Ehrenamtliche betreiben besondere Bücherstube in Kirchgandern

Kirchgandern  Gespendete Bücher werden im neu gebauten Bürgermeisteramt aufgereiht. Hier können sie demnächst ohne Fristenzwang ausgeliehen werden. Der Raum soll auch zu einem Treff für alle Generationen werden.

In Kirchgandern entsteht eine ungewöhnliche Bücherstube. Die ersten Bücherspenden sind Dienstagabend eingetroffen. Maria Wandt (links) und Mechthild Weise (im Hintergrund) betreuen die Bücherstube. Hier bringt Evelin Riethmüller (rechts) eine Bücherspende.

In Kirchgandern entsteht eine ungewöhnliche Bücherstube. Die ersten Bücherspenden sind Dienstagabend eingetroffen. Maria Wandt (links) und Mechthild Weise (im Hintergrund) betreuen die Bücherstube. Hier bringt Evelin Riethmüller (rechts) eine Bücherspende.

Foto: Eckhard Jüngel

Noch wirkt der frisch gestrichene Raum im nagelneuen Bürgermeisteramt in Kirchgandern recht kahl. Zwei Regale sind aber schon aufgefüllt. Sie und viele weitere Regale, die noch auf ihren Aufbau warten, sollen in Kürze die neue Bücherstube von Kirchgandern bilden. Am späten Dienstagnachmittag geht ein quirliges Treiben los. Maria Wandt und Mechthild Weise nehmen den ankommenden Leuten die gut erhaltenen Bücher ab, die diese entbehren können. Grob werden sie schon einmal vorsortiert. Krimihaufen wachsen an; Kinderbücher hier, Kochbücher dort – Biografien, Bildbände, historische Romane und der eine oder andere Klassiker trudeln ein.

„Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“, zitiert Mechthild Weise den großen Cicero. Jedes Wort davon meint sie ernst. „Viele Menschen lesen ein Buch nur einmal, dann steht es meistens herum“, weiß Maria Wandt. Eigentlich sei das doch schade.

Die beiden Damen starteten einen Aufruf im Dorf und im Amtsblatt, dass Leute ihre gut erhaltenen Bücher, die sie nicht mehr brauchen, als Spende für die neue Bücherstube bereitstellen. „Sie können die Bücher so mit anderen Menschen teilen“, erklärt Mechthild Weise. So bekommen vielleicht andere Leseratten auch ein Buch in die Hand, das sie schon immer einmal lesen wollten. „Man muss doch die Bücher zu den Menschen bringen“, sagt sie.

Die Idee der Bücherstube entstand im Zuge des Neubaus des Alten Pfarrhauses in der Besenhäuser Straße 5 – und stieß dabei auf offene Ohren. „Das Haus sollte eigentlich saniert werden“, sagt Bürgermeister Frank Wandt (CDU). Aber es habe sich herausgestellt, dass das Gebäude so marode war, dass nur noch Abriss und Neubau blieb. Was im Laufe der vergangenen Monate entstand, lässt staunen. Es ist wieder ein schmuckes Fachwerkhaus entstanden, innen allerdings sehr modern. „Drei Wohnungen sind integriert“, erklärt der Ortschef. Und alle drei seien bereits an junge Leute vermietet. Das freut ihn besonders.

In das Haus soll nun auch das Bürgermeisteramt einziehen. Und weil Platz ist, kam die Idee der Bücherstube in den Sinn. Die soll aber, geht es nach Maria Wandt und Mechthild Weise, mehr sein als nur ein Raum mit Literatur, die man sich leihen kann. „Es soll ein Treffpunkt für das Dorf werden“, sagt Maria Wandt. Mechthild Weise kann sich auch eine kleine Malecke für Kinder vorstellen. Eine Kaffeemaschine soll aufgestellt werden, damit die „Großen“ ein gemütliches Schwätzchen bei einer Tasse Kaffee halten können – gern auch mit gegenseitigen Literaturtipps –, während die „Kleinen“ malen oder spielen. „Möbel sind schon bestellt“, sagt Frank Wandt. Für Bürgermeisteramt und Bücherstube. „Aber die Lieferfristen...“

Bücherspenden Freitagnachmittag möglich

Maria Wandt und Mechthild Weise wollen ihr kleines Projekt ehrenamtlich betreuen. Sie wollen auch kein Karteikartensystem mit Nummern, Stempeln und strengen Leihfristen aufbauen. „Das trifft nicht unseren Gedanken hinter dem Projekt“, erklärt Maria Wandt. Vielmehr soll es ein lockeres Miteinander sein. Wenn jemand ein Buch leiht und es erst nach acht Wochen wiederbringt, sei das kein Beinbruch. „Und wenn jemand ein Buch so sehr liebgewonnen hat, dass er es gar nicht mehr hergeben will, dann sterben wir auch nicht“, lächelt sie. Nur wenn ein Spender sagt, er gebe ein Buch nur für eine bestimmte Zeit in die Bücherstube, damit andere es lesen können, er es aber dann wiederhaben möchte, dann bekommt das entsprechende Buch einen kleinen Punkt aufgeklebt und wird aufgeschrieben, wer es gerade ausgeliehen hat. „Fertig“, zuckt Maria Wand mit den Schultern. „Das ist es.“

Evelin Riethmüller aus Kirchgandern findet die Idee gut. Sie ist gleich mit einem Handwagen gekommen, um Bücher zu bringen. Die haben ja schon ihr Gewicht. Auch Angelika Nolte bringt einen Korb voll und informiert die beiden Damen darüber, dass einige davon noch von einer Freundin seien. Ach ja, ein Buch wolle sie selbst erst noch lesen, dann bringe sie es auch noch, verspricht Angelika Nolte. Sogar aus Bornhagen kommen zwei Körbe Bücher. Volker Pölzing packt zum Beispiel Bildbände aus. Und eine junge Spenderin, die einige Bücher gebracht hat, hat sich gleich schon eines ausgesucht – zum Thema vegetarische indische Kochrezepte.

John Grisham, Ken Follett, Rebecca Gablé – es sind namhafte Schriftsteller, deren Werke langsam zu Haufen anwachsen. Gesellschaftsbilder von Jodi Picoult und Judith Lennox sind dabei. Krimis von Charlotte Link und Jeffrey Archer, Mysterienthriller von Dan Brown verlassen die Körbe. Sogar auf dem Hof des neuen Bürgermeisteramtes stehen noch zwei Spankörbe. Gut erhaltene Exemplare von Frank Schätzing und anderen sind darin ordentlich gestapelt. Eine Bismarck-Biografie hat auch schon einen Standplatz in einem Regal gefunden.

In den nächsten Tagen soll die Stube nun wohnlich eingerichtet werden. Der Wunschtermin zur Eröffnung war eigentlich der 17. August, gleich zusammen mit der offiziellen Eröffnung des neuen Bürgermeisteramts mitten im Ortskern nahe der Meierei. „Aber ob wir diesen Termin halten können, wissen wir noch nicht“, gibt sich Maria Wandt vorsichtig. Sie und Mechthild Weise wollen die Stube zu Beginn einmal die Woche am späten Nachmittag öffnen, wenn es gut anläuft, auch zwei oder drei Mal. „Je nach Bedarf.“ Und vielleicht findet sich noch jemand, dem es Spaß macht, sich ehrenamtlich einzubringen.

Nicht zuletzt werden auch noch ein paar Bücher gebraucht, damit der große Raum mit einer guten Auswahl gefüllt ist. Wer also noch wirklich gut erhaltene Bücher daheim hat, die er nicht mehr braucht, kann sie am morgigen Freitagnachmittag, 2. August, von 16 bis 18 Uhr nach Kirchgandern in das neue Bürgermeisteramt bringen. Und wenn es am Ende zu viele Bücher sind? „Das macht nichts“, lächelt Bürgermeister Frank Wandt. „Wir haben noch genug Platz im Nebenraum.“

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