Impfstart am Eichsfeld-Klinikum: 360 Dosen werden verteilt

Eichsfeld  Pflegepersonal hat absoluten Vorrang. Chefarzt holt Impfstoff persönlich in Gera ab. Die Impfbereitschaft sei hoch.

Intensivpfleger Stephan Hoch (44) ist einer der ersten Mitarbeiter im Eichsfeld-Klinikum, die am Montag (11. Januar) von Oliver Möller, Chefarzt der Pädiatrie und stellvertretender Ärztlicher Direktor, gegen Corona geimpft wurden.

Intensivpfleger Stephan Hoch (44) ist einer der ersten Mitarbeiter im Eichsfeld-Klinikum, die am Montag (11. Januar) von Oliver Möller, Chefarzt der Pädiatrie und stellvertretender Ärztlicher Direktor, gegen Corona geimpft wurden.

Foto: Eckhard Jüngel

Oliver Möller, Chefarzt der Pädiatrie und stellvertretender Ärztlicher Direktor des Eichsfeld-Klinikums, hat am Montagmorgen um 4.30 Uhr das Auto gestartet, um den zugeteilten Impfstoff für das Eichsfeld-Klinikum persönlich abzuholen. Fest war die Kühlbox für die Rückfahrt in der Kindersicherung festgeschnallt. Auch die Heimreise klappte reibungslos, so dass Punkt 10.15 Uhr im Haus St. Vincenz in Heiligenstadt die erste Impfung mit dem Wirkstoff von Biontech Pfizer erfolgen konnte. Schwester Gabi war die erste.

360 Dosen können nun im Laufe der Woche verabreicht werden. „Wir haben im Vorfeld das Pflegepersonal priorisiert, wer als erste geimpft werden kann und sollte“, erklärt Oliver Möller. „Das ist das Personal der Intensivstation und der Corona-Stationen sowie der Notfallambulanz. Die H4 war heute als erstes an der Reihe“, erklärt er. Im Klinikum werden auch keine Patienten oder gar VIPs geimpft, der zugeteilte Impfstoff sei allein dem Personal vorbehalten. Die Priorisierung erfolgte, da das Eichsfeld-Klinikum rund 1000 Mitarbeiter hat und derzeit nicht genügend Impfstoff für alle bereitgestellt werden kann.

In der Cafeteria im Erdgeschoss von St. Vincenz ist die „Impfstraße“ aufgebaut. Vom Ausfüllen des Schriftverkehrs bis zur Impfe selbst sind es nur wenige Meter. Und nachdem der Piks erfolgte, sollten die Mitarbeiter noch eine halbe Stunde vor Ort bleiben, ob sich eventuell allergische oder körperliche Reaktionen zeigen. „Bislang nicht“, sieht sich Oliver Möller am Montagnachmittag aus seiner ärztlichen Praxis bestätigt. Er hatte so etwas auch nicht erwartet.

Die Eintaktung des Personals sei ein großer logistischer Aufwand gewesen, um die Dienstpläne nicht durcheinander zu bringen und in den Krankenhausablauf nicht eingreifen zu müssen. Immer in Sechsergruppen sind die Mitarbeiter eingeteilt, aus einem Fläschchen Wirkstoff lassen sich sechs Dosen ziehen. In etwa drei bis vier Wochen erfolge die zweite Impfung, auch dann werde er wahrscheinlich wieder selbst ins Auto steigen und den Wirkstoff abholen.

Aversionen gegen die Impfung habe es bislang kaum gegeben. „Der eine oder andere hat schon Bedenken geäußert, aber viele Pfleger sehen das Leid auf den Intensiv- und Coronastationen“, so Möller. „Bei ihnen ist die Impfbereitschaft sehr sehr hoch.“ Zu ihnen gehört auch Intensiv-Pfleger Stephan Hoch, der am Montag um 14.30 Uhr an der Reihe war. Auch für ihn sei es selbstverständlich gewesen, sich impfen zu lassen. „Gar keine Frage“, sagt er.

Als Möller am frühen Morgen in Gera den Impfstoff in Empfang genommen hatte, war klar, dass die Impfaktion am gleichen Tag starten und auch am Freitag beendet sein muss. „Sobald er aus der Kühlung von minus 73 Grad Celsius kommt, muss er innerhalb von fünf Tagen verimpft sein“, erklärt er. Natürlich stehen die Dosen für die kommenden Tage auch im Klinikum in der Kühlung. Darum habe er sich entschieden, selbst loszufahren, um die Transportwege möglichst gering zu halten und nicht noch ein anderes Unternehmen dazwischen zu schalten.