Feuerwehr Ershausen: „Wir werden allein gelassen“

Ershausen.  Die Ershäuser Feuerwehr spricht von gravierenden Fehlern im neuen Stützpunktfeuerwehrkonzept, das im Eichsfelder Kreistag jetzt zum Beschluss steht.

Das neue Stützpunktfeuerwehrkonzept für das Eichsfeld stößt in Ershausen auf Widerstand.

Das neue Stützpunktfeuerwehrkonzept für das Eichsfeld stößt in Ershausen auf Widerstand.

Foto: Silvana Tismer

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Maik und Tino Hübenthal sind sauer. Die Brüder stehen der bisherigen Ershäuser Stützpunktfeuerwehr als Wehrleiter beziehungsweise stellvertretender Wehrleiter vor. Als sie vorigen Samstag zum Frühstück die Zeitung aufschlugen und lesen mussten, dass in dem neuen Stützpunktfeuerwehrkonzept Ershausen den Status verliert, waren sie sprachlos. „Es geht uns nicht um den Status oder das Ego, unbedingt Stützpunktfeuerwehr bleiben zu wollen“, sagt Wehrleiter Maik Hübenthal. „Wir haben auch so genug Arbeit. Aber es geht uns um einige grundlegende Dinge.“

Erst einmal, so sagt Tino Hübenthal, habe es mit der Wehrleitung im Vorfeld der Neukonzeption keine Gespräche gegeben. „Es hieß immer, im Herbst komme da was. Wir haben vergeblich auf einen Anruf gewartet.“ Auch mussten die beiden erst in der Zeitung lesen, dass es eine Versammlung der Eichsfelder Ortsbrandmeister und Wehrleiter gegeben habe. „Auch davon wussten wir nichts.“ Die Einladung, so haben sie inzwischen herausgefunden, ist vom Kreisbrandinspektor an die VG Ershausen/Geismar verschickt worden. „Aber da scheint sie hängengeblieben zu sein“, vermuten die Hübenthals. Das habe nicht nur sie, sondern alle Wehren im Beritt betroffen. „Es war niemand aus dem Südeichsfeld bei der Versammlung“, sagt Maik Hübenthal. „Und wären wir dort gewesen, wären wir aufgestanden. Das Konzept können wir so nicht mittragen.“

Die beiden sehen große Probleme, was die Abdeckung ihres Bereiches durch die Feuerwehr Eschwege betrifft, die im neuen Konzept vorgesehen ist. In der Stufe zwei muss nämlich wirksame Hilfe innerhalb von 20 Minuten geleistet werden können. „Das schaffen die Eschweger nicht“, sagt der Wehrleiter klipp und klar. Er selbst habe es mehrfach ausprobiert, auch Navigationssysteme getestet. „Die kürzeste Zeit sind 19 Minuten. Das aber ist nur die reine Fahrzeit. Da ist noch keiner nach einer Alarmierung ins Gerätehaus gefahren, hat sich umgezogen und ist gestartet. 20 Minuten sind unmöglich“, schildert er die Fakten. Dingelstädt benötige mindestens 18 Minuten reine Fahrzeit, Heiligenstadt gar 25. „Es ist ein Radius von 12 Kilometern angenommen worden – Luftlinie. Die Straßenverläufe aber sind anders.“

Funkproblem und falsche Angaben

Das zweite Problem betreffe den Funk. Die Eschweger in Hessen funken digital. „Wir immer noch analog. Soll ich mit den Kameraden beim Einsatz per Handy telefonieren?“, fragt der Wehrleiter. Die einzige Schnittstelle hierfür sei ein Einsatzleitwagen, den Ershausen nicht hat. „Der nächste steht in Grebendorf, ebenfalls in Hessen.“ Und Ershausen werde frühestens in zwei Jahren mit Digitalfunk ausgestattet. „Was soll in der Zwischenzeit werden?“, fragen die Hübenthals. Sie blicken auf das schwierige Objekt Johannesstift, in dem Menschen mit geistiger Behinderung leben und arbeiten. Zwar werde immer wieder der Notfall geprobt. „Aber das ist sehr, sehr schwierig. Im Katastrophenfall hätten wir erst einmal alle Hände voll mit der Evakuierung zu tun. Brandbekämpfung ist da vorerst nicht möglich.“ Die Folgen wollen sie sich gar nicht erst ausmalen. Es gibt mehrgeschossige Wohnblocks in Ershausen, rundherum auch Gewerbegebiete bis hinunter nach Geismar. „Wir werden hier allein gelassen.“

Bei der Lektüre des Konzeptes sind ihnen zudem fachliche Fehler aufgefallen. „Zum Beispiel steht dort, dass für Ershausen ein Mannschaftstransportwagen beschafft werden müsste. Den haben wir aber. Weiter steht dort, dass wir ein Tanklöschfahrzeug HLF 10 haben müssten. Auch das haben wir, es ist gerade einmal sechs Jahre alt“, versteht Tino Hübenthal die Angaben nicht. Für beide Fahrzeuge sei im Konzept eine Investition von 400.000 Euro veranschlagt. „Die nicht investiert werden müssen, weil die Fahrzeuge vorhanden sind.“ Eine Drehleiter aber, die die Stützpunktwehr längst hätte haben müssen, gibt es bis heute nicht. Maik Hübenthal blickt auf Heiligenstadt, wo gerade eine neue Drehleiter angeschafft wird. „Die alte, die in Heiligenstadt ausgemustert wird, hätte für uns genau die richtige Größe.“ Man trete jetzt bei der Kostenrechnung auf „alte Fehler wieder drauf“. Auch der Rüstwagen, der den Ershäusern bislang gute Dienste geleistet hat, soll nun obendrein noch nach Bischofferode abgegeben werden, bis dort eine Neuanschaffung realisiert werden kann.

Maik Hübenthal findet es schade, dass die Ershäuser Wehr nicht gehört wurde, wo man doch ansonsten mit dem Kreisbrandinspektor einen guten Kontakt und gute Zusammenarbeit pflege. „Uns geht es wirklich nicht um das Ego, sondern um die Sicherheit unserer Menschen in Ershausen und Umgebung. Dafür sind wir Feuerwehrleute geworden.“ Bis zu 30 Einsätze gibt es im Jahr. Die Einsatzabteilung zählt 30 Leute, von denen mindestens 20 verlässlich da sind. „Und es hieß, dass die Wehren, die keine Stützpunktfeuerwehr bleiben, Schwerpunktwehren werden. In unserem Fall ist davon auch keine Rede mehr“, ist Hübenthal bitter enttäuscht. Das neue Stützpunktfeuerwehrkonzept soll kommenden Mittwoch im Kreistag beschlossen werden. „Geht das so durch, werden wir weiter dagegen kämpfen“, kündigt er an.

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