Forum in Heiligenstadt über Bausoldaten-Dienst

Heiligenstadt  Erfurter Professor spricht zum Verhältnis der katholischen Kirche in der DDR zum damaligen Wehrdienst ohne Waffe. Ehemalige Bausoldaten berichten.

Professor Jörg Seiler moderierte nach seinem Vortrag ein Podium mit den ehemaligen Bausoldaten (von links) Eberhard Schneemann, Peter Nagler, Winfried Lang, Bernhard Kaufung, Kristof Gregosz und Klaus-Peter Fröbrich, die über ihre Beweggründe, Erfahrungen und teils auch beruflichen Einschränkungen berichteten.

Professor Jörg Seiler moderierte nach seinem Vortrag ein Podium mit den ehemaligen Bausoldaten (von links) Eberhard Schneemann, Peter Nagler, Winfried Lang, Bernhard Kaufung, Kristof Gregosz und Klaus-Peter Fröbrich, die über ihre Beweggründe, Erfahrungen und teils auch beruflichen Einschränkungen berichteten.

Foto: Jürgen Backhaus

Zum Thema „Kirche und Kriegsdienstverweigerung“ wollte Kirchengeschichtsprofessor Jörg Seiler von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Erfurt im Eichsfeldforum am Donnerstagabend eigentlich auch über den Zivildienst in der Bundesrepublik sprechen. Diesen Teil ließ er aber weg, um eingehender darüber zu sprechen, wie sich die katholische Kirche in der DDR zum waffenlosen Dienst in der NVA verhielt. Nach einer Tagung zum Thema Bausoldaten unlängst in Leipzig sagte ein Ehemaliger zu Seiler: „Es war keine katholische Kirche da.“ Halt gefunden habe er damals bei der evangelischen Kirche. Seiler bestätigte, dass die katholischen Bischöfe den Wehrpflichtigen in ihren Gewissenskonflikten lange Zeit nicht beistanden. Das habe an klerikalem Eigeninteresse und ihrer politischen Abstinenz gelegen und der bereits in den 60er-Jahren (Wehrpflicht seit 1962, Bausoldaten-Alternative seit 1964) getroffenen Feststellung, dass Fahneneid und Bausoldaten-Gelöbnis die Gottesfrage nicht berühre. Sie hätten hier, anders als bei der Jugendweihe, jeden Konflikt mit dem Staat vermieden – und das Friedens- und Wehrdienstthema der evangelischen Kirche überlassen. Nur das Recht der Soldaten auf freie Religionsausübung hätten sie offiziell betont. Hilfe hätten die jungen Männer allerdings von Jugendseelsorgeämtern und Studentenseelsorgern erhalten, die mit Einkehrtagen und Handreichungen sowie einem Formular zur Erklärung der Waffenablehnung erst einmal auf diese Möglichkeit hinwiesen, und an den Einsatzorten auch von katholischen Pfarrern. Konkret habe sich die Berliner Ordinarienkonferenz nur für den Schutz ihrer Theologie-Studenten eingesetzt, alle anderen aber allein gelassen. Als eine der positiven Ausnahmen nannte Seiler den Erfurter Weihbischof Koch, der zu allen Bausoldaten Kontakt hielt, von denen er wusste. Erst seit Anfang der 80er-Jahre hätten die katholischen Bischöfe, so Seiler, sich dem Thema öffentlich gewidmet und sich sogar für einen sozialen Friedensdienst engagiert.

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