Institut für Pflegeberufliche Bildung Leinefelde informiert zu neuen Ausbildungen

Leinefelde.  Tag der offenen Tür im Institut. Schulleiterin erklärt: „Es braucht eine neue Kultur der Zugewandtheit und des Wohlwollens.“

Beim Tag der offenen Tür im Leinefelder Institut für Pflegeberufliche Bildung gibt  Schulleiterin Dr. Traudel Weber-Reich Einblicke in die Pflegeberufe.

Beim Tag der offenen Tür im Leinefelder Institut für Pflegeberufliche Bildung gibt  Schulleiterin Dr. Traudel Weber-Reich Einblicke in die Pflegeberufe.

Foto: Eckhard Jüngel

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Pflege – den Begriff kennen alle, doch was sich hinter der Ausbildung in einzelnen Berufsfeldern verbirgt und welche Aufstiegschancen es gibt, das wissen viele nicht. Ein Grund mehr für die ehemalige Altenpflegeschule in Leinefelde, die in diesem Jahr den Wandel zum Institut für Pflegeberufliche Bildung vollziehen will, bei einem Tag der offenen Tür einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren und gleichzeitig über die Aus-, Fort und Weiterbildung zu informieren.

„Der Pflegeberuf ist einer der wichtigsten Berufe im Sozialstaat“, sagt Schulleiterin Traudel Weber-Reich. Dieser Erkenntnis trage nun auch der Gesetzgeber mit einer neuen, bundeseinheitlichen, zeitgemäßen und nicht zuletzt attraktiven Pflegefachausbildung Rechnung. Sie nimmt ab 2020 das gesamte Feld pflegerischer Versorgung von Menschen aller Altersstufen in den Blick. Die exakte Bezeichnung: generalistische Pflegeausbildung.

Den Absolventen, so Weber-Reich, ermögliche dies, als Pflegefachfrau beziehungsweise -mann in allen Bereichen der Pflege qualifiziert zu arbeiten, und zwar mit einer EU-weiten beruflichen Anerkennung. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Ausbildung im dritten Jahr auf die Pflege von Kindern und Jugendlichen oder auf die von alten Menschen hin ausgerichtet und entsprechend spezialisiert abgeschlossen werden.

Ein Beruf für Frauen und Männer

Zahlreiche Fragen zum neuen Gesetz muss die Schulleiterin am Freitag beantworten. Das tut sie gern. Und gern würde sie es sehen, wenn noch mehr Männer in die Richtung gingen. „Langsam sind wir auf dem richtigen Weg“, meint Weber-Reich und betont, dass der Beruf einer für beide Geschlechter.

In dem Bereich hat sich einiges geändert. Bis jetzt, so die Schulleiterin, sei man im Wesentlichen auf die Altenpflege und damit auf die Pflegeheime fokussiert gewesen. Nun gebe es die Öffnung zur allgemeinen Pflegekraft, die nicht mehr nur in Heimen arbeite, sondern auch in Ambulanzen oder in der ambulanten Pflege.

Traudl Weber-Reich beantwortet die Fragen gern, sie will aufklären, motivieren und Interessierte begeistern. „Wer sich für einen Pflegeberuf bewirbt, muss Menschen mögen. Das ist Grundvoraussetzung. Er muss sie mögen, auch wenn sie Arbeit machen. Man muss beziehungsfähig und -willig sein, merken, wann man gefragt ist, Unterstützung bieten“, sagt sie klar und weiß, wie wichtig der zwischenmenschliche Aspekt ist.

Doch das ist auch nur eine Seite. „Wer in der Pflege arbeitet, muss zudem Interesse an der theoretischen Ausbildung haben. Man muss wissen, was Gesundheit ist, wie man gesund bleibt und wie dabei geholfen werden kann“, erklärt Traudel Weber-Reich. Es gibt viel, was einem Menschen, der Pflege braucht, gut tut. „In zwei Minuten kann ich zu ihm freundlich sein und ihn aufmuntern, in zwei Minuten kann ich ihn aber auch beleidigen, erdrücken und mutlos machen“, hat die Schulleiterin gleich ein Beispiel parat und betont, dass der Zeitfaktor wichtig, aber nicht das Wesentliche ist. Als Pflegekraft der Seniorin oder dem Kind ein Lachen schenken, Mut machen, ihnen mal zuwinken, zugewandt sein, das gehört für die Fachfrau unbedingt dazu. Ebenso die Beratung, wie Betroffene besser mit der Situation umgehen können. Das alles, so Traudel Weber-Reich, setzt Wissen voraus – nicht zuletzt solches über den Umgang mit Gesundheit und Krankheit. „Es geht außerdem um Grundbedürfnisse, nicht nur um Essen und Trinken, sondern um Respekt, Anerkennung und Selbstbestimmung.“

Die Gäste hören zu und stimmen auch zu, als die Schulleiterin erklärt, warum es für alle, die in der Pflege arbeiten wollen, gut ist, ein Praktikum zu absolvieren und den Alltag mit Schicht- und Wochenenddienst und mit viel Körpernähe kennenzulernen. „Wir müssen uns alle dafür einsetzen und engagieren, dass die Pflege besser wird. Wenn wir mit Respekt, Freundlichkeit und Professionalität handeln, gibt es weniger Konflikte“, sagt die Schulleiterin, die selbst unterrichtet und nur zu gut weiß, wie viel vom Erklären und Vermitteln abhängt.

Einfluss auf die gesellschaftliche Atmosphäre

Nur zu gern bricht sie eine Lanze für Pflegeberufe, die abwechslungsreich sind und in denen die Frauen und Männer, die hier arbeiten, viel zurückbekommen. Dass das so ist, bestätigt Denise Große. Die 18-jährige Dingelstädterin absolviert gerade ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft. Ob sie diesen Beruf wählen sollte, darüber sagt sie, habe sie lange nachgedacht und dann ein Praktikum in einem Pflegeheim gemacht. „Es hat mir dort super gefallen. Danach musste ich nicht mehr lange überlegen“, sagt die junge Frau, die bei den Worten strahlt. Menschen helfen, sie im Alltag unterstützen, das sei eine gute Sache. „Es ist anstrengend, aber schön“, meint die Eichsfelderin.

Weber-Reich hört das gern und weiß, dass es diese neue Kultur der Zugewandtheit und des Wohlwollens braucht, und ist sich sicher: „Über den Beruf können wir die gesellschaftliche Atmosphäre beeinflussen.“ Allerdings will sie auch mit einem Klischee aufräumen, dem, dass in der Pflege generell schlecht bezahlt wird. „Das stimmt so nicht. Die Bezahlung ist unterschiedlich, mancher sollte besser verhandeln“, sagt die Leiterin des Instituts für Pflegeberufliche Bildung, in dem derzeit rund 90 Frauen und Männer eine Aus- oder Weiterbildung machen.

Ab 1. September bietet es die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum -mann an; als Sonderweg kann nach dem zweiten Lehrjahr der Abschluss Altenpflege erworben werden. Zudem finden ab nächstem Monat Weiterbildungskurse zur Praxisanleitung und zur Verantwortlichen Pflegefachkraft statt. Im Mai startet eine Qualifizierung zur Fachkraft im Seniorenservice. Einen einjährigen Kurs zur Pflegehilfskraft gibt es ab September.

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