Eichsfelder Sparkassenempfang: Zwischen Hochs und Tiefs

Leinefelde.  Beim Neujahrsempfang der Kreissparkasse ging es um das Wetter und die Finanzen. Zu gast war Fernsehmeteorologe Sven Plöger.

Beim Neujahrsempfang der Kreissparkasse Eichsfeld analysierte der Vorstandsvorsitzende Hubert Riese unter anderem die derzeitige Finanzsituation.

Beim Neujahrsempfang der Kreissparkasse Eichsfeld analysierte der Vorstandsvorsitzende Hubert Riese unter anderem die derzeitige Finanzsituation.

Foto: Eckhard Jüngel

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Mit dem Neujahrsempfang und rund 650 Gästen, darunter Kunden, Partner sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und der Kirchen, eröffnete Dienstagabend die Kreissparkasse Eichsfeld in der Obereichsfeldhalle das 182. Geschäftsjahr. Es war ein Abend mit Musik, so manch witziger und charmanter Ausführung, einer, an dem aber auch düstere Bilder nicht fehlten. Es ging um das Klima, und nicht nur um das, über das TV-Meteorologe Sven Plöger aus Sicht des Wetterexperten sprach. Es ging um das in Gesellschaft und Finanzwelt.

Landrat Werner Henning (CDU) zeigte sich erst einmal „nicht unzufrieden“ mit der hiesigen Situation. Die Haushalte sind ausgeglichen. Von der Landesebene erwartet er nun „eine dem Ganzen dienende Haltung“. Alle mit gutem Willen müssten jedoch konstruktiv zusammenarbeiten wollen. „Schwer dürften sich darin nur jene tun, welche ihr Handeln zum Ausdruck einer weltfremden Eitelkeit haben werden lassen.“ Und schon gar nicht dazu passten „die Schreier und Giftmischer, mit denen sich alle halbwegs Erzogenen nicht gemein machen sollten.“ Nach Ansicht Hennings braucht es unter anderem wieder mehr gesunden Menschenverstand und Vertrauen in die Kompetenz wirklicher Fachleute.

Sein Umweltthema an dem Abend: die Windkraft. Wenn Windräder gebaut werden müssten, sollte das aus kommunalpolitischer Kraft gestemmt werden und die Wertschöpfung dem Gemeinwesen zugute kommen, so sein Standpunkt. Und er nimmt die Gemeinden auch bei der Bereitstellung von günstigen Bauplätzen für bleibewillige junge Leute in die Verantwortung.

Unter den Gedanken „Whatever it takes“ (was auch immer notwendig ist) stellte der Vorstandschef der

Kreissparkasse, Hubert Riese, seine Rede. Und brauchen dürfte es einiges, denn das Bild, das er von der Welt und dem Finanzsektor aufgrund der Zinspolitik zeichnete, war düster. Er kritisierte auch, dass häufig die, die das Wort Demokratie in den Mund nähmen, oftmals intolerant, ideologisch und diktatorisch mit ihren Mitmenschen umgehen würden. „Wenn alle wieder demütiger werden und zueinander finden, wird es einfacher, vernünftige Lösungen für die großen gesellschaftlichen Themen zu finden, und zwar innerhalb kürzester Zeit“, ist Riese überzeugt. Keinen Hehl machte er zudem daraus, dass die Sparkassen in einem spürbaren Umbruch stehen. Die niedrigen Zinsen zehrten am Geschäftsmodell, am Zinsüberschuss und den Nerven. Oft wird er von Kunden gefragt, ob sie mit Negativzinsen für Geldanlagen rechnen müssen. Die Kreissparkasse, so erklärte er dazu, habe bei den Zinssenkungen der EZB das Schutzschild lange hochgehalten. Doch sie sei ein Wirtschaftsunternehmen und könne es sich auf Dauer nicht leisten, gegen die Logik der Betriebswirtschaft zu handeln.

Große Banken hätten bereits Verwahrentgelte eingeführt, was einen Dominoeffekt in Gang gesetzt habe. Die Kreissparkasse werde ihrerseits mit Kundeneinlagen überschwemmt, für die sie bei der Bundesbank Verwahrentgelt zahlen müsse. Früher, so Riese, habe man sich über das Einlagenwachstum gefreut, heute sorge es für Sorgenfalten. Die Bank sei gefordert, alles betriebswirtschaftlich Notwendige zu tun, um auch zukünftig erfolgreich agieren zu können. Die Eichsfelder könnten sicher sein, „dass wir nur Entscheidungen treffen werden, die ausgewogen und langfristig sinnvoll sind“, versprach Riese.

Was Fusionsgedanken angeht, stellt man sich laut Sparkassenchef den Entwicklung nicht entgegen, aber nur solch ein Partner werde ausgesucht, mit dem man zum Wohle der Kunden, der Mitarbeiter und des Landkreises in die Zukunft gehen könne.

Was die Digitalisierung angeht, nimmt die an Fahrt auf. Viele Kunden nutzen Angebote wie Onlinebanking, Chats und Apps. Trotzdem ist Beratung wichtig. Im Blick bleiben daher die Aufgaben der Filialen.

Rieses Fazit am Ende: „Der Kreissparkasse Eichsfeld geht es gut. Mit rund 30 Prozent Eigenkapitalausstattung ist sie kerngesund und für die Zukunft gut aufgestellt.“

Dann war er an der Reihe: Fernseh-Wettermann Sven Plöger. Er zog die Gäste mit seinem Vortrag „Klimawandel: Gute Aussichten für morgen?“ in den Bann. Wortgewandt, witzig und geistreich regte er zum Nachdenken über das derzeit meist diskutierte Thema an. Plöger sprach über Extremwetter und Wissenschaftler, die das vor über 20 Jahren voraussagten. Heute ist es unter anderem durch Hitzeperioden,

Trockenheit, Überschwemmungen und Stürme spürbar. Er war an dem Abend nicht der, der Gedanken und Entscheidungen vorgab. Er machte nachdenklich. Seiner Ansicht nach kann jeder etwas tun, auch im Umgang mit Ressourcen. Und fest steht für ihn: Jeder nicht sinnvoll in den Klimaschutz investierte Euro muss mit zwei bis elf Euro zurückgezahlt werden. Der Klimawandel, sagt Plöger, sei ein schleichender Prozess, ein Asteroideneinschlag in Zeitlupe. Und so warnte er vor Populisten, die noch nie ein Problem gelöst hätten, nur neue Konflikte schufen. Sein Rat: Auf ein solch gefährliches Experiment solle man sich nicht einlassen. Die Gäste applaudierten.

Unterhaltung boten Amplitude, Musikschüler und Sparkassenchor.

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