Kanonenbahn Lengenfeld: Neustart mit neuem Geschäftsführer

Alexander Volkmann
| Lesedauer: 4 Minuten
Tobias Kaufhold ist ab 1. Februar der neue Geschäftsführer der Eichsfelder Kanonenbahn.

Tobias Kaufhold ist ab 1. Februar der neue Geschäftsführer der Eichsfelder Kanonenbahn.

Foto: Alexander Volkmann

Lengenfeld.  Tobias Kaufhold will die Kanonenbahn wieder auf solide Füße stellen und das touristische Angebot erweitern. Das sind die Pläne.

Der Kanonenbahnverein Lengenfeld (KVL) hat nun den neuen Geschäftsführer für die Eichfelder Kanonenbahn gGmbH vorgestellt. Die Weichen stehen damit auf Neustart. Der 36 Jahre alte gelernte Buchhalter Tobias Kaufhold aus Faulungen wird ab 1. Februar die gemeinnützigen Gesellschaft leiten. Mit dem Wirtschaftsbetrieb, vor allem mit den Draisinefahrten, werden die finanziellen Mittel erwirtschaftet, die dem Satzungszweck zugute kommen – dem Erhalt der Bauwerke entlang der Strecke, vor allem des Lengenfelder Viadukts.

Der neue Mann an der Spitze ist in der Region gut vernetzt. Ehrenamtlich engagiert sich Kaufhold als Jugendwart in der Faulunger Feuerwehr und spielt in Diedorf Blasmusik.

Kaufhold will die Kanonenbahn wieder auf solide Füße stellen, verloren gegangenes Vertrauen bei Verein und bei Bevölkerung zurückgewinnen. Jahrelang hatte es Querelen gegeben. Begründet war das vor allem in der Führung von Verein und Gesellschaft in Personalunion. Seit August nun ist Südeichsfeld-Bürgermeister Andreas Henning (parteilos) neuer Vorsitzender. Nun folgt als logische Konsequenz die Neubesetzung des Geschäftsführerpostens.

Tourismusangebote sollen gebündelt werden

„Erlebnis Draisine“ soll nicht nur ein Slogan sein, meint Kaufhold. Das touristische Angebot soll deutlich ausgebaut werden. Zum Beispiel müssten die Ferienwohnungen am Lengenfelder Bahnhof renoviert und die Draisinen modernisiert werden. Ein Online-Ticketsystem soll eingeführt werden.

Es gibt weitere kreative Ideen: Übernachtungen im Eisenbahnwaggon, Hochzeiten auf der Draisine, gespurte Loipen im Winter. Der Betrieb bliebe damit nicht nur ein auf die Draisine ausgerichtetes Saisongeschäft. Die Gastronomie am Lengenfelder Bahnhof müsse verbessert, ein breites Angebot regionaler und gesunder Lebensmittel geschaffen. Auch Feierlichkeiten sollen dort wieder möglich sein.

Vieles davon wurde bereits angeboten aber bisher unzureichend vermarktet, meint Kaufhold. Die Tourismusangebote der Region will er bündeln. Er wird deshalb auch Marketing-Aufgaben für die Gemeinde Südeichsfeld übernehmen.

Die Draisine soll zudem ein attraktiver und langfristiger Arbeitgeber werden, sagt er. Löhne müssten angepasst, das Erscheinungsbild verbessert werden. Derzeit arbeiten acht Personen für die gGmbH. Vor allem für die Hauptsaison werde das nicht reichen. Man brauche weiteres Personal, vor allem auf 450-Euro-Basis.

Kaufhold geht davon aus, dass in fünf bis acht Jahren bei entsprechender Förderung die Eigenmittel für die Sanierung des Viaduktes erwirtschaftet werden könnten.

Ein Betrieb des Bahnhofs Dingelstädt über die Kanonenbahn kommt in seinen Plänen derzeit nicht vor. Der Vorstand bekräftigte erneut, das Objekt verkaufen zu wollen. Allerdings solle das künftige Betreiberkonzept den Kanonenbahnradweg und die Draisinen mit einbeziehen. Man wolle das Potenzial des Radwegekreuzes Dingelstädt nutzen, sagte Henning. Draisinen könnten etwa bis Küllstedt fahren, ein Fahrradverleih angeboten werden, weshalb der Verein gerne eine Fläche am Bahnhof behalten will.

Ziel: Radweg bis an das Viadukt ausbauen

Im vergangenen Jahr waren rund 15.000 Besucher auf der Draisinestrecke unterwegs – nur halb so viele wie vor Corona. Die Saison war von Juni bis Oktober verkürzt. Einen Anteil am Rückgang der Besucherzahlen dürfte auch die Sperrung des Viaduktes, der Hauptattraktion der Strecke, gehabt haben. Die Fahrzeuge fuhren erst ab Schloss Bischofstein, was auch Auswirkungen auf die Einnahmen aus der Gastronomie am Lengenfelder Bahnhof hatte.

Die Auflagen des Bauamtes des Unstrut-Hainich-Kreises seien im ersten Schritt umgesetzt worden, erklärt Zacharias Kobold vom Vorstand. Bohlenbelag und Geländer wurden erneuert und repariert. Die endgültige Abnahme stehe noch aus. In diesem Jahr wird es weitere Instandhaltungsarbeiten geben. Der Vorstand geht davon aus, dass mit Saisonstart im April wieder Draisinen über das Viadukt fahren können.

Angedacht ist, möglichst zeitnah auch den Radweg bis direkt an die Brücke zu führen. Ein Befahren mit dem Fahrrad ist zwar noch nicht möglich – darüber schieben, das geht aber. Auch das soll die Attraktivität der Strecke weiter steigern.