Dorfkirche ohne Namen

Buhla  Das evangelische Gotteshaus in Buhla hat einen Altar mit den Wappen zweier Adelshäuser. Der Name ging zu Reformationszeiten verloren

Die Dorfkirche ohne Namen konnte am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.

Die Dorfkirche ohne Namen konnte am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.

Foto: G. Mühlhaus

Zum Tag des offenen Denkmals standen auch die Türen der kleinen Dorfkirche in Buhla offen. Wie die Gemeindekirchenratsvorsitzende Michéle Weska sagte, hat die Kirche keinen Namen. Allein das sei schon außergewöhnlich. Der Name sei im Zuge der Reformation verloren gegangen. Es seien auch im Laufe der Jahrhunderte Anstrengungen unternommen worden, den Namen herauszubekommen – vergeblich. Der Letzte, der sich auf die Suche nach dem Namensgeber gemacht habe, sei Pfarrer Sehling gewesen, der seit den 1970er- bis in die 1990er-Jahre in Buhla wirkte. Auch seine Bemühungen seien erfolglos gewesen.

Zur Geschichte der Kirche gebe es eine Menge zu sagen, so Weska. So könne der Kirchturm als vermutlich ältestes Bauwerksteil in seiner Grundanlage wegen seiner Bauformen in das 13. bis 14. Jahrhundert datiert werden. Mit seinen Außenmaßen von 6,30 mal 6,50 Metern und einer Höhe von 25 Metern ist das Gotteshaus das höchste Gebäude in der 250 Einwohner zählenden Gemeinde. Die erste schriftliche Nachricht eines Kirchbaus in Buhla ist für das Jahr 1506 datiert. Er kann aber auch früher erfolgt sein. Das Erdgeschoss der evangelischen Kirche ist von einem massiven Kreuzgratgewölbe überdeckt. Alle anderen Decken sind Holzbalkendecken. Im ersten Obergeschoss ist die Bälgekammer untergebracht. Dort steht das Orgelgebläse der Knauf-Orgel. Wie die Gemeindekirchenratsvorsitzende sagte, funktioniere die Orgel zwar, sei aber melodisch in keinem guten Zustand. Der barocke Kanzelaltar von 1740 sei auch etwas Besonderes. Er ist in einem weißen Grundton gehalten und mit Vergoldungen, bunten Blättern und Fruchtgebinden dekoriert. Am Giebel des Altars sind die Wappen des Friedrich von Berlepsch und seiner Gemahlin Friederike Sophie, geborene Heßler auf Vitzenburg angebracht. „Die Familie von Berlepsch waren Rittergutsbesitzer in Buhla und Patronatsherren der Kirche“, so Weska. Auf dem Altar steht ein Sockel mit einer Kugel, auf der sich der triumphierende Christus mit der Kreuzfahne erhebt, flankiert von zwei Engeln.

„Auffällig sind die beiden Wappen am Altar. Das eine ist das derer von Berlepsch, gekennzeichnet durch mehrere Sittiche. Das andere Wappen ist das derer von Heßler“, erklärte Weska. Zwei Glocken befinden sich heute im Turm. Im Ersten oder Zweiten Weltkrieg war eine Glocke für Kriegszwecke eingeschmolzen worden. Im Jahr 2016 wurde das Dach saniert und mit vier Erkern ausgestattet. Manche Dachstuhlbalken waren völlig morsch gewesen. Weska hat einen Teil eines maroden Balkens aufbewahrt. Durch den Einbau der Erker konnte das Dach optisch wieder so hergestellt werden, wie es vor mehr als 100 Jahren war. Die Kirchenbänke stammen aus der Kirche in Bleicherode.

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