Caritas im Eichsfeld bietet Hilfe für psychisch Kranke und Angehörige

Leinefelde/Heiligenstadt.  Christina Lier, die den Beratungsdienst aufgebaut hat, wird in den Ruhestand verabschiedet. Daniela Henning ist die Nachfolgerin.

Bereits seit zwei Jahren haben sie Hand in Hand gearbeitet. Christina Lier (links) wurde in den Ruhestand verabschiedet. Daniela Henning hat ihre Nachfolge angetreten.

Bereits seit zwei Jahren haben sie Hand in Hand gearbeitet. Christina Lier (links) wurde in den Ruhestand verabschiedet. Daniela Henning hat ihre Nachfolge angetreten.

Foto: Doreen Krause

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Ich gehe zu Frau Lier.“ Für viele Betroffene sagte sich dieser Satz leichter als „Ich habe einen Termin in der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Caritas.“ Dieser für alle Ratsuchenden kostenfreie Dienst, der ohne das Vorlegen einer ärztlichen Überweisung angeboten wird, ist Anlaufpunktpunkt für psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen sowie für Menschen in Lebenskrisen.

Niederschwelliges Angebot

Die Fachleute sprechen von einem niedrigschwelligen, barrierefreien Angebot, einem Raum zum Reden und Zuhören. Im Jahr 1998 hatte Christina Lier begonnen, diese Anlaufstelle aufzubauen, mit Sprechzeiten in Leinefelde und Heiligenstadt, mit Einzelberatung und Gruppentreffen. Darüber hinaus arbeitete die Diplom-Psychologin jeweils einige Wochenstunden in der ebenfalls unter dem Dach der Caritasregion Eichsfeld/Nordthüringen in Leinefelde und Heiligenstadt tätigen Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Langjährige Klienten, so die fachliche Bezeichnung für die Hilfesuchenden, hörten zunächst mit Bangen, dass Christina Lier geht, hatte sie doch einfühlsam ein Vertrauensverhältnis zu ihnen und ihren Familien aufgebaut, besonders zu jenen, denen der Besuch einer Beratungsstelle zunächst als nicht zu überwindende Hürde erschien. Da erwies es sich als sehr hilfreich, dass die Nachfolgerin bereits keine Unbekannte mehr war, als Christina Lier Ende Januar in den Ruhestand verabschiedet wurde. Seitdem leitet Daniela Henning die Beratungsstelle. Die Diplom-Sozialpädagogin (FH) hatte hier vor zwei Jahren als Mitarbeiterin angefangen.

Jeder Dritte ist einmal im Leben betroffen

„Ich bin Christina Lier unendlich dankbar für unsere gute Zusammenarbeit, für das vertrauensvolle Miteinander. Unsere Klienten haben immer gespürt, dass sie bei uns professionelle Hilfe erhalten“, betont die neue Leiterin und verweist auf aktuelle Untersuchungsergebnisse in Deutschland. Laut einer Studie des Robert-Koch-Institutes erkrankt jeder Dritte einmal im Leben an einer psychischen Störung. Die Anzahl der Krankentage, das heißt der Fehltage am Arbeitsplatz, wegen psychischer Erkrankungen steigt. Doch erhält bisher nur etwa die Hälfte der Erkrankten Hilfe. „Die Scheu, sich helfen zu lassen, ist noch immer groß“, weiß Daniela Henning und spricht von „Zivilisationskrankheiten“. Betroffene ziehen sich zurück in die soziale Isolation, verkriechen sich. Sie haben Angst davor, sich rechtfertigen zu müssen, warum sie krankgeschrieben sind. Familienmitglieder sind häufig überfordert. „Angehörigenarbeit ist sehr wichtig“, unterstreicht sie.

Zusammenarbeit mit vielen Einrichtungen

Die Caritas-Beratungsstelle arbeitet zusammen mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt des Landkreises Eichsfeld, mit der Heiligenstädter Tagesklinik des Ökumenischen Hainich-Klinikums Mühlhausen, mit der Raphaelgesellschaft, der Lebenshilfe, Arztpraxen und der Caritas-Behindertenberatung. Ein ganz großes Problem ist nach Aussage Daniela Hennings das lange Warten auf einen notwendigen Facharzttermin. Neben der Einzelberatung gibt es zwei Kontaktgruppen für chronisch Kranke, zwei Gesprächsgruppen und sogar für kreative Betätigung eine Malgruppe. Die jetzige Leiterin freut sich, wenn sie schon ab und zu hört: „Ich gehe zu Frau Henning.“

Kontakt: Telefon Leinefelde 03605/2592132, Telefon Heiligenstadt 03606/509714

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren