Forellen und ein „Kommissar“: Kulinarische Lesung mit Überraschungsgast in Dingelstädt

Dingelstädt  Zu seiner kulinarischen Lesung im Dingelstädter Inregia-Center brachte Gourmetpapst Matthias Kaiser zur Überraschung von Gästen und Veranstalter den Schauspieler Peter Sodann mit.

Mit Bonmots, satirischem Schlagabtausch, aber auch nachdenklichen Worten unterhielten sie das Publikum. 

Mit Bonmots, satirischem Schlagabtausch, aber auch nachdenklichen Worten unterhielten sie das Publikum. 

Foto: Silvana Tismer

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Einen besseren Platz hätten die beiden Inregia-Netzwerk-Chefs Peter Kunkel und Marcel Mende für Matthias Kaiser am Freitagabend nicht finden können. Sie platzierten den Koch und Literaten kurzerhand in der Küche. Kaiser war gern nach Dingelstädt gekommen, schließlich war es eine gute Gelegenheit, in einer kurzweiligen Lesung sein mittlerweile 32. Buch „Der Forellenflüsterer“ vorzustellen. Zuvor hatten die Gäste gern die Gelegenheit ergriffen, in seinen Werken zu stöbern und sich gar den „Eichsfeld-Report“ signieren zu lassen. „Einige Exemplare kommen in unsere Dingelstädter Bibliothek“, sagte Stadtbürgermeister Andreas Fernkorn mit einem Lächeln.

Raunen ging aber durch die Reihen der Gäste, als Matthias Kaiser, nachdem er schon ein bisschen aus seinem Leben geplaudert hatte, wobei vor allem sein tiefer Respekt für seine Großmutter Nelly und deren „Herdchen“ eine Rolle spielte, ankündigte, er hätte sich Verstärkung mitgebracht. Einen Sachsen. Und dann kam Schauspieler Peter Sodann herein. Davon hatten weder die Zuhörer noch die Veranstalter im Vorfeld etwas gewusst. „Irgendwie muss der Kartenpreis ja was hergeben“, meinte Kaiser. „Das Essen 15 Euro, der Kaiser kriegt fünf, was ist mit dem Rest?“, meinte er unter Gelächter. „Als er mich angerufen hat, konnte ich nicht Nein sagen“, konterte Sodann. „Ich habe diesen furchtbaren Sprachfehler, ich kann einfach nicht Nein sagen.“ Es käme allerdings darauf an, wer ihn anrufe.

Man müsse die Natur wieder schätzen lernen

Kaiser nahm an diesem Abend natürlich liebevoll das Eichsfeld auf die Schippe. Als er vor zehn Jahren den Eichsfeld-Report geschrieben hätte, eine kulinarische Reise durch den Landkreis, sei er mit der Eichsfelder Trennkost in Berührung gekommen: „Eine Scheibe Wellfleisch, darauf Schmand und obendrauf eine Scheibe Feldgieker. Wahlweise die Zutaten einzeln.“ Diese Trenn-, äh, Vollkost sei sein körperlicher und geistiger Schmierstoff gewesen.

Jetzt aber, so Kaiser, könnte man meinen, er sei verrückt geworden. Sodann sah ihn unter Heiterkeit wissend an. Kaiser sprach den Titel seines neuen Buches an. Oma Nelly hätte einen zärtlichen Umgang mit Lebensmitteln gepflegt, gern mit „den Bratkartoffeln mitgeraschelt und den zu schlachtenden Hühnern versprochen, das aus ihnen etwas ganz Gutes wird.“ Kaiser wurde ernst. Er wolle mit dem Buch der Natur die Hand reichen, mit der die heutige Gesellschaft regelrecht widersinnig umgehe. Man müsse die Natur wieder schätzen lernen. Er habe schon Tiere auf dem Teller gehabt, bei denen er sich nicht sicher sei, ob sie je gelebt hätten.

Ausflüge in die Literatur und Kulinarik

Immer wieder sprang der Ball zwischen „Kommissar Ehrlicher“ und Matthias Kaiser hin und her. Mal kulinarisch, mal literarisch. Mal sogar politisch. Die beiden philosophierten über Hölderlin, der eingesperrt wurde, weil man damals meinte, er sei „bekloppt“, als er sagte, die Aufgabe des Staates sei das Glück seiner Bürger. „Das würde ihm heute wieder passieren“, warf Sodann trocken ein. Allerdings, wurde er ernst, verstünden viele Bürger ja nicht mal ihr Glück, dass sie leben.

Sodann las eine Kurzgeschichte von Siegfried Lenz, „Eine Nacht im Hotel“, die nachdenklich stimmte. Er erzählte auch von seiner berühmten Bibliothek, die mittlerweile über 600.000 Bände umfasst und in der er versucht, Literatur, die in der DDR erschien, für die Nachwelt zu retten.

Heiterkeit gab es wieder, als Kaiser eine aberwitzige Anekdote seiner Tante Elsbeth aus Köln las, die jedes Jahr zu Erntedank nach Thüringen kam und englische Thanksgiving-Kekse aus der Dose verteilte und das Fest nach deren Verzehr eskalierte. Erst viele Jahre später bekam nach Tante Elsbeths Tod Kaiser die Rezeptur in die Hand: „Man nehme mehrere Handvoll Hanfblätter, bei einen Besuch in Thüringen die Hälfte...“ Der Abend klang mit Fingerfood, netten Gesprächen und weiteren Ausflügen in die Literatur und Kulinarik aus. „Eine schöne Premiere“, hieß es vom Inregia-Center.

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