Hohe Ehrung für ehemalige Schulleiterin von Weißenborn-Lüderode

Weißenborn-Lüderode.  Anita Bierwisch erhält zum Abschied in den Ruhestand Thüringens höchsten Bildungspreis, den Salzmannpreis, für ihre Tätigkeit in der Grundschule.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) verleiht in Erfurt den Salzmannpreise 2019 an Anita Bierwisch, ehemalige Schulleiterin der Staatlichen Grundschule Weißenborn-Lüderode.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) verleiht in Erfurt den Salzmannpreise 2019 an Anita Bierwisch, ehemalige Schulleiterin der Staatlichen Grundschule Weißenborn-Lüderode.

Foto: Marco Schmidt

Dass sie mit der Verabschiedung in den Ruhestand nicht nur ein Dankeschön ihrer Schüler bekommen würde, sondern als besondere Wertschätzung auch die höchste Bildungsauszeichnung Thüringens, den Salzmann-Preis, damit hatte Anita Bierwisch, langjährige Leiterin der Grundschule in Weißenborn-Lüderode, nicht gerechnet. Ganz besonders freut es die Pädagogin, dass die Initiative dafür von den Eltern ausging, denn der Weg, den sie mit einem neuen Konzept beschritt, war nicht einfach. Dass das individuelle Lernen nach System, wie es in der Fachsprache heißt, das Lernen nach Jahres- und Teilarbeitsplänen, nicht bei allen Müttern und Väter auf Gegenliebe stieß, weiß sie. Die Nominierung für den Preis ist nun eine besondere Form der Akzeptanz und des Respekts. Schließlich kam der Vorschlag vom Elternrat und Förderverein. „Nun kann ich beruhigt in den Ruhestand gehen“, sagt die Lehrerin.

Gestern ging es aber erst einmal nach Erfurt – zusammen mit Kollegen, Tina Gödecke vom Elternrat und Norbert Wilhammer, dem Fördervereinsvorsitzenden. Mit der Eichsfelderin wurden neun weitere Thüringer mit dem Salzmann-Preis geehrt, die sich unter anderem um die frühkindliche, schulische und außerschulische Bildung verdient gemacht haben.

Die Auszeichnung ist nach dem Theologen und Pädagogen Christian Gotthilf Salzmann benannt, der 1784 in Schnepfenthal eine eigene Erziehungsanstalt gründete.

Anita Bierwisch übernahm 2008 die Leitung und setzte sich für eine moderne Schule ein, erzählen Tina Gödecke und Norbert Wilhammer. Sie freuen sich, dass aus der Einrichtung eine Schule „mit Herz und Verstand“ geworden ist. Die Pädagogin, da sind sich beide einig, schuf Strukturen, die es den Schülern ermöglichen, „auf verschiedenen Ebenen zu selbstständigen und selbstverantwortlichen Menschen heranzureifen“. Sie setzte die freie Selbst-Arbeit ein, bei der sich die Kinder mit ihren Lernplan auseinandersetzen und lernen, wie sie am besten arbeiten. Doch auch das Menschliche, berichten beide, ist Anita Bierwisch wichtig. So gibt es Schülerpatenschaften im klassenübergreifenden Unterricht, jeder Viertklässler durchläuft eine Streitschlichter-Ausbildung. Es gibt Schüler-Vollversammlungen, Gesprächskreise zum Wochenbeginn. Die Grundschule, meinen Tina Gödecke und Norbert Wilhammer, sei dank Anita Bierwisch zu einem „Gesamt-Organismus“ geworden, der neben dem Lernbereich noch viel mehr einschließe.

Im Hort der Schule wissen die Eltern ihre Kinder in guten Händen, und die Arbeitsgemeinschaften bieten reichlich Abwechslung. Im Schulgarten wurde ein Stück zum Lerngarten umfunktioniert, wo unter anderem Gemüse angepflanzt, gepflegt und geerntet wird. Letzteres war dann auch ein guter Grund, eine Koch-und Back-AG zu gründen.

Jedes Jahr gibt es Lesewettbewerbe, der Schulhof wurde verschönt, der Speisesaal zu einem kindergerechten Speiseraum gemacht. Und die Schulleiterin unterstützte auch ihn, den Förderverein. Anita Bierwisch hat es verstanden, so Tina Gödecke und Norbert Wilhammer, ihr Team mit ihrer Vision zu inspirieren und zur Umsetzung zu motivieren. Dass es heute an der Schule viele Gewinner gibt, dessen sind sich beide sicher. Doch nicht nur da. Ein Gewinner sei die Gesellschaft, die von Werten wie Mitgefühl, Toleranz und Gemeinschaftsgeist profitiere.

Alles in allem brachte es Anita Bierwisch zu einem Erfolgsrezept. Die Zutaten: menschliche Wärme, Zielstrebigkeit, Mut, Energie, Überzeugungsfähigkeit, pädagogisches Geschick und Humor.

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