Eichsfeld-Klinikum: Schnelltest für jeden Patienten

Heiligenstadt.  Uwe Schotte, Ärztlicher Direktor des Eichsfeld-Klinikums über die zweite Welle, Intensivbetten und wie das Haus vorbereitet ist

Uwe Schotte ist der Ärztliche Direktor im Eichsfeld-Klinikum.

Uwe Schotte ist der Ärztliche Direktor im Eichsfeld-Klinikum.

Foto: Eckhard Jüngel

Die befürchtete zweite Corona-Welle ist da. Im Eichsfeld sind die Fallzahlen nach oben geschnellt. Uwe Schotte, Ärztlicher Direktor des Eichsfeld-Klinikums beantwortet 13 aktuelle Fragen. Alle Entwicklungen im kostenlosen Corona-Live-Blog

Das Klinikum im Werra-Meißner-Kreis behandelt Corona-Patienten aus anderen Regionen. Gibt es solche Anfragen auch an das Eichsfeld-Klinikum? Wenn ja woher und wie viele? Wie steht man solchen Anfragen gegenüber?

Wir hatten noch keine Anfragen. Und es ist auch nicht geplant, Patienten aus anderen Regionen aufzunehmen, weil wir unsere Ressourcen für unsere Patienten brauchen und freihalten wollen.

Corona-Patienten werden ja im Eichsfeld-Klinikum nur in Heiligenstadt versorgt. Wie hoch sind die Kapazitäten auf der Intensivstation und wie viele Betten gibt es auf der oder den Isolierstationen?

Auf der Intensivstation stehen 14 Betten zur Verfügung. Wenn der Bedarf steigt, können wir auf 19 aufrüsten. Dann aber wären keine Operationen mehr in Heiligenstadt möglich, weil wir dafür den Aufwachraum bräuchten. Zu den Betten: Wir haben eine Isolierstation und zwei Quarantänestationen. Da diese Zimmer nur einzeln belegt werden, stehen 11 Isolier- und 25 Quarantänebetten zur Verfügung.

Wie ist die momentane personelle Situation auf den Corona-Stationen inklusive Intensivstation?

Voll besetzt und abgesichert. Obwohl wir gerade seit etwa 14 Tagen mit einem erhöhten Krankenstand beim Personal kämpfen. Da sind Herbstkrankheiten, Erkältungen. Das bedarf viel interner Organisation.

Andere Kliniken in Deutschland haben Personal aus dem Ruhestand geholt. Würde das, bei einem erhöhten Bedarf, auch für das Eichsfeld-Klinikum in Frage kommen?

Im Moment ist es nicht geplant. Im Frühjahr hatten wir vier Ruheständler gebeten, im Labor mit anzufassen. Aber jetzt, zu diesem Zeitpunkt, ist solch eine Maßnahme nicht notwendig.

Bei einigen Krankenhäusern sind Modulgebäude im Gespräch, um die Intensivkapazitäten zu erhöhen. Ist das für das Eichsfeld-Klinikum bei Anstieg der Fallzahlen ein Thema?

Ein Modul-Container steht bereits auf dem Innenhof von St. Vincenz, der für die Aufnahme von Coronapatienten genutzt wird und auch hilfreich ist, wenn es nötig wird, Personal gezielt sagen wir mal einzuschleusen, wenn beispielsweise auch Fiebermessungen unvermeidlich werden. Hier haben wir eine beheizte Möglichkeit. Für die Intensivkapazitäten aber ist eine Modullösung nicht machbar. Denn mehr als die 19 maximal möglichen Intensivbetten können wir ärztlich nicht absichern.

Wie alt sind die bei Ihnen behandelten Corona-Patienten? Wie hat sich diese zur ersten Welle verändert? Mussten auch schon Kinder und Jugendliche behandelt werden?

Zwischen 50 und 90, 95 Jahren. Das ist genau wie in der ersten Welle, es sind tendenziell ältere Menschen. Kinder und Jugendliche mussten wir noch nicht behandeln, nein.

Gibt es Ihrer Ansicht nach einen Unterschied zwischen der ersten und zweiten Welle?

Von den Fallzahlen her nicht. Was uns als Klinikum betrifft – schon. In der ersten Welle hatten wir kaum Schutzmaterialien, da hat man sich dreimal überlegt, eine Atemmaske zu verwenden. Das aber ist jetzt alles genügend da, alles läuft im Haus viel routinierter und strukturierter. In der ersten Welle hatten wir auch nur eine Quarantänestation, jetzt haben wir zwei plus die Isolierstation.

Wenn von einem schweren Verlauf der Krankheit gesprochen wird, was bedeutet es eigentlich?

Es bedeutet, dass dieser Patient sauerstoffbedürftig ist, Beatmung braucht. Das kann auf der Intensivstation sein, aber auch auf Normalstation. Im Moment sind es vier schwere Verläufe, davon sind drei auf Intensiv, einer auf der normalen Station.

Rechnen Sie in der nächsten Zeit vermehrt mit schweren Fällen, die behandelt werden müssen?

Das ist im Moment nicht absehbar, das hängt von der Entwicklung ab. Etwa zehn Prozent der Coronainfektionen nehmen einen schweren Verlauf. Im Moment befinden wir uns im Kreis auf einem Plateau, das zwar höher als im Frühjahr liegt, aber einigermaßen stabil bleibt.

Was halten Sie von den Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, im Notfall auch infiziertes Personal einzusetzen?

Ich finde, Herr Spahn sollte so etwas nicht sagen, um nicht noch mehr Verunsicherung zu schüren. Ich halte es aktuell einfach nicht für möglich.

Wie schauen Sie auf den Dezember, besorgt oder optimistisch?

Die Frage ist schwierig. Weder, noch. Das bessere Wort wäre „gespannt“. Ich bin gespannt, ob sich die Bevölkerung mit Vernunft an die Regeln hält. Die Mehrheit tut es. Wenn ja, dann bin ich optimistisch, dass die Fallzahlen wieder sinken. Gespannt bin ich auch, ob wir es gesellschaftlich aushalten. Da bin ich sogar optimistisch, dass es gelingt.

Hat sich die Trennung von Reifenstein und Corona in Heiligenstadt bewährt? Laufen noch normale Operationen?

Die Trennung hat sich sehr bewährt. Denn so kann Reifenstein nahezu uneingeschränkt arbeiten. Und ja, in beiden Häusern finden normale, geplante und akute Operationen weiter statt. Da gibt es keine Einschränkungen.

Noch eine letzte Frage, jetzt zu den geltenden Besuchseinschränkungen: Wie reagieren Patienten und Besucher, verständnisvoll oder verärgert?

Mit Verständnis. Klar, es gibt auch mal eine Diskussion, aber im Großen und Ganzen gibt es keine Probleme, keine Verärgerung. Auch die Patienten reagieren mit viel Verständnis für die ungewöhnliche Situation. Seit dieser Woche bekommt auch jeder Patient, egal mit was er kommt, einen Corona-Schnelltest. Auch hier gibt es keine Probleme.