Buchlesung in Heiligenstadt über Nachkriegsabenteuer in Dresden

Heiligenstadt.  Ruhenstandspfarrer Christian Gaumnitz aus Heiligenstadt liest im Quartier 44 aus seinem Buch „Onkel Oswin und seine Familie“.

Ruhestandspfarrer Christian Gaumnitz las aus seinem Buch „Onkel Oswin und seine Familie“ im Quartier 44 auf den Liethen und nahm die Zuhörer mit in eine Zeit, in der der Mangel alles beherrschte.

Ruhestandspfarrer Christian Gaumnitz las aus seinem Buch „Onkel Oswin und seine Familie“ im Quartier 44 auf den Liethen und nahm die Zuhörer mit in eine Zeit, in der der Mangel alles beherrschte.

Foto: Christine Bose

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Alles musste sehr schnell gehen in jener Februarnacht vor 75 Jahren in Dresden. Vom 13. zum 14. Februar 1945 fielen die Bomben. Die Menschen versuchten, sich aus ihren Häusern ins Freie zu retten, rannten um ihr Leben. Nach zwei Stunden war von dem Wohnblock, der bisher das Zuhause des Achtjährigen war, nichts mehr übrig. Das Gebäude war abgebrannt. Das Kind sah verletzte Menschen, mit Knochenbrüchen und Brandwunden, hörte, es gebe kein Pflaster, keine Binden und keine Medikamente mehr, um wenigstens notdürftig zu helfen.

Aber: Die Familie lebte, war, ohne körperlichen Schaden zu nehmen, davongekommen. Und schließlich hatten sie nach einem Zwischenaufenthalt bei den Großeltern in einer winzigen Wohnung ihren pfiffigen Onkel Oswin, der sie bei sich aufnahm. So entstanden Nachkriegsgeschichten, die nicht die ganze Tragik des Zeitgeschehens in den Vordergrund stellen, sondern mit einer gehörigen Portion Komik und Humor erzählen, wie es den Menschen damals gelang, zu überleben.

„Onkel Oswin und seine Familie“ ist der Titel des Büchleins, das der in Heiligenstadt wohnende evangelische Pfarrer im Ruhestand Christian Gaumnitz vor einiger Zeit geschrieben hat. Es kann beim Autor erworben werden. Darin schildert er wahre Ereignisse, so wie sie sich in seiner Kindheit, in seiner Familie zugetragen haben, denn er war dieser acht Jahre alte Junge.

Nicht mit Bitterkeit, Zorn oder Trauer schreibt er. Im Vordergrund steht sein Onkel Oswin, jener schlitzohrige Lebenskünstler, der stets darauf bedacht war, sich und seine Lieben irgendwie durchzubringen. Das entlockte bei der Lesung am Mittwoch den Besuchern sogar mitunter ein Lachen. Pfarrer Gaumnitz las auf Einladung im Quartierstreff 44 im Liethen-Wohngebiet, begrüßt von Anett Durstewitz und Claudia Eckart.

Nach der Lesung waren viele Besucher noch geblieben und gab es Gespräche über die Nachkriegsjahre, in denen Lebensmittel, Bekleidung und Schuhe nur gegen Marken erworben werden konnten, in denen es einer Sensation gleichkam, wenn jemand ein Auto sein Eigen nannte, in denen Städter auf einem Dorffest erhofften, einen ganz besonderen Tombola-Gewinn zu erhalten, um ihn sofort an Ort und Stelle zu verzehren: ein Stück Kuchen.

Würste von einer Hausschlachtung auf dem Land und Schnaps galten als begehrte Tauschobjekte, standen bei den Empfängern häufig höher im Kurs als Bargeld. Da konnte es schon mal passieren, dass „Geschäfts- oder Handelspartnern“ für eine Gefälligkeit eine Wurst in Aussicht gestellt wurde, als das Schwein noch putzmunter quiekend beim Bauern im Stall stand.

Damit Angehörige nachfolgender Generationen eine kleine Vorstellung von den Alltagsproblemen der Menschen erhalten, hat Christian Gaumnitz eine Original-Mitteilung in sein Buch aufgenommen: „Jeder Haushalt erhält 1 Scheuertuch oder andere Mangelware bei Abgabe von 2,5 kg Altpapier. Annahmestelle: Alban Preiß, Thalheim i. Erzgeb., Annahmezeit: Sonnabend 14 bis 17 Uhr.“ Mit den Worten „Danke für’s Mitnehmen in die Zeit von Onkel Oswin“ wandte sich Anett Durstewitz an Christian Gaumnitz und sprach damit im Namen aller Anwesenden.

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