Ein Sohn der Stadt Heiligenstadt: Vom kleinen Poeten zum großen Schriftsteller

Heiligenstadt  Urenkel des Heiligenstädters Fritz Fuldner überreichen Bücher, Dokumente und unveröffentlichte Manuskripte an das Stadtarchiv der Eichsfelder Kreisstadt.

Stadtarchivarin Anne Hey fand auch in einem anderen alten Buch etwas über Fritz Fuldner.  

Stadtarchivarin Anne Hey fand auch in einem anderen alten Buch etwas über Fritz Fuldner.  

Foto: Antonia Pfaff

Fritz Fuldner – Jurist, Dichter, Poet, Familienvater und Heiligenstädter. Gelebt hat der Eichsfelder von 1860 bis 1928 und sein Nachlass wurde nun dem Stadtarchiv der Kreisstadt übergeben. „Nichts bleibt, was nicht bewahrt wird“, begrüßte Leiterin Anne Hey die Gäste, aber vor allem die Nachkommen – drei Urenkel – von Fritz Fuldner.

Anne Hey sprach davon, dass der Mensch Fritz Fuldner von „besonderer Bedeutung ist“ und seine Werke „zu Unrecht nicht mehr so populär im Eichsfeld“ sind. Auch Ute Althaus, Erste Beigeordnete der Stadt, gab zu, dass Fritz Fuldner in Heiligenstadt nicht mehr so bekannt ist. Den Namen hätte nur der eine oder andere mal gehört. Doch das will Anne Hey nun ändern.

Fuldner und seine Werke sollen gewürdigt und einen entsprechenden Platz erhalten. Außerdem rief sie dazu auf, den Nachlass im Archiv nun zu nutzen, zu erforschen und auch zu veröffentlichen. Denn sein Schaffen sei „vielfältig, feinfühlig, intelligent und besonders die retroperspektiven Bezüge zur Heilgenstädter Stadtgeschichte bemerkenswert“. Das bestätigte auch Urenkel Vasco Brattka.

In einem historischen Abriss, untermalt mit Bildern, Gedichten und überlieferten Episoden, brachte der Urenkel den Gästen die Person Fritz Fuldner näher. Letzterer hieß eigentlich Friedrich Karl August Fuldner, wurde aber nur Fritz genannt.

Geboren wurde er am 1. März 1860 in Heiligenstadt als Sohn des Rechtskonsulenten Friedrich Fuldner und seiner Ehefrau Berta, geborene Wunsch. Er besuchte das Gymnasium in Heiligenstadt und Mühlhausen. Sein Jura-Studium absolvierte er in Heidelberg, Leipzig und Berlin. Doch das Eichsfeld und Heiligenstadt blieben immer seine Heimat. Denn in vielen Werken, erzählte Vasco Brattka, würden Heiligenstadt, die hiesige Gegend und vor allem persönliche Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Auch noch als er 1899 nach Göttingen umgezogen ist.

Familie Fuldner lebte in Heiligenstadt, Kasseler Tor 585, später 6. Heute trägt das Haus die Nummer 14. Fritz Fuldner war der älteste Spross und hatte sechs Geschwister. Vasco Brattka rezitierte ein Gedicht, in dem Fritz Fuldner über seine Kindheit und Jugend schrieb, dass er nicht viel von harter Arbeit hielt. Während seine Brüder im Garten mit arbeiten mussten, schaute er lieber zu oder schrieb Gedichte und Novellen. Denn das erste Gedicht veröffentlichte der junge Fritz Fuldner mit nur 14 Jahren. Mit acht Jahren, erzählte der Urenkel, sei Fritz Fuldner vor dem Schloss in Heiligenstadt so schwer gestürzt, dass er als tot geglaubt nach Hause zu seinen Eltern gebracht wurde. Nur langsam habe er sich erholt.

Solche Erlebnisse und Begebenheiten habe Fritz Fuldner in seinen Werken verarbeitet. Gerade diesen Unfall beschreibe der Poet in dem Buch „Das Haus der Königin“, allerdings mit fiktiven Namen, berichtete Vasco Brattka, der dieses Werk auch zum Lesen empfiehlt. Lesenswert war in seinen Augen auch das Buch „Heimatidylle“, denn dort stehen Heiligenstadt und das Eichsfeld im Fokus. Es werden auch Episoden erzählt, als Fritz Fuldner schon mit Martha Emuth verheiratet war, und sie gemeinsam mit den vier Kindern Erich, Erna, Martha und Clara seine Eltern besuchten. Die Kleinen hätten Heiligenstadt immer als „Großmutter-Land“ bezeichnet. Geboren sind die Sprösslinge alle in Duderstadt.

Ein traumatisches Erlebnis für die Familie, aber vor allem für den Heiligenstädter Juristen sei der Tod seines Sohnes gewesen, so Vasco Brattka. Denn darüber sei sein Urgroßvater nie ganz hinweggekommen. Erich hatte Medizin studiert und sich als eine Art Sanitäter freiwillig für den Ersten Weltkrieg gemeldet – er fiel schnell.

Die Urenkel sind Nachfahren von Erna. „Das war unsere Oma.“ Und weil jeweils die Väter der Urenkel die Werke von Fritz Fuldner im Keller und Speicher aufbewahrten, konnten sie nun dem Stadtarchiv überreicht werden. „Die Bücher, Dokumente, Gedichte, unveröffentlichte Manuskripte, Noten und Bibel waren in Bananenkisten, Beuteln und Kartons eingepackt“, erinnerte sich Vasco Brattka. Für ihn bedeutete das stundenlange Arbeit, um sich zunächst einen Überblick zu verschaffen, was es denn noch alles vom Vorfahren gibt. Der erste Kontakt zwischen dem Urenkel und Anne Hey war bereits im Jahre 2008. Doch eine Übergabe kam damals noch nicht zustande. Zum einen, weil noch nicht klar war, wie groß und umfangreich der Nachlass ist, zum anderen weil Vasco Brattka im Ausland unterwegs war. Doch im Frühjahr dieses Jahres entstand ein erneuter Kontakt, und die Übergabe erfolgte nun am Samstagmittag. Bevor es zur alles entscheidenden Unterschrift kam, erklärte der Urenkel noch einmal, warum sich die Familie für Heiligenstadt und eben nicht für Göttingen entschieden hat. Fritz Fuldner sei hier geboren und sei immer mit der heutigen Kreisstadt verwurzelt geblieben, das belegen auch die vielen Gedichte und Novellen, die hier spielen. Zudem schickten ihm die Heiligenstädter zu seinem 60. Geburtstag eine Glückwunschadresse mit unzähligen Unterschriften aus der Bevölkerung. „Und das, obwohl er da schon in Göttingen lebte.“ Das sei eine große Wertschätzung seiner Person gewesen.

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