Ein Schatzkästchen der Natur

Eichsfeld.  Faserenzian, Glattnatter und Trollblume: Die biologische Vielfalt des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal.

Links im Bild ist der Deutsche Fransenenzian (Gentianella germanica) zu sehen, rechts der  Gewöhnliche Fransenenzian (Gentianopsis ciliata). Beide Enzianarten blühen im Spätsommer und Herbst auf Kalkmagerrasen.

Links im Bild ist der Deutsche Fransenenzian (Gentianella germanica) zu sehen, rechts der Gewöhnliche Fransenenzian (Gentianopsis ciliata). Beide Enzianarten blühen im Spätsommer und Herbst auf Kalkmagerrasen.

Foto: Arne Willenberg

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Dass es in der Natur von Lebewesen nur so wimmelt, ist zwar allgemein bekannt, doch wie vielfältig es dort draußen wirklich zugeht – das geht oft am Wanderer oder Spaziergänger vorbei. Dass zum Beispiel die Sibirische Schwertlilie oder das Sommer-Adonisröschen zum Teil direkt vor unserer Haustür wachsen, wissen sicher nur die wenigsten. Und wann ist einem das letzte Mal ein Feuersalamander über den Weg gelaufen?

Die Fülle unterschiedlichen Lebens in einem bestimmten Landschaftsraum oder in einem geografisch begrenzten Gebiet wird in einem Bewertungsmaßstab gemessen, den man als biologische Vielfalt oder Biodiversität bezeichnet. Alljährlich wird an die Erhaltung dieser am 22. Mai erinnert: dem Internationalen Tag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, umgangssprachlich auch oft einfach nur Tag der Artenvielfalt genannt.

Er erinnert an die 1992 in Nairobi angenommene Biodiversitäts-Konvention. Ein zentrales Ziel dieses internationalen Umweltabkommens ist der Erhalt der biologischen Vielfalt. Dazu gehört neben der Vielfalt der Ökosysteme – also die Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften – auch die Artenvielfalt und weiter die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

„Um seinen Verpflichtungen aus der Konvention nachzukommen, hat Deutschland eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt entwickelt“, erklärt dazu Arne Willenberg von Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Dazu wurden 30 Regionen zu „Hotspots der biologischen Vielfalt“ erklärt, die jeweils einen besonderen Reichtum charakteristischer Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten aufweisen.

Buchenwälder sind Heimat von selten Pflanzen und Tieren

„Eines dieser Schatzkästchen der Natur umfasst, gemeinsam mit dem Hohen Meißner und dem Kaufunger Wald in Hessen, große Teile des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal. Denn hier sind noch vielfältige naturnahe Buchenwaldgesellschaften zu finden, von welchen die trockenen und wärmebegünstigten Orchideen-Buchenwälder Heimat von teils seltenen Pflanzen und Tierarten sind“, sagt Arne Willenberg. Raritäten vor der Haustür also.

Aber damit noch nicht genug: Außerdem können im Naturpark die größten Eibenvorkommen Thüringens bestaunt werden. „In Waldschutzgebieten und im Nationalpark Hainich, welcher Bestandteil des Naturparks ist, laufen natürliche Waldentwicklungsprozesse ab, welche als zukünftige Urwälder schon heute vielen Urwaldarten Lebensraum bieten.“ Im südlichen Eichsfeld und im Werrabergland haben die Werra und ihre zahlreichen Nebenbäche aus der ursprünglichen Muschelkalkplatte eine Landschaft herausmodelliert, welche sich durch tief eingeschnittene Täler, Bergstürze und Steilhänge und somit ganz besondere Biotope auszeichnet. „Der Wald gerät hier an seine natürlichen Grenzen. An seine Stelle treten wärmeliebende Staudenfluren und Trockengebüsche, welche wiederum eine ganz spezielle Tier- und Pflanzenwelt aufweisen“, erklärt Arne Willenberg.

Ziegenbeweidung schafft Lebensraum für Orchideenvielfalt

Es seien aber vor allem die wegen bäuerlicher Tätigkeiten im 17., 18. und 19. Jahrhundert entstandenen Kulturlandbiotope, welche die hohe Artenvielfalt des Naturparks prägen. „So sind die durch Schaf- und Ziegenbeweidung entstandenen Kalkmagerrasen und Wacholderheiden Lebensraum vieler Orchideen, Enziane sowie wärme- und trockenheitsliebender Tiere.“ Mahdwiesen auf feuchten und nassen Standorten haben wiederum eine eigene Fauna und Flora. „Die Wildkrautflora der Kalkäcker zählt zu den artenreichsten in Thüringen.“

Doch die Kulturlandbiotope im Naturpark seien in ihrem Fortbestand stark gefährdet und mit diesen auch ihre charakteristischen Tier- und Pflanzenarten. Das geschah mit der Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen 100 Jahren.

„Fehlende Schaf- und Ziegenbeweidung lässt die einstmals artenreichen Magerrasen verbuschen und wiederbewalden. Düngung und Güllegaben haben aus blütenreichen bunten Mähwiesen vielfach ein artenarmes Einheitsgrünland gemacht, in welchem nur noch der Löwenzahn für Farbtupfer sorgt“, erklärt Arne Willenberg. Hinzu komme, dass Herbizide die Ackerwildkräuter reduzieren und die praktizierte Feldrandhygiene diesen Arten zudem keine Rückzugsmöglichkeiten gibt.

Zur Aufgabe des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal gehört es, diesen negativen Trend zu stoppen und die Reste der einstmals reichen Kulturlandschaft mit ihrer Vielfalt an Lebensräumen und Arten zu erhalten. „Das geht nur gemeinsam mit den im Naturpark lebenden Menschen, vor allem den hier agierenden Landwirten und Landnutzern. Nur so können wir unser Schatzkästchen der Natur im Nordwesten Thüringens auch für unsere Kinder und Enkel reich gefüllt halten“, so Arne Willenberg.

Weitere Informationen zum Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal im Internet unter: www.naturpark-ehw.de.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren