Die Opfer von Hass in der Gegenwart

Heiligenstadt.  In der Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages erinnert Heiligenstadts Bürgermeister an die Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und Hass.

In einer bewegenden Feierstunde erinnert Bürgermeister Thomas Spielmann (BI) an die  Opfer von Krieg und Gewalt und schlägt einen Bogen in die Gegenwart. 

In einer bewegenden Feierstunde erinnert Bürgermeister Thomas Spielmann (BI) an die Opfer von Krieg und Gewalt und schlägt einen Bogen in die Gegenwart. 

Foto: Sigrid Aschoff

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Fünf schlichte schwarze Holzkreuze, schwarze Schleifen an brennenden Kerzen, Blumen – der Saal im Alten Heiligenstädter Rathaus ist am Sonntag dem Anlass entsprechend geschmückt. Es ist Volkstrauertag. Der Landkreis und die Stadt Heiligenstadt laden zu einer Gedenkstunde ein. Erinnert wird an die Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und Hass, an Frauen, Männer und Kinder, die ihr Leben verloren haben, die verfolgt wurden und werden. Gekommen sind der Landrat, Vertreter des Landkreises und Stadtrates, der Kirche, der Bundeswehr, Vertreter von Vereinen und Verbänden, der Polizei und Feuerwehr, Abgeordnete. Denn die Millionen Opfer sollen nicht vergessen werden.

„Würde für jedes Opfer des Holocaust eine Schweigeminute eingelegt werden, es wäre für 11 Jahre Stille“, sagt Heiligenstadts Bürgermeister Thomas Spielmann.

Friede ist nicht selbstverständlich

Er erinnert aber auch noch an etwas anderes, daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg verfeindete Nationen aufeinanderzugehen, Frieden schließen, die Europäische Union gründen. Doch Frieden, sagt Spielmann, sei nicht selbstverständlich, für ihn müsse man sich einsetzen – jeder, jeden Tag, im Großen wie im Kleinen. Der Satz „Friede sei mit dir“ dürfe keine Floskel sein.

Der Bürgermeister hat den Bogen in die Gegenwart geschlagen. „Unser Friede ist längst brüchig geworden“, lautet sein Fazit. Entgegen anderer Rufe lauere die Gefahr nicht in Afrika oder dem Nahen Osten, sie, sagt Spielmann klar, sei mitten unter uns, begegne uns fast täglich. Die Worte machen nachdenklich. Und Thomas Spielmann nennt Beispiele. Aufs Niederträchtigste beschimpft wird in sozialen Netzwerken die Grünen-Politikerin Renate Künast. Sie, erklärte er, sei nur eine von vielen Politikern, die täglich diese verbale Gewalt ertragen müssten. Doch das Berliner Landgericht habe ihre Klage zurückgewiesen. Die Richter, sagt Spielmann, haben damit bestätigt, dass Gewalt in der Sprache normal, sie hinzunehmen sei. Aber ist es das? Und er fragt, wie es um die Würde des Menschen, unsere Werte und Respekt bestellt ist.

Erinnerung an die Opfer von Halle

Der Heiligenstädter verweist zudem auf den parteilosen Danziger Oberbürgermeister Pawel Adamowicz, der im Januar während einer Kundgebung ermordet wurde und der sich unter anderem für Flüchtlinge, aber auch für Schwule und Lesben einsetzte. Spielmann erinnert auch an den getöteten hessischen Regierungspräsident Walter Lübke und die beiden Opfer von Halle im Oktober.

„Die Beispiele sind real, sie sind aktuell aus diesem Jahr, und sie zeigen, dass unsere Gesellschaft längst nicht mehr offen und tolerant ist. Ganz im Gegenteil bekommen bereits die wieder Zulauf, die ausgrenzen wollen. Die, die Menschen einteilen in Gut und in Schlecht, in Lebenswert und in nicht Lebenswert“, sagt er und stellt fest: „Die Parallelen zur Zeit vor der Machtergreifung Hitlers sind da, und sie sind schockierend.“

Spielmann macht deutlich, dass Hemmschwellen sinken, Tabus gebrochen werden. „Aus Worten wird verbale Gewalt und aus dieser werden Taten. Quer durch alle Bevölkerungsschichten.“

Und der Bürgermeister tut noch etwas in der Gedenkstunde: Er ruft die Eichsfelder auf, die Augen nicht zu verschließen, damit Hass und Gewalt in der Gesellschaft nicht weiter Fuß fassen können.

Nach der bewegenden Stunde werden Kränze am Kriegerdenkmal im Heinrich-Heine-Park und auf dem Soldatenfriedhof in der Dingelstädter Straße niedergelegt.

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