Gernrode verwandelt sich in Blütenmeer

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Auch andernorts wurden für die Insekten schon Blühstreifen angelegt.

Auch andernorts wurden für die Insekten schon Blühstreifen angelegt.

Foto: Patrick Pleul

Gernrode.  Umweltschutz mal ganz praktisch. Erwachsene und Kinder tun etwas für Insekten.

Die Initiative Umweltaktion Gernrode, in der sich zahlreiche Bürger des Dorfes eingebracht haben, ist sehr aktiv. Man redet nicht nur über den Umwelt- und Klimaschutz, sondern tut auch etwas dafür. „Auch in diesem Jahr ist wieder eine Aktion geplant“, sagt Walter Preis, der sich in der Gruppe engagiert und im vergangenen Jahr eine Aktion organisierte, für die er um die 60 kleine und große Gernröder gewinnen konnte, die dann an verschiedenen Stellen rund um den Ort 1000 Bäume pflanzten.

Und so dauerte es auch gar nicht lange, bis Spitzahorne, Moorbirken, Schwarzerlen, Weißdorn, Wildäpfel oder Kornelkirschen im Boden waren. Nun gibt es eine neue Idee und die lautet „Gernrode blüht auf“.

„Wir wollen Blühstreifen anlegen, Beete als Bienenweide schaffen, Nährpflanzen für Singvögel aussäen und Flächen für Insekten anlegen“, beschreibt Walter Preis das Vorhaben. Für den privaten Bereich seien schon etwa 120 Saatmischungen an Helfer, Unterstützer und Interessenten verteilt worden. Dabei handelt es sich um Saaten für Schmetterlingswiesen, für blühende Landschaftsmischungen, Bienen- und Hummelweiden, Samen für Insektentreffs, Nährwiesen für Singvögel sowie um Samen für Schmetterlingstreffpunkte.

Bilder von Bienenweiden undInsektenbeeten für die Ortschronik

Die Saatmischungen, so der Gernröder, werden im Frühjahr in privaten Gärten, auf Brachflächen oder in Blumenkübeln ausgebracht. Mit von der Partie sind dann unter anderem auch die Grundschule, der Kindergarten sowie die Gemeinde. Wenn die Bienenweiden und Insektenbeete in der Blüte sind, sollen Fotos gemacht und in die Ortschronik aufgenommen werden.

An der Blütenpracht können sich die Gernröder lange erfreuen, und zwar von Mai bis Oktober. „Und sie erleben, wie Insekten diese Blüten besuchen“, sagt Preis, der sich schon jetzt auf die Tierchen und die Farbenpracht freut.

Vor der Baumfläche in der Nähe vom Seeloch will die Initiative fachgerecht einen 500 Meter langen und vier bis sechs Meter breiten Blühstreifen von der Agrargenossenschaft anlegen lassen. „Dort kommt nur dafür zugelassenes Saatgut zum Einsatz“, betont Walter Preis.

Bienen, Hummeln und Schmetterlingebekommen Lebensraum

Außerdem werden dort Hinweistafeln, Bänke und Insektenhotels einen Platz bekommen. „Langfristig soll dort so ein Naturlehrpfad entstehen.“ Doch warum engagieren sich die Gernröder so? Als Gründe für die diesjährige Aktion nennt Preis das Aussterben vieler Insektenarten. „Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind aber elementar wichtig für die Bestäubung von Obst und Gemüse und haben so eine große ökologische Bedeutung. Die angelegten Wildblumenwiesen sind so ausgelegt, dass die Flächen vom Frühjahr über den Sommer bis in den Herbst ständig reichlich mit Blüten ausgestattet sind. Diese Blütenkonstanz vom Frühjahr bis zum Herbst soll dem dramatischen Rückgang an Bienen und Insekten in der Natur entgegenwirken“, erklärt er. Großer Wert wurde auch darauf gelegt, dass das Saatgut für die Gegend geeignet ist und aus Deutschland stammt.

Alle Maßnahmen wurde vorab im Bauausschuss des Gemeinderates abgestimmt. Und die Gemeinde hat auf das Anliegen positiv reagiert.

Auch für das nächste Jahr hat die Umweltaktion Gernrode schon einige Ideen und prüft zurzeit, welche durchführbar sind.

Laut Walter Preis wurde von vielen Einwohnern angeregt, noch einmal wieder einen Informationstag im Saal und auf dem Festplatz wie 2019 mit erweiterten Angeboten durchzuführen.

Zu der Aktion 2022, verspricht er, wird rechtzeitig informiert. Die Bäume, die im vergangenen Jahr gepflanzt wurden, werden im Frühjahr begutachtet. Die mit Wildverbiss sollen dann durch neue Bäume ersetzt werden.

Wer privat noch eine Blühfläche anlegen möchte, kann sich gern bei Walter Preis melden und erhält von ihm den entsprechenden Samen.