu einer bewegenden Trauerfeier und Einsegnung des neuen Denkmals ein.

Bürger legen Blumen nieder und entzünden Kerzen..

Bürger legen Blumen nieder und entzünden Kerzen..

Foto: Reiner Schmalzl

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Knapp 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es auch für die Angehörigen der 60 gefallenen und vermissten jungen Männer aus Martinfeld mit dem am Volkstrauertag eingeweihten Mahn- und Gedenkstein im Eingangsbereich des Friedhofs einen Ort der Trauer und des Gedenkens.

Etwa 250 Martinfelder sowie zahlreiche auswärtige Gäste hatten sich zu der bewegenden Trauerfeier und Einsegnung des Denkmals eingefunden. Wie vielen der Anwesenden standen auch Heinz Sonntag (76) die Tränen in den Augen, als er den Namen seines Vaters Adolf Sonntag auf dem schwarzen Granitstein entdeckt hatte. Der Vater sei 1943 im Alter von 42 Jahren eingezogen worden und ist kurz vor Kriegsende bei Gefechten auf dem Balkan gefallen. Er durfte den kleinen Heinz nie in den Armen halten.

Erinnerung an den Großvater

Aus Freiburg im Breisgau waren Uwe und Brigitte Skatulniak angereist, um ihrem Großvater Anton Skatulniak zu gedenken. Dieser hatte seine Kindheit und Jugend in Martinfeld verbracht und starb 1942 im KZ Mauthausen in Österreich. Laut den Überlieferungen sei er bei den Nazi-Behörden des „Feindsenderhörens“ beschuldigt worden, kam in Haft und wurde von seiner Familie nie wieder gesehen.

„Was wissen wir in unserem Sattsein von der Not, dem Leiden und den Entbehrungen der jungen Soldaten, ob in Stalingrad, in Tobruk oder auf dem Atlantik? Wie viele dieser jungen Kerle hatten vor dem Krieg überhaupt einmal das Eichsfeld verlassen?“, sagte Ortsteilbürgermeister Jens Schrader zu den Anwesenden. Er und die anderen Mitglieder des Heimatvereins „Märtefallder Schemnkramer“ hatten seit Mitte 2013 an der Verwirklichung dieses Gedenksteins gearbeitet.

Verein und viele Spender engagieren sich

Laut Vereinschef Markus Gries, der als Steinmetzmeister das Projekt umgesetzt hatte, habe der Verein alles in Eigenleistung und durch selbst erwirtschaftete Mittel erbracht. Dazu zählten verschiedene Benefizaktionen, der Verkauf der Dorfchronik, aber auch Spenden von Bürgern, Firmen und Einrichtungen. Damit konnten am Ende die etwa 13.000 Euro Materialkosten abgedeckt werden.

Der aus Martinfeld stammende Pfarrer Karl-Josef Wagenführ weihte das Denkmal und dankte allen Initiatoren, Förderern und Spendern für ihr gesegnetes Tun. Die Namen, die man auf den Tafeln lesen könne, seien eingegraben in den Familien. Und viele Geschwister hätten die Namen der Gefallenen und Vermissten ihren Kindern gegeben und so verdeutlicht, dass sie nicht tot seien.

Kerzen und Blumen für die Verstorbenen

Unter den Gästen des Einweihungszeremoniells, das von einer Musikgruppe der „Nerother Wandervogel“ umrahmt wurde, befand sich auch Arne Schrader als Leiter des Gräberdienstes beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus Kassel. Nachdem Schimbergs Bürgermeister Ronald Leonhardt und Steffen Rindermann vom Heimatverein einen Kranz niedergelegt hatten, zündeten viele Anwesende Kerzen an und legten Blumenschmuck ab.

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