Kinderfreundlichkeit im Eichsfeld - Guter Duchschnitt neben Mängeln

Silvana Tismer
| Lesedauer: 4 Minuten
Petra Stubenitzky ist nicht nur Schulleiterin der SBBS Eichsfeld, sondern auch Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Sie kennt sich mit der Situation im Eichsfeld aus.

Petra Stubenitzky ist nicht nur Schulleiterin der SBBS Eichsfeld, sondern auch Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Sie kennt sich mit der Situation im Eichsfeld aus.

Foto: Eckhard Jüngel

Eichsfeld.  Das Eichsfeld bekommt im Heimatcheck unserer Leser bei der Kinderfreundlichkeit die Schulnote 2,3. Petra Stubenitzky steht als Direktorin und Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses in der Materie und analysiert die Situation.

Das Eichsfeld ist bekanntlich die Nummer eins in Deutschland, wenn es um die Rückkehrerquote junger Menschen geht. Vor allem junger Familien mit Kindern. Die neue Folge des Heimatchecks unserer Zeitung wertet das Thema „Kinderfreundlichkeit“ aus. Für das gesamte Eichsfeld gaben die Teilnehmer die Schulnote 2,3, die Regionen West und Mitte bekamen jeweils eine 2,2. Der Nord-Osten allerdings vergab nur eine 2,4.

Vor allem aus diesem Bereich äußerten Leser einige Gedanken. „Der Jugendclub wurde geschlossen, der Sportplatz entwidmet“, heißt es da. Oder: „Kein Sportplatz vor Ort, kein Bolzplatz für die Kinder.“ „Keine Treffpunkte für junge Menschen, kein Kino, keine Disko, kein Skaterplatz mehr, kein freier Fußballplatz“, hieß es weiter. „Zu wenig Sonnenschutz auf den Spielplätzen.“ „Keine Freizeitangebote, und wenn es sie gibt, dann zu teuer.“ „Alleinstehenden Muttis mit Kindern werden Steine vor die Füße geworfen.“

Aber es gibt auch gegenteilige Meinungen. Eine lautet: „Nach Worbis sind viele junge Familien mit Kindern gezogen, aber außer dem Bärenpark gibt es keine Freizeitangebote in der Stadt.“ Eine andere: „Worbis ist ein sehr kinderfreundlicher Ort.“ In der Region West wünscht man sich zum Beispiel einen „Jugendclub, der bis 22 Uhr geöffnet hat.“ Aus der Region Mitte kam kurz und knapp: „Das Angebot für Jugendliche ist aus meiner Sicht tote Hose.“

Hervorragende Verbandsarbeit in Sachen Kinder und Jugend

Petra Stubenitzky sieht das etwas anders. Die Christdemokratin ist die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses des Eichsfelder Kreistages. Gerade erst habe man den neuen Jugendförderplan verabschiedet, der finanziell nicht beschnitten, sondern im Gegenteil aufgestockt wurde. 55 Jugendfreizeiteinrichtungen gebe es im Landkreis. „Was der Kreis an Ausstattung bieten kann, ist aus meiner Sicht optimal. Auch bei der Flächengröße, die zur Verfügung steht. Aber wir haben teils auch hier mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen.“ In der VG Uder zum Beispiel suche man händeringend nach einem Jugendclubbetreuer.

Was die Jugendarbeit angehe, so seien es aber nicht nur die Jugendclubs, die diese Aufgabe stemmen müssen. „Wir haben bei uns eine unglaublich starke Verbandsarbeit“, sagt Petra Stubenitzky. Da wären zum Beispiel die vielen Sportvereine, die Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz, dazu zahlreiche Träger wie die Kirche, aber auch eine Unmenge an Kursangeboten zum Beispiel vom Kerbschen Berg und der Ko-ra-le in Heiligenstadt, die vor allem im Bereich der kleineren Kinder arbeiten.

Junge Leute wollen heutzutage nicht mehr gegängelt werden

In den vergangenen Jahren aber habe ein Wandel eingesetzt. „Junge Leute wollen heute nicht mehr so an die Hand genommen oder gegängelt werden“, weiß Petra Stubenitzky, die hauptberuflich die Staatlichen Berufsbildenden Schulen in Leinefelde leitet. Eigenverantwortung sei eine tolle Sache, aber man verliere die Angebote für diejenigen, die Anleitung brauchen, nicht aus den Augen.

Auch in Entscheidungen werden junge Leute eingebunden, so zum Beispiel bei der Vergabe von Förderungen. „Wir wollen die Selbstständigkeit der Jugend stärken, aber wir sind hier auch auf Ehrenamt angewiesen.“ Zum Beispiel auf junge Menschen, die die Jugendleitercard erwerben. Sie werden nicht nur in Verantwortung geschult, sondern auch darin, Konflikte zu lösen, um Jugendclubs zu leiten. „Im März startet der nächste Kurs zum Beispiel bei der Villa Lampe.“ Dass man kleine Kinder nicht allein laufen lassen kann, das sei klar. Aber Jugendliche wollen tatsächlich mehr selbstverantwortlich sein.

Für Spielplätze, Kino, Disco und dergleichen Kommunen zuständig

Stolz ist Petra Stubenitzky darauf, dass es in jeder weiterführenden Schule im Landkreis einen Schulsozialarbeiter gibt. „Wir befinden uns allgemein in einer komfortablen Situation.“ In Sachen Spielplätze, Kino oder Disco seien weder Jugendamt noch Jugendhilfeausschuss zuständig. „Das liegt bei den Kommunen und vielen anderen Faktoren.“ Oft sei es aber auch nur, zum Beispiel bei Spielplätzen, ein Kommunikationsproblem. Manchmal aber könne sich eine Kommune den neuen Spielplatz einfach nicht leisten und ist auf Eigeninitiativen oder Hilfe angewiesen.

Klar stellt Petra Stubenitzky, dass Jugendamt und der Ausschuss das gleiche Ziel verfolgen: Das Beste für die jungen Leute. Im ersten Halbjahr des angebrochenen Jahres wolle man gemeinsam alle 55 Einrichtungen besuchen, dort mit den jungen Leuten sprechen, die Wünsche und Bedarfe aufnehmen.