Erste-Hilfe-Kurs für junge Mütter in Leinefelde

Leinefelde  Ferdinant Rhode vom DRK Eichsfeld gibt im Leinefelder Frauenzentrum einen Workshop zum Verhalten im Ernstfall.

Anita Sturm übt zunächst die Herzdruckmassage an einer Babypuppe.  

Anita Sturm übt zunächst die Herzdruckmassage an einer Babypuppe.  

Foto: Antonia Pfaff

Es sind nur Bruchteile von Sekunden. Das Kleine liegt auf dem Wickeltisch, dreht sich und strampel munter. Und plötzlich stürzt es herunter. Eine Situation, die durchaus vorkommen kann, meint Ferdinant Rhode vom DRK Eichsfeld, der im Leinefelder Frauenzentrum einen Erste-Hilfe-Kurs am Baby und Kleinkind gibt.

Bevor die jungen Mütter selbst aktiv werden, gibt Ferdinant Rhode einen theoretischen Überblick zum richtigen Verhalten bei Notfällen, Krankheiten oder Unfällen. Dazu gehört unter anderem die Unterscheidung zwischen den Rufnummern 112 oder 116117. Während bei Notfällen und Unfällen die 112 gewählt werden sollte, dient die 116117 eher bei Krankheitsfällen. „Wenn ihr Baby am Wochenende krank wird, und Sie eigentlich zum Arzt gehen würden, dann empfiehlt sich diese Nummer“, nennt der DRKler ein Beispiel. Denn über diese sechsstellige Telefonnummer werde die Leitstelle in Weimar kontaktiert und würde einen hiesigen Arzt schicken.

Und damit ist der Kursleiter auch direkt beim nächsten Thema: Wie erkennen Eltern, dass es ihrem Kind nicht gut geht. Die Mamas im Leinefelder Frauenzentrum können gleich mehrere Symptome nennen: Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen oder sehr anhänglich sein. Dem stimmt Ferdinant Rhode vollkommen zu. Denn: „Am Verhalten erkennen Sie schon, ob Ihrem Kind etwas fehlt.“

Fieber ist das nächste Schlagwort und umfasst bei Kindern die Temperatur von 37,5 bis 38,5. „Alles was darüber hinaus ist, wird als hohes Fieber bezeichnet.“ Als Hausmittel nennen die Mütter sofort den Wadenwickel. „Den aber erst bei Kindern über sechs Monaten anwenden, und die Füßchen müssen warm sein.“ Wenn das gegeben ist, kann ein Lappen mit handwarmen Wasser um die Beinchen geschlagen werden und ein trockener drum herum. Nach zehn Minuten empfiehlt der DRKler einen Wechsel. Durch einen Wadenwickel würde die Temperatur um ein Grad pro Stunde sinken. Ferdinant Rhode warnt davor, nicht gleichzeitig Zäpfchen, Saft und Wadenwickel zu geben. Denn auch dadurch könne es zu einem Fieberkrampf kommen. Dieser könne entstehen, wenn die Temperatur zu schnell nach oben oder nach unten schieße. Bei einem Fieberkrampf, erklärt der Experte, würde das Baby blau anlaufen und die Augen verdrehen. „Das Kind sollte in dem Fall hochgenommen, der Kopf gestützt und der Notruf abgesetzt werden.“ Beim Notruf seien nur noch zwei „W“ wichtig: Zum einen, wo sich der Anrufer befindet, zum anderen das Warten auf weitere Fragen. „Denn während dem Leitstellendisponenten die Situation geschildert wird, schickt dieser den Rettungswagen heraus.“

Der Sturz vom Wickeltisch, der Couch oder einem Stuhl könne im Alltag jederzeit passieren. An der Stelle warnt Ferdinant Rhode davor, das Kind sofort hoch zu nehmen. Denn auf den ersten Blick sei manchmal nicht ersichtlich, ob es sich vielleicht weh getan haben könnte. Für die Eltern gilt nun, genau zu schauen, wie das Kind reagiert. Hier empfiehlt der Experte den Blick in die Augen, um zu schauen, ob die Pupillen anders aussehen. „Beobachten Sie das Kind mindestens 24 Stunden ganz genau, wenn sich in der Zeit etwas am Verhalten verändert, sollte ein Arzt aufgesucht werden.“

Zum Ende hin werden die Mütter selbst aktiv. Denn jetzt üben sie den Ernstfall. Auch bei den Kleinsten muss zunächst nach der Atmung geschaut werden. Wenn diese noch vorhanden ist, dann braucht es eine Art stabile Seitenlage. Das bedeutet, dass das Baby auf die Seite und ein Kissen zum Stabilisieren in den Rücken gelegt wird.

Wenn keine Atmung mehr vorhanden ist, braucht es die Herzdruckmassage. Natürlich könne diese nicht wie bei einem Erwachsenen erfolgen. Ein Baby sollte zunächst fünf Mal beatmet werden, etwa eine Minute lang, bevor der Notruf abgesetzt wird. „Denn Erwachsene würden sterben, weil das Herz nicht mehr schlägt, Babys hingegen, weil sie keinen Sauerstoff mehr haben.“

Anschließend geht es mit der Herzdruckmassage los: 30 Mal pumpen und zwei Mal beatmen. Wichtig: Der richtige Druckpunkt ist bei Babys einen Finger breit unter der Mitte der beiden Brustwarzen. Dort sollte der kleine Oberkörper zu einem Drittel mit beiden Fingern nach unten gedrückt werden. Bei Kleinkindern könne ruhig eine Hand benutzt werden. „Es sollte darauf geachtet werden, dass bei Babys nicht zu viel Luft in die Lunge gepustet wird, ansonsten geht sie in den Magen“, sagt Ferdinant Rhode, der aber auch meint, dass ein Ersthelfer das merken würde. Der DRKler appelliert, dass die Eltern Ruhe bewahren sollen, denn Hektik und Stress würden sich auf Baby oder Kind übertragen.

Den Mamas im Kurs ist es wichtig, für den Ernstfall gerüstet zu sein, um richtig handeln zu können. Aber auch, um selbst einmal aktiv geworden zu sein, unter Anleitung eines Experten. Selbst testen sei besser als nur ein Video im Internet zu sehen.

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