Gottesdienst in Heiligenstadt zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung

Heiligenstadt  Landrat Henning an die Jugend: „Nutzt diese Freiheit für euer Leben.“ Schulleiter schildern, wie sie den Mauerfall erlebten.

Das Anspiel gestalteten die Schulleiter einiger Eichsfelder Schulen: Peter Krippendorf, Kerstin Diegmann, Heinz-Peter Kaes, sowie Petra Stubenitzki (von links).

Das Anspiel gestalteten die Schulleiter einiger Eichsfelder Schulen: Peter Krippendorf, Kerstin Diegmann, Heinz-Peter Kaes, sowie Petra Stubenitzki (von links).

Foto: Johanna Braun

Er wollte keinen Festakt mit langen Reden. Er wollte viele Menschen verschiedenen Alters in einem ökumenischen Gottesdienst zusammenbringen. Die Idee von Landrat Werner Henning (CDU), einen solchen anlässlich des 30. Jahrestages der Grenzöffnung zu veranstalten, glückte am Freitagvormittag. Die St.-Martin-Kirche in Heiligenstadt war bis auf den letzten Platz besetzt.

Unter den Gästen waren aber eben nicht nur die obligatorischen Personen des öffentlichen Lebens, sondern auch zahlreiche Schüler, nicht nur aus Heiligenstadt, sondern auch aus Niedersachsen und Hessen. Und dass das zu DDR-Zeiten völlig undenkbar war, machte Pfarrer Johannes Möller in seiner Festpredigt deutlich und erklärte den jungen Leuten somit, dass die friedliche Revolution schon allein deshalb auch etwas mit ihrer Realität heute zu tun habe und noch lange nicht nur in die Geschichtsbücher gehöre.

Er sprach auch davon, dass die Menschen, die damals ohne Gewalt, sondern mit Kerzen in der Hand auf die Straßen gingen, nicht die Wiedervereinigung forderten, sondern vor allem Freiheit und dass die in jeder Generation wichtig sei. Der Mauerfall sei ein großes Geschenk gewesen. Und damit nicht immer neue Mauern im Kopf entstehen, müssten gerade junge Menschen aufeinander zugehen und miteinander reden.

Zuhören konnten die Schüler ihren Schulleitern beim Anspiel, in dem Peter Krippendorf, vom St.-Josef-Gymnasium Dingelstädt, Kerstin Diegmann vom Lingemann-Gymnasium in Heiligenstadt, Heinz-Peter Kaes, vom St.-Elisabeth-Gymnasium Heiligenstadt sowie Petra Stubenitzki von den Berufsbildenden Schulen des Eichsfeldes in Leinefelde von ihren Erfahrungen um das Jahr 1989 berichteten. Sie alle wählten einen unterschiedlichen Zugang zum Thema. Während es bei Peter Krippendorf um die Auflösung der Angst ging, als er die Nachricht der Grenzöffnung hörte, war es bei Heinz-Peter Kaes die Sprachlosigkeit, als er die Bilder des Mauerfalls in Berlin über den Fernseher verfolgte. Kerstin Diegmann sprach über ihre Bedenken, ob denn nun alles friedlich ausgehen sollte, und davon, dass die Friedenskerzen wohl gewirkt haben müssen. Und Petra Stubenitzki erinnerte sich daran, ihren betagten Vater bald nach der Grenzöffnung in die Orte seiner Kindheit und an den Hanstein gefahren zu haben, mit dem Trabant, den sie erst einen Monat zuvor auf dem Schwarzmarkt gekauft hatte.

Der Landrat blickte zu Beginn des Gottesdienstes dankbar zurück auf die Montagsdemonstrationen und die damals „kaum vorstellbare Grenzöffnung“. An diesem Rückblick wolle er aber nicht zu lange verharren, sondern freudig auf die jungen Menschen schauen, „denen diese damals gewonnene natürliche Freiheit längst zum selbstverständlichen Raum des eigenen Lebens geworden ist“.

Er rief ihnen zu: „Nutzt diese Freiheit für euer Leben, um aus deren Gestaltung euren Alltag zu bereichern. Bleibt geerdet und schaut gleichzeitig anspruchsvoll nach vorn.“

Der Schulchor des St.-Elisabeth-Gymnasiums, die Bläser der Eichsfelder Musikschule und Organist Johannes Schmidt untermalten den Gottesdienst musikalisch. Und bevor es draußen vor der Kirche Bratwürste gab, sangen alle Gäste gemeinsam „Großer Gott wir loben dich“.

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